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Die wichtigsten Fragen vor Dynamos Start zur Aufholjagd

Die Dresdner spielen heute Abend zu Hause gegen Karlsruhe. Es ist das erste von 16 Endspielen, aber ist die Mannschaft dafür bereit? Die Analyse.

Von Sven Geisler
 5 Min.
Dynamo-Trainer Markus Kauczinski sagt, was er von der Mannschaft jetzt erwartet.
Dynamo-Trainer Markus Kauczinski sagt, was er von der Mannschaft jetzt erwartet. ©  dpa/Robert Michael (Archiv)

Dresden. Die Pause ist vorbei, für Dynamo Dresden wird es heute Abend wieder ernst. Mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC beginnt für die Schwarz-Gelben der Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga. Bei sieben Punkten Rückstand zum rettenden Platz 15 und nach  vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen hat daran kaum noch jemand geglaubt.

Doch die Stimmung hat sich gedreht: Aufbruch statt Untergang, Zuversicht statt Trübsal. "Wir. Zusammen. Jetzt." Fans und Mannschaft haben beim Training am Freitagabend den Schulterschluss demonstriert. Und der Trainer den Reset-Knopf gedrückt, wie er sagt. Markus Kauczinski, der Anfang Dezember für den letztlich glücklosen Cristian Fiel als Chefcoach übernommen hat, wollte die Mannschaft neu ausrichten. Ob ihm das in der Vorbereitung gelungen ist, werden die nächsten Spiele zeigen, gleich zwei sind es in dieser Woche: erst gegen Karlsruhe, am Sonntag dann in Heidenheim.

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Das sind die wichtigsten fünf Fragen und Antworten vor dem Start in die Restrückrunde.

Ist Dynamo bereit für den Abstiegskampf?

Was die Grundeinstellung des Trainers betrifft - ohne Zweifel. Kauczinski macht deutlich, was er verlangt: das Kämpferische mit dem Spielerischen verbinden. Er sagt das auch in dieser Reihenfolge, was deutlich macht, worauf es zuerst ankommt. "Wir wollen über eine Kompaktheit und Aggressivität trotzdem guten Fußball spielen, mutig und konsequent sein, dafür sorgen, dass wir unangenehm sind." 

Das war Dynamo im Herbst nicht mehr, als mit den schlechten Ergebnissen das Vertrauen in den Spielstil verloren ging und letztlich die Verunsicherung so groß wurde, dass es keinen Ausweg zu geben schien. Das ist abgehakt. Kauczinski hat der Mannschaft wieder den Glauben daran vermittelt, es schaffen zu können. 

Was bringen die Neuzugänge?

Fünf Spieler hat Dynamo verpflichtet, allein die Anzahl ist bemerkenswert. Im Winter ist das Reservoir an Spielern kleiner als vor Saisonbeginn. Noch bemerkenswerter aber ist die Qualität. Bis auf den Ghanaer Godsway Donyoh, der aus Dänemark kam und sicher eine gewisse Anpassungszeit braucht, sind sie sofort Verstärkungen. Marco Terrazzino ist nicht nur "ein lebensfroher Junge", wie der Trainer sagt, sondern bringt vor allem Spielfreude auf höchstem Niveau mit. Stürmer Patrick Schmidt dagegen sei einer, "der uns mit seiner aggressiven Art gut tut".

Der vielleicht wichtigste Neuzugang fällt jedoch für den Start aus. Josef Husbauer, von Slavia Prag ausgeliehen, muss wegen einer Grippe mit Fieber Antibiotika nehmen. "Er wird uns mit seiner Erfahrung erst einmal fehlen, aber noch weiterhelfen, weil er in entscheidenden Spielsituationen unheimlich cool ist", meint Kauczinski. Er hat für den tschechischer Nationalspieler eine zentrale Rolle im Mittelfeld vorgesehen.

Ersetzen könnte ihn sein Landsmann Ondrej Petrak, erst am Sonntag vom Liga-Konkurrenten 1. FC Nürnberg gekommen. Der 27-Jährige ist allerdings eher als Alternative für die Abwehr vorgesehen, ein Einsatz in der Startelf käme wohl noch zu früh. "Die Zeit ist wirklich kurz", sagt der Trainer zu der Option.

Welche Aufschlüsse geben die Testspiele?

Die Ergebnisse sollte man nicht überbewerten. Trotzdem sind drei Siege grundsätzlich gut fürs Selbstvertrauen. In Zwickau (1:0) war er eher glücklich, gegen den rumänischen Klub Dinamo Bukarest (1:0) durchaus hart erkämpft, was der Trainer als besonders wichtige Erfahrung wertet:  "Das war jetzt kein Mädchen-Fußball, sondern es ging zur Sache und wir haben uns gewehrt. Darum geht es: alle zusammen auf dem Platz." Beim 3:0 gegen Jeonbuk Hyundai FC aus Südkorea waren offensiv Fortschritte zu erkennen.

Beim 1:3 im geheimen Test beim VfB Stuttgart zeigte sich Dynamo im Defensivverhalten gegenüber der Hinrunde deutlich verbessert, ging nach einem zielstrebig ausgespielten Konter in Führung. Erst mit den Wechseln ging die Ordnung ein wenig verloren, konnte der Aufstiegsfavorit seine individuelle Überlegenheit in Tore ummünzen.

Das Fazit des Trainers: "Wir haben gezeigt, dass wir mit dem, was wir einsetzen und wie wir es machen, für jeden Gegner gefährlich sein können."

Kommt die Mannschaft mit dem Druck klar?

Das ist die Gretchenfrage, denn niemand sollte davon ausgehen, dass es plötzlich wie am Schnürchen läuft. "Der Druck ist dein ständiger Begleiter, vor dir, hinter dir, neben dir. Damit muss man umgehen, sich auf seine Leistung konzentrieren", betont Kauczinski. "Wichtig ist, dass die Jungs die Situation anerkennen, wie sie ist, jeder den Fokus auf seine Aufgabe richtet. Entscheidend ist nur, dass ich meinen Job mache auf dem Platz. Der Rest ergibt sich." 

Wenn die Mission erfolgreich sein soll, muss man Rückschläge wegstecken, möglicherweise auch einen Fehlstart gegen den KSC. "Wir haben 16 wegweisende Spiele", meint der Chefcoach. "Wir haben nicht nur 17-, 18-Jährige, sondern erfahrene Leute, die schon etwas mitgemacht und ihren Mann gestanden haben." Das betrifft außer den Neuzugängen vor allem den zum Kapitän gewählten Florian Ballas und den einstigen Bundesliga-Profi Patrick Ebert. Sie müssen jetzt eine Führungsrolle übernehmen. 

Marco Hartmann hat die Vorbereitung krankheitsbedingt verpasst, steigt jetzt wieder ein. Kauczinski über den 31-Jährigen: "Wir steigern langsam und müssen bei seiner Krankengeschichte abwarten, wie schnell es geht und wie belastbar er ist." 

Was bewirkt die Aktion der Fans beim Training?

Wenn rund 3.000 Zuschauer an einem Montagabend dem Aufruf der Ultras folgen, um sich mit der Mannschaft einzuschwören, und im wahrsten Sinne ein Feuerwerk abbrennen, ist das ein starkes Zeichen. Es zeigt einmal mehr, welche Energie die Dynamo-Fans entfachen können. Sie sind der zwölfte Mann, aber nur, wenn sie das jetzt durchziehen und die Stimmung nicht kippt, wenn es schwierig wird. 

Das erfordert auf jeden Fall Geduld und sehr wahrscheinlich Leidensfähigkeit. Beides haben die schwarz-gelben Anhänger oft genug unter Beweis gestellt, warum also nicht auch diesmal?! "Es geht darum, die Situation so anzunehmen, wie sie ist, und gemeinsam zu versuchen, da rauszukommen", erklärt Kauczinski.

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Die Antwort auf die wichtigste Frage bleibt vorerst jedoch offen: Schafft Dynamo noch das Wunder?

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