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Dynamo entschuldigt sich bei seinen Fans

Nach dem 0:3 bei Holstein Kiel findet Niklas Kreuzer offene Worte, aber noch wichtiger ist der Blick nach vorn. Dem Trainer fällt der schwer.

Die Spieler applaudieren den Fans – und die sind auch die einzigen Dresdner, die sich nach diesem Spiel Beifall verdient haben, weil sie bis zum Schluss singen.
Die Spieler applaudieren den Fans – und die sind auch die einzigen Dresdner, die sich nach diesem Spiel Beifall verdient haben, weil sie bis zum Schluss singen. © WORBSER-Sportfotografie

Wenn ein Fußballer nach dem Spiel einräumt, dass es in allen Belangen nicht gereicht hat, ist das eine klare Analyse. Niklas Kreuzer macht erst gar nicht den Versuch, Dynamos Niederlage bei Holstein Kiel irgendwie zu erklären oder gar schönzureden. Vielmehr sagt er, was vorher auf dem Rasen offensichtlich geworden war, nämlich: „Wir müssen ehrlich zu uns selber sein, dass wir zu keiner Spielphase den Hauch einer Chance hatten.“

Dabei steht es lange Zeit nur 0:1, aber die einseitige Partie nie auf der Kippe. „Das Resultat geht auch in der Höhe völlig in Ordnung“, meint Kreuzer nach dem 0:3. „Dafür können wir uns nur entschuldigen bei allen Dynamo-Fans.“ Bei den rund 2.000 im Stadion und bei allen, wie er es sagt, die sich dieses Spiel vor dem Fernseher angetan haben.

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Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison

Die Selbstkritik ist die eine Sache, die Analyse eine andere. Wieder einmal bestätigt sich, was sich wie ein roter Faden durch diese Saison zieht und streng genommen schon in der davor begonnen hatte. Es fehlt die Konstanz, einem guten folgt zu oft ein schlechtes Spiel – erst recht, wenn der Druck raus ist. Das sprechen sowohl Kreuzer als auch Cristian Fiel an, der jedoch um Verständnis bittet. Man müsse von Profis zwar erwarten können, sich trotz des sicheren Klassenerhalts noch mal zu straffen, „aber wir sind alle nur Menschen“, sagt der Trainer. „Die Jungs haben es nicht geschafft, die Spannung aufzubauen, die man für so ein Spiel braucht.“

Das klingt, als hätten sie sich hängen lassen. Aber es liegt nicht daran, dass sie nicht wollen. Vielmehr lässt sie der Gegner nicht können. Kiel zeigt zwar zunächst kein Offensivspektakel, hat aber die absolute Kontrolle und zwingt die in weinrot-weiß-gestreiften Trikots aufgelaufenen Schwarz-Gelben zu Fehlern. Patrick Ebert spielt einen Querpass direkt auf Masaya Okugawa, Patrick Wiegers hält, der Ball springt dennoch in Richtung Dresdner Tor, aber Florian Ballas klärt vor der Linie. Das hätte es schon sein können. Zwei Minuten später passiert es, weil einfach zu viele Kieler freistehen: Okugawa schlägt über den Ball, Johannes van den Bergh bringt ihn an den Fünfmeterraum und Jae Sung Lee muss nur den Fuß hinhalten.

Gefühlt einer weniger. Auch Niklas Kreuzer hat der Kieler Spielfreude, aus der dann Dominanz wird, nur wenig entgegenzusetzen.
Gefühlt einer weniger. Auch Niklas Kreuzer hat der Kieler Spielfreude, aus der dann Dominanz wird, nur wenig entgegenzusetzen. © imago/Claus Bergmann

„Dann haben die Jungs so eine Freude und so einen Spaß entwickelt, dass der Gegner keinen Spaß mehr hatte“, sagt Holstein-Trainer Tim Walter, der wahrscheinlich zum VfB Stuttgart geht. Die Dresdner laufen, und das meist hinterher. „Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren, die falschen Entscheidungen getroffen, uns nicht wirklich eine Torchance erarbeitet“, listet Kreuzer die Mängel auf. Dabei besteht zur Pause mit dem knappen Rückstand noch Hoffnung auf Besserung. Und der Trainer sei zu Recht sauer gewesen, meint Kreuzer. „Er kommt aber nicht in die Kabine und schreit uns an. Er möchte es auf eine sachliche Weise erklären, uns Lösungsansätze vermitteln.“

Umsetzen kann die Mannschaft die jedoch nicht, vielmehr wird die Partie mit zunehmender Spielzeit immer einseitiger, nach vorn passiert bei Dynamo so gut wie nichts. Folgerichtig baut Kiel das Ergebnis durch die Treffer von Jonas Meffert und Hauke Wahl auf 3:0 aus. Kreuzers überraschend deutliche Einschätzung: „Es kann einen nicht mal nerven, weil Kiel uns so was von überlegen war. Wir hatten es nicht verdient, etwas mitzunehmen.“

Stattdessen hatten sie auf der Heimfahrt sieben Stunden Zeit, im Bus das Erlebte zu verarbeiten – und ganz sicher nicht nur diese Niederlage im letzten Auswärtsspiel. Das Minimalziel, das man sich in höchster Not gesetzt hat, ist erreicht, aber keiner kann damit zufrieden sein. „Wir sind alle froh, wenn es zu Ende ist“, sagt Kreuzer, der seinen Vertrag bis 2022 verlängert hat. „Es ist nicht der Anspruch von Dynamo Dresden, eine solche Saison zu spielen.“ Doch nun ist es schon zum zweiten Mal in Folge passiert, immerhin aber die Abstiegsgefahr diesmal vor dem letzten Heimspiel gebannt. Vor einem Jahr wäre das fast schiefgegangen.

Nächste Saison dann Vieles anders und besser machen

Nun kommt am nächsten Sonntag der Aufstiegsanwärter SC Paderborn ins Rudolf-Harbig-Stadion. „Wir müssen es vor heimischer Kulisse ordentlich zu Ende bringen und einen Haken dran machen“, sagt Kreuzer. Es kann ja fast nur besser werden, jedenfalls gibt es für den 26-Jährigen einen Grund zur Hoffnung auf Besserung. „Wir haben mit Fielo einen Trainer, der eine Spielidee hat, die wir sehr gut verfolgen können“, sagt er und nennt die Spiele gegen Köln (3:0) und St. Pauli (2:1) als Mutmacher. „Wir müssen es hinkriegen, dass wir es nicht nur in zwei von fünf, sondern in fünf von fünf Spielen umsetzen.“

Fiel selbst ist hin- und hergerissen. „Ich würde dieses Spiel gerne abhaken und mich mit der nächsten Saison beschäftigen“, sagt der 39-Jährige. „Da wollen wir vieles anders und besser machen. Doch so wie ich mich kenne, wird das nicht leicht.“

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Kiel klatscht für Wiegers - die Noten zum Spiel

Patrick Wiegers: Als er den Ball bis auf das Tribünendach schlägt, gibt es Sonderbeifall - vor allem auch von den Kieler Zuschauern. Steht oft im Mittelpunkt und das meist sicher. Bei den Gegentoren machtlos. - Note 3

Niklas Kreuzer: Klärt erst zum Eckball und drischt den Ball danach in einem Anfall von Wut in die Luft – nur ist das seine auffälligste Aktion. Dass der Eckball auch noch zum 0:3 führt, macht es noch schlimmer.  - Note 4

Dario Dumic: Macht gegen die gute Kieler Offensive ein ordentliches Spiel, gewinnt die entscheidenden Zweikämpfe. - Note 3

Florian Ballas: Verhindert mit seiner Rettungstat das 0:1, kurz darauf fällt es doch. Lässt sich dann bei den Eckbällen, die zum 0:2 und 0:3 führen, düpieren. - Note 4

Patrick Möschl: Muss diesmal vorrangig defensive Aufgaben verrichten, was nicht seine Spezialdisziplin ist. Wird öfter überlaufen. Weicht zumindest danach den unbequemen Fragen nicht aus. - Note 4

Justin Löwe: Zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf, und das überraschend. Man hätte eher Jannik Müller erwartet. Bleibt dann auch unauffällig, was in diesem Fall gar kein Kompliment ist. - Note 5

Jannis Nikolaou: Versucht mit seinem Nebenmann im defensiven Mittelfeld dicht zu machen. Dass dies kaum gelingt, hat weniger mit ihm zu tun. Er ist noch einer der Besseren. - Note 3

Patrick Ebert: Sein kapitaler Fehlpass führt nach 17 Minuten beinahe zum Rückstand. Weit weg von der guten Hinrunden-Form, kann nicht mehr in dem Maße die Akzente setzen und die Mannschaft führen. - Note 4

Baris Atik: Sein Freistoß geht weit übers Tor, darüber hinaus ist vieles Stückwerk bei ihm. Nach der Pause gerät er zum Totalausfall. - Note 5

Haris Duljevic: Beste Szene: Angeschossen vom Torwart, was fast den Ausgleich bringt. Und sonst? Für seine Verhältnisse viel unterwegs, und auch mehrfach im Abseits. - Note 5

Lucas Röser: Berko verletzt, Koné gesperrt – das ist seine Chance. Einmal zu eigensinnig, einmal knapp vorbei. Insgesamt ist das zu wenig. - Note 4

Marco Hartmann: Sonntag, 16.46 Uhr, in Kiel – der Kapitän ist zurück. Und gleich der erste Ausfallschritt lässt hoffen, auch wenn der Trainer kurz zusammenzuckt. Doch der Muskel hält, vorerst. - Note 3

Osman Atilgan: Müht sich redlich, was ihn erst mal von einigen Mitspielern positiv unterscheidet. Doch wirklich Gefährliches bringt auch er nicht zustande. - Note 3

Brian Hamalainen: Und noch ein Comeback nach langer Verletzungspause, das ist noch das Erfreulichste dieses einmal mehr ernüchternden Auswärtsspiels. - Note 3

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