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Koné ist weg – aber sein Nachfolger ist schon da

Schneller, schussgewaltiger, aber auch besser? Godsway Donyoh soll mehr als nur den verkauften Torjäger ersetzen.

Dass seine Dreadlocks farblich perfekt zu seinem neuen Verein passen, habe er erst nach der Vertragsunterschrift erfahren, versichert Godsway Donyoh.
Dass seine Dreadlocks farblich perfekt zu seinem neuen Verein passen, habe er erst nach der Vertragsunterschrift erfahren, versichert Godsway Donyoh. © Lutz Hentschel

Den Schuss konnte Patrick Wiegers zwar parieren, danach aber blieb der Torhüter erst mal rücklings auf dem Rasen liegen. Die Wucht hatte ihn schlicht umgehauen. Der Einstand von Godsway Donyoh am vergangenen Samstag auf dem Trainingsplatz in Andalusien hinterließ Eindruck – nicht nur beim Keeper.

Zwar war die Einheit am Tag des Testspiels nur eine verkürzte und beschränkte sich auf Abschlüsse aufs Tor, doch zu erkennen war trotzdem, dass Dynamos Neuzugang eine – im Fußballdeutsch formuliert – linke Klebe hat. Zu sehen war freilich auch eine beträchtliche Streuung, einige seiner Versuche verfehlten selbst das großflächige Fangnetz hinterm Tor, die Bälle einzusammeln, war im abschüssigen Gelände eine sportliche Aufgabe.

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Seine zweite Stärke konnte er da noch nicht ausspielen: seine Schnelligkeit. Sportchef Ralf Minge erklärte bei der Verpflichtung, dass Donyoh „richtig Tempo“ machen könne. Der 25-Jährige selbst spricht vom „Speedgame“, das er so liebt.

Geboren wurde er in Accra, der Hauptstadt von Ghana, in der westafrikanischen Republik ist Englisch Amtssprache. Damit muss er sich auch bei seinem neuen Verein verständigen. Kontakte zu knüpfen zu den Mitspielern, dürfte ihm dennoch nicht schwerfallen. Er ist eine Frohnatur, lacht viel, hat sichtlich Spaß am Leben. In der Situation, in der das Schlusslicht gerade steckt – tabellarisch wie psychisch –, kann das nicht schaden.

Als Kabinenclown wurde Donyoh freilich nicht für ein halbes Jahr ausgeliehen. Er soll Dynamos Offensive „mit seinen Qualitäten weiter verstärken“, wie es Minge formulierte. Und er soll Moussa Koné ersetzen. Der Stürmer, dessen größte Stärke auch sein Antritt ist, wechselte am Mittwoch nach langwierigen und offenbar zähen Verhandlungen zum französischen Erstligisten Olympique Nimes, er unterschrieb dort einen Vertrag über dreieinhalb Jahre. Über die finanziellen Modalitäten wurde Stillschweigen vereinbart.

Ein letzter Blick zurück: Moussa Koné verlässt Dynamo nach zwei Jahren.
Ein letzter Blick zurück: Moussa Koné verlässt Dynamo nach zwei Jahren. © Lutz Hentschel

Dynamo hatte im Januar 2018 bei der Verpflichtung des Senegalesen knapp zwei Millionen Euro an den FC Zürich überwiesen. In etwa diese Summe wollten die Dresdner nun auch von Nimes. Das gelang nicht. Nach SZ-Informationen liegt die Ablöse bei rund 1,5 Millionen, allerdings nur für den Fall, dass Olympique die Klasse hält. Derzeit steht der Klub auf Rang 19, hat fünf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Bei einem Abstieg bekommt Dynamo wohl nur eine Million Euro.

Auf den ersten Blick also ein Minusgeschäft, doch es könnte trotzdem ein lukratives sein. Konés Vertrag lief zwar noch bis 2022, galt aber nicht für die 3. Liga. Wenn das Schlusslicht den Klassenerhalt nicht schaffen sollte, hätte der Stürmer im Sommer ablösefrei wechseln können.

Zwei Jahre war Koné bei Dynamo, wie lange Donyoh bleibt, steht noch nicht fest. Die Ausleihe gilt erst mal nur bis zum Saisonende, die Schwarz-Gelben sicherten sich jedoch eine Kaufoption – für den Fall des Klassenerhaltes. An dem zweifelt der Angreifer nicht im geringsten, sagt er. „Ich glaube zu 100 Prozent an den Trainer und das Team. Nichts ist unmöglich.“ Der Neuzugang ist nicht nur ein fröhlicher, sondern auch ein sehr höflicher Mensch. Dynamo etwa bezeichnet er als einen der größten Klubs in Deutschland. Das ist dann doch ein wenig zu viel des Guten.

Dass er weg wollte vom FC Nordsjaelland, klingt glaubwürdiger. Beim dänischen Erstligisten bestritt er in dieser Saison erst ein Spiel über 90 Minuten, gehörte an den Wochenenden größtenteils nicht mal mehr zum Kader. Eine Erklärung hat er dafür nicht. „Der Trainer hat auf andere Spieler gesetzt. Ich kenne den Grund nicht, aber so ist Fußball nun mal“, sagt er und lächelt. An der Fitness kann es kaum liegen, seine einzige schwere Verletzung liegt schon länger zurück. Von September 2017 bis Mai 2018 musste er nach einer Knie-Operation pausieren.

Godsway Donyah mit seinem neuen Trikot bei der Ankunft am Flughafen. 
Godsway Donyah mit seinem neuen Trikot bei der Ankunft am Flughafen.  © SGD/Steffen Kuttner

Dynamo war bereits im vergangenen Sommer an Donyoh interessiert, beobachtete ihn, führte Gespräche mit dem Berater. Doch zum Wechsel kam es nicht. „Wir hatten damals eine Konstellation, in der wir der Meinung waren, dass wir es mit dem vorhandenen Kader gut geregelt kriegen – und vor allem mit dem Spielsystem“, hatte Minge im Trainingslager erklärt. Eine Fehleinschätzung, die korrigiert wurde.

Im Sturm, sagt Donyoh, sei er variabel einsetzbar. „Rechts, links oder in der Mitte.“ Beim Kopenhagener Vorstadtklub kam er meist auf der linken Außenbahn zum Einsatz, was bei einem Linksfuß naheliegend ist. Bei Dynamo soll dort aber eigentlich Neuzugang Marco Terrazzino spielen und Donyoh vorzugsweise rechts. Einen ersten Hinweis darauf könnte der Test am Freitag in Stuttgart liefern, zu dem Dynamo extra mit dem Flugzeug anreist. Es wird sein erster Einsatz für Dynamo sein.

"Ich kenne Dynamos Situation"

Glaubt man ihm, dann geht ein Traum in Erfüllung. „Ich wollte immer schon in Deutschland spielen“, sagt er. Und als er vom Interesse der Dresdner gehört hatte, sei er begeistert gewesen. Er neigt offenbar zu Übertreibungen. Seine erste Station in Europa war jedoch England. Mit 16 holte ihn Manchester City in die Jugendakademie, und Donyoh hatte ein Problem. Als Fan von Wayne Rooney war er auch Anhängen von dessen damaligem Klub: Manchester United, dem Stadtrivalen also. „Ich habe das damals bei City nicht verraten“, sagt er.

Den Durchbruch bei den Profis schaffte er bei City nicht, wechselte nach Schweden zu Djurgardens IF und danach zu Falkenbergs FF. Bei seiner zweiten Station spielte er zwei Jahre gegen den Abstieg, konnte den aber mit dem Team jeweils verhindern. „Die Situation, in der Dynamo steckt, kenne ich also“, sagt er.

Im Januar 2016 ging er nach Dänemark zum FC Nordsjaelland. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Gründer der „Right to Dream Academy“ aus Ghana, in der Donyoh das Fußballspielen gelernt hatte, zusammen mit einigen Investoren den Klub übernommen. Seine Mutter und seine zwei Schwestern leben noch immer in Ghana, er telefoniere viel mit ihnen. Vielleicht kann er ihnen am Freitag schon von seinem ersten Tor für Dynamo erzählen.

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