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Das sind Dynamos Baustellen

Die Niederlage beim Karlsruher SC zeigt deutlich, wo es beim Zweitliga-Schlusslicht noch überall hapert. Die Frage ist, ob es schnelle Lösungen gibt.

Sascha Horvath (links) will sein Gesicht am liebsten hinterm Trikot verstecken, während Baris Atik, der überraschend als Stürmer auflief, bereits die Niederlage analysiert.
Sascha Horvath (links) will sein Gesicht am liebsten hinterm Trikot verstecken, während Baris Atik, der überraschend als Stürmer auflief, bereits die Niederlage analysiert. © Jan Hübner

Die taktische Aufstellung soll so lange wie möglich geheim bleiben. Selbst der Sky-Reporter erfährt erst fünf Minuten vor dem Anpfiff, wie sich die elf Dynamos auf dem Platz verteilen. Der Gegner Karlsruhe soll sich nicht einstellen können auf das System, bei dem ein echter Stürmer fehlt. Moussa Koné und Lucas Röser sitzen auf der Bank, Baris Atik übernimmt die Rolle im Sturmzentrum.

45 Minuten lang geht der Plan auf, genauer 45 plus zwei Minuten. Die quirlige wie körperlich kleine Offensivabteilung der Dresdner lässt den Ball zirkulieren und den Gegner laufen, der Spielanteil liegt bei mehr als 75 Prozent. Zu selten jedoch kommen die Schwarz-Gelben zu Abschlüssen, weil der finale Pass verpasst wird oder zu unpräzise ist. Wirklich zwingend sind die Chancen auch nicht.

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Trotzdem geht Dynamo unmittelbar vor der Pause durch einen sehenswerten Schlenzer von Sascha Horvath in Führung. Einen besseren Zeitpunkt gibt es kaum. Was nun folgt, ist nicht eingeplant. Vier Tore in Folge erzielt der Aufsteiger, das erste noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Die Art und Weise, wie diese Treffer fallen, sind alarmierend, weil jeder einzelne Defizite bei den Dresdnern bestraft.

Rund 2 800 Fans verfolgen im Harbig-Stadion das Spiel auf einer Videowand. Die Ultras hatten die Fahrt nach Karlsruhe boykottiert. 
Rund 2 800 Fans verfolgen im Harbig-Stadion das Spiel auf einer Videowand. Die Ultras hatten die Fahrt nach Karlsruhe boykottiert.  ©  Christian Juppe

Baustellen, das zeigt die 2:4-Niederlage auf der Baustelle Wildpark-Stadion deutlich, gibt es noch einige. Der Ausgleich fällt nach einem Eckball, bei dem der 1,87 Meter große Jannis Nikolaou vom acht Zentimeter größeren KSC-Stürmer Philipp Hofmann übersprungen wird. Die Nachteile bei der Körperlänge waren schon beim 0:1 gegen Nürnberg ein Thema, in Karlsruhe sind sie noch offensichtlicher. „Wir haben in der Defensive gegenüber der vorigen Woche nichts an Größe verloren“, betont Cristian Fiel. In der Offensive ist jedoch kein Spieler größer als 1,73 Meter. Und das ist so gewollt, deshalb müssen Koné und Röser zunächst zuschauen. „Der Plan war, den zweikampfstarken KSC-Innenverteidigern durch schnelle Passfolgen aus dem Weg zu gehen“, sagt der Trainer.

Das zweite Gegentor bereitet Torhüter Kevin Broll mit einem unpräzisen Abschlag vor, der vom Gegner abgefangen wird. „Das ist ein Abstoß komplett ohne Druck“, hadert Fiel. „Ihm dürfen Fehler passieren, das ist keine Frage. Aber diese Aktion war keine Hilfe für uns.“ Schon gegen Nürnberg hatte Neuzugang Broll Probleme beim Passen. Ein sicherer Rückhalt ist der ehemalige Großaspacher bisher noch nicht.

Der dritte KSC-Treffer wird durch einen schnell ausgeführten Freistoß eingeleitet. Kein Dresdner rechnet damit, keiner stellt sich vor den Ball. Fehlt da die Cleverness? Fiel sortiert Niklas Kreuzer, der gegen Nürnberg noch die Kapitänsbinde getragen hatte, und Chris Löwe aus. Nicht, weil die enttäuscht hatten, sondern um Patrick Ebert und Patrick Möschl für ihren Trainingsfleiß zu belohnen. Damit wird die Startelf noch jünger, das Durchschnittsalter sinkt von 24,1 auf 23,9 Jahre. Kein anderes Zweitligateam ist auch nur annähernd so jung. „Auf dem Platz habe ich das nicht als Problem erkannt“, sagt Fiel.

Fiel würde wieder so aufstellen

Das vierte Gegentor fällt nach einem Konter, bei dem drei Karlsruher nach einer Balleroberung am eigenen Strafraum auf zwei Dynamo-Verteidiger zulaufen. Das Gegenpressing klappt nicht mehr, die Rückwärtsbewegung auch nicht. Es gibt noch mehr vergleichbare Szenen in der zweiten Halbzeit. Trotzdem sieht der Trainer insgesamt „ein gutes Spiel“ und „keinen Bruch nach der Pause“. Und: „Ich würde genauso wieder aufstellen.“

Über die ungewöhnliche Formation wird schon vor dem Anpfiff diskutiert, erst recht natürlich danach. „Wenn wir gewinnen, jubeln alle. Jetzt haben wir verloren, und manche zweifeln vielleicht“, meint Sascha Horvath. „Aber wir als Mannschaft zweifeln nicht.“ Er sagt das mit großem Nachdruck, als würde er ahnen, dass genau dies der Knackpunkt sein könnte. Mit jeder Niederlage sinkt fast zwangsläufig der Glaube ans eigene Können und an den eigenen Plan. Fiel fragt sich nach dem Spiel, ob „das Selbstvertrauen wirklich kleiner wird“. Eine direkte Antwort gibt er nicht, stellt aber fest, „dass die Jungs das umgesetzt haben, was wir wollten. Und ich glaube, dass sie sehen: es funktioniert. Allerdings müssen wir Tore schießen.“

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