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Dynamos Trainer in der Corona-Warteschleife

„Am liebsten würde ich am Wochenende wieder anfangen", sagt Markus Kauczinski und ist dennoch hin- und hergerissen. Das große Interview.

Die Geste passt schon mal. Und Markus Kauczinski ahnt, dass die schwierigste Zeit erst noch kommt.
Die Geste passt schon mal. Und Markus Kauczinski ahnt, dass die schwierigste Zeit erst noch kommt. © Lutz Hentschel

Herr Kauczinski, die Frage ist platt, muss aber sein: Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut.

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Wie erleben Sie diese Tage?

Das sind gerade sehr turbulente, schwierige, aufgewühlte Zeiten mit vielen neuen Informationen jeden Tag, und das auch auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Da ist das Private, das Fußballerische und auch Politische, das normale Leben eben, was gar nicht normal abläuft.

Bleiben wir beim Fußball. Wie haben Sie die Entscheidung am Montag aufgenommen, dass der Spielbetrieb erst einmal bis zum 2. April ruht?

Ich glaube, das ist vernünftig so, und wahrscheinlich ist es auch vernünftig, noch länger auszusetzen. Ich bin da wie viele hin- und hergerissen. Und das ist auch ein komisches Gefühl. Auf der einen Seite weiß ich, dass wir gerade eine bedrohliche Zeit für die Vereine erleben, die auf Einnahmen angewiesen sind. Auf der anderen Seite steht über allem die Gesundheit. Wir sind nach wie vor am Überlegen, wann und wie wir das Training fortsetzen. Stand jetzt müssen wir am 3. April in Bielefeld spielen. Die Empfehlung, auch Geisterspiele auszutragen, verstehe ich im Sinne der Vereine, und gleichzeitig müssen wir an das Wohl jedes Einzelnen denken. Wie gesagt, wir sind da ständig hin- und hergerissen.

Wie stellt sich die Situation für die Mannschaft derzeit konkret dar?

Die Spieler haben individuelle Trainingspläne bekommen mit Laufeinheiten, ein bisschen Kräftigung und auch Mobilisierung. Dinge also, die man alleine machen kann. Man kann das eine ganze Zeit lang so tun. Aber das ist natürlich kein Fußballtraining. Erst recht, wenn man weiß, dass man in zwei Wochen wieder spielen muss. Darauf muss man sich anders vorbereiten.

Gibt es einen Plan, wann das Mannschaftstraining wieder aufgenommen wird?

Wir sind dazu im ständigen Austausch mit den Medizinern und im Trainerteam, wann wir es verantworten können, wieder als Mannschaft zusammenzukommen. Überall gibt es Empfehlungen, dass man sich besser aus dem Weg geht. Umso schwerer ist es dann, mit 40 Leuten im Kabinentrakt zusammen zu sein. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unseren Spielern, der wir unbedingt gerecht werden wollen. Gleichzeitig ist die Notwendigkeit da, dass wir uns vorbereiten müssen.

Sind Sie mit den Spielern in Kontakt?

Ich habe am Mittwoch mit Florian Ballas telefoniert. Wir haben uns ausgetauscht und auf den neuesten Stand gebracht. Ansonsten sind wir ja erst eine Woche getrennt und müssen jetzt schauen, wie es weitergeht. Sollten wir in den nächsten Tagen nicht als Mannschaft zusammenkommen, würde ich die Kontaktaufnahme intensivieren.

Trainingspläne sind das eine, die allgemeine Lage derzeit eine außergewöhnliche. Wie steht es um die Motivation Ihrer Spieler, das Training im Home Office auch durchzuziehen?

Schon vor unserem Auseinandergehen vor einer Woche habe ich gespürt, dass sich die Spieler schon Gedanken machen – um ihre Gesundheit und die ihrer Familien und Freunde. Das beschäftigt sie, auch die Ansteckungsgefahr, das nehmen sie nicht auf die leichte Schulter. Was die Fitness anbetrifft, mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Alle werden ihr Programm durchziehen. Schwierig wird dann eher, wenn wir wieder Zusammenkommen, wie frei die Spieler auf dem Platz an die Arbeit gehen.

Ab wann wird die Pause aus trainingsmethodischer Sicht zum Problem?

Ohne regelmäßiges Training steigert sich zum Beispiel die Verletzungsanfälligkeit, deshalb müssen wir eigentlich trainieren und uns auf das nächste Spiel vorbereiten. Am liebsten würde ich schon an diesem Wochenende wieder anfangen, spätestens kurz danach. Dann sind es noch anderthalb Wochen bis zum Bielefeld-Spiel. Das ist nicht viel, zumal wir nach der Pause erst wieder in den Rhythmus kommen müssen, Ballgewöhnung, alles aktivieren und vorher noch einmal intensiv belasten. Die taktischen Dinge kommen dazu.

Sie gehen also fest davon aus, dass Dynamo am 2. April in Bielefeld spielt?

Das ist die Nachricht, die wir von der Deutschen Fußball Liga haben. Deren nächste Sitzung ist am 30. März, und so lange werden wir, denke ich, keine anderen Neuigkeiten erhalten. Insofern muss ich davon ausgehen, dass wir spielen.

Dynamo ist immer noch Tabellenletzter, hat aber die letzten zwei Spiele gewonnen und nur noch einen Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz. Die Zwangspause jetzt kommt zur Unzeit, oder?

Ja, aber das ist egal. Jetzt stehen andere Dinge im Mittelpunkt, zumal ich überzeugt bin, dass wir daran anknüpfen können. Die Situation jetzt ist ja für alle gleich, alle sind in den gleichen Momenten gefangen. Und es gibt Teams, die haben es noch viel schwerer, die sind in Quarantäne. Also es gibt viele Unwägbarkeiten für alle.

Sie haben die Quarantäne angesprochen, die derzeit einzelne Spieler beziehungsweise die Mannschaften von Hannover, Kiel, Wehen Wiesbaden und Nürnberg betrifft. Wenn der Spielbetrieb am 2. April wirklich fortgesetzt wird, hat das mit Chancengleichheit aber nicht mehr viel zu tun, oder?

Mit Chancengleichheit hat das nichts zu tun, das ist klar. Aber da wir am Ende ohnehin viele englische Wochen spielen, wird es zu ganz engen Terminkalendern führen und immer wieder auch zu Situationen, die mal für, mal gegen einen sind. Damit werden wir uns abfinden müssen.

Inwieweit werden Sie diese außergewöhnlichen Umstände mit der Mannschaft thematisieren, zum Beispiel die vielen Fragen zum Thema Coronavirus, auf die es noch immer keine genauen Antworten gibt?

Natürlich werden wir darüber sprechen. Es gibt aber immer noch eine eigene Freiheit. Ich kann und werde niemandem befehlen, so zu denken, wie ich denke. Der Spielplan legt uns gewisse Zwänge auf, denen muss ich Rechnung tragen. Aber es ist mit Sicherheit keine leichte Situation. Es gibt Spieler, die Bedenken haben, und die hat man ja selber auch. Wir werden darüber diskutieren, werden das miteinander bereden und versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden.

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Das ist tatsächlich ein Punkt. Ich bin mit unserem Analysten in Kontakt, um jetzt schon in Richtung Bielefeld-Spiel zu arbeiten. Wir betreiben aber auch Analyse der vergangenen Woche und schauen auf Dinge, die im Alltag sonst schnell unter den Tisch fallen. Und ich warte, bis es weitergeht.

Das Interview führte Tino Meyer.

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