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Dynamos Derbyheld – wie geht's weiter?

Er hat die Dresdner mit seinem Tor in Aue in Führung gebracht, aber der Vertrag von Justin Leo Löwe endet mit der Saison. Doch er hat schon einen Plan.

Gut gebrüllt hat Leo Löwe nach seinem Tor für Dynamo in Aue.
Gut gebrüllt hat Leo Löwe nach seinem Tor für Dynamo in Aue. ©  dpa/Robert Michael

Es ist nur ein Nebensatz, der aufhorchen lässt. „Was das für meine Zukunft bedeutet, wird man sehen“, sagt Justin Leonard – genannt Leo – Löwe. 

Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler hat gerade sein erstes Tor in der 2. Fußball-Bundesliga geschossen, ein sportlich wichtiges und emotional besonderes obendrein. Es ist das 2:1 für Dynamo Dresden, die Wende im Nachbarschaftsduell bei Erzgebirge Aue und er unverhofft ein Derbyheld. Mit diesem Titel frotzeln ihn die Mitspieler seitdem ab und zu, er schmunzelt darüber.

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„Das ist ja das Verrückte“, sagt Löwe, „nach dem Spiel haben sie mich beglückwünscht, obwohl ich ihnen eigentlich sagen wollte, was sie für eine brutal gute zweite Halbzeit gespielt haben.“ Er ist schließlich erst spät eingewechselt worden, kommt überhaupt erst zu seinem zweiten Kurzeinsatz. Und dann passiert irgendwie gleich alles auf einmal in einer knappen Viertelstunde. „Die Eindrücke, wie wir hinterher mit den Fans gefeiert haben – das war Wahnsinn.“ Mit Löwe ist ein weiteres Talent aus Dynamos Nachwuchs angekommen bei den Profis.

Mit dem Fußball angefangen hat er bei Glückauf Brieske/Senftenberg, Vater Jens und Mutter Jana spielten jahrelang in dem Verein in der Lausitz, der als BSG Aktivist 1956 DDR-Vizemeister geworden war. „Ich konnte also gar nicht anders“, meint Löwe. Dagegen hätte er sich 2011 für Energie Cottbus entscheiden können, und er sucht nach den richtigen Worten, um zu erklären, warum er lieber zu Dynamo nach Dresden wollte. „Wenn du hier ins Stadion kommst, erlebst du einen Wow-Effekt, das fand ich als Kind einfach geiler.“

In der Jugend war er Stammspieler, doch der Übergang zu den Männern klappte nicht reibungslos. Mit dem Training im Großen Garten zeigten sich plötzlich gesundheitliche Probleme, von denen Löwe vorher nichts ahnte. Er bekam einen Hautausschlag, die Ärzte stellten Verbrennungen zweiten Grades fest – eine allergische Reaktion. Was sie auslöst, lässt sich nicht eindeutig abgrenzen, die Sonne spielt eine Rolle, wohl auch Kosmetika und Pflanzen. „Die Haut juckt, das hältst du irgendwie aus. Es ist aber extrem belastend für den Kopf“, sagt Löwe. Deshalb hofft er, es in diesem Sommer besser im Griff zu haben.

Torwart Markus Schubert (l.) gratuliert Löwe nach dem Sieg in Aue zu dessen Tor - er habe schon während des Spiels Tränen in den Augen gehabt, weil er sich so für den Mitspieler gefreut hat.
Torwart Markus Schubert (l.) gratuliert Löwe nach dem Sieg in Aue zu dessen Tor - er habe schon während des Spiels Tränen in den Augen gehabt, weil er sich so für den Mitspieler gefreut hat. ©  dpa/Robert Michael

In der vorigen Saison war er für die Rückrunde an den FC Oberlausitz in Neugersdorf ausgeliehen, ein Schritt, von dem er nicht sofort überzeugt war, den er aber jedem jungen Spieler empfehlen würde. „Dieses halbe Jahr hat mir wirklich sehr geholfen, im Männerfußball anzukommen“, sagt Löwe. „Es war wichtig, in der Woche zu trainieren mit dem Ziel, am Wochenende ein Spiel zu haben.“ In der Regionalliga bekommt er das, was er am dringendsten braucht: Spielpraxis.

Und auch wenn er betont, dass zwei Klassen tiefer nicht nur geplauzt, sondern durchaus Fußball gespielt werde, bringt ihn die körperbetontere, robustere Gangart weiter. Mit seinen 1,68 Metern ist er es gewohnt, kleiner zu sein als die meisten Mitspieler. „Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass es wenig sinnvoll ist, gegen einen Zwei-Meter-Mann ins Kopfballduell zu gehen, aber ich weiß, wie ich mich durchsetzen kann.“ Nun ist Löwe drauf und dran, das bei Dynamo zu schaffen, auf das Erlebnis in Aue folgte in Fürth sein Startelf-Debüt. „Das macht Lust auf mehr.“

Am liebsten für immer in Dresden

Doch ausgerechnet jetzt könnte es schon wieder vorbei sein. Sein Vertrag endet mit dieser Saison, das hatte er mit dem Nebensatz in Aue gemeint. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, mit seinem Treffer hätte er sich für einen neuen empfohlen. Der war nämlich nach Informationen der SZ de facto bereits vorher abgesegnet. „Von meiner Seite steht dem wenig im Weg“, sagt nun Löwe und ergänzt auf Nachfrage: „Geld und Laufzeit waren schnell geklärt, es sind nur ein paar Formalitäten offen.“

Auch Ralf Minge bestätigt, dass der Verein das aufstrebende Talent weiterbeschäftigen will. „Der Junge macht einfach Spaß, ist ein richtiger Räuber und sehr gut erzogen. Er genießt ein tolles Standing innerhalb der Mannschaft“, erklärt der Sportgeschäftsführer, der Löwe im Januar 2018 zu dem kleinen Umweg geraten hatte. „Er ist direkt von der U19 zu den Profis gekommen, der Schritt nach Neugersdorf hat ihn weitergebracht. Das ist eine Entwicklung, die stattfinden muss.“ Und die noch nicht abgeschlossen ist.

Justin Löwe möchte in Dresden bleiben - auch wegen seiner Freundin.
Justin Löwe möchte in Dresden bleiben - auch wegen seiner Freundin. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Löwe geht sogar noch weiter. „Ich könnte jetzt sagen: Ich würde am liebsten mein ganzes Leben in Dresden bleiben.“ Das hat natürlich mit seiner Freundin Laura zu tun. Die 19-Jährige ist Dresdnerin, studiert hier Tourismus- und Eventmanagement, seit vorigem Herbst leben sie zusammen. Nach dem Aue-Spiel hat sie auf ihn gewartet. „Ich war halb drei zu Hause, und sie kam mir vor Freude entgegengesprungen“, erzählt er. „Das fand ich süß. Wir sind glücklich zusammen, ich hoffe, das bleibt so.“

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Seine Zukunftspläne könnten sich dagegen ändern. Er weiß, dass im schnelllebigen Fußball-Geschäft kaum jemand seine gesamte Karriere bei einem Verein spielt. Und er ist sich bewusst, dass er in zwei, drei Jahren selbst anders darüber denken könnte. „Vielleicht sage ich dann: Ich fühle mich bereit und will unbedingt eine andere Erfahrung machen.“ Derzeit mag er jedoch nicht so weit vorausblicken, sondern genießen, was er gerade erlebt.