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Erst ein Spektakel, dann ein Aufreger

Viel wird nach der Aufholjagd gegen St. Pauli über die Moral gesprochen. Doch auch Moussa Koné steht unfreiwillig im Mittelpunkt. 

Dynamos Spieler feiern den auf dem Rasen kieenden Moussa Koné nach dessen Treffer zum 3:3.
Dynamos Spieler feiern den auf dem Rasen kieenden Moussa Koné nach dessen Treffer zum 3:3. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dieses Spiel war an sich schon ein Aufreger, ein Frontalangriff auf die Nervenkostüme. Doch eine Meldung sorgte für zusätzliche Turbulenzen. Moussa Koné soll für 3,5 Millionen Euro zum türkischen Erstligisten Istanbul Basaksehir wechseln, verbreitete ein Reporter von France Football via Twitter.

Ausgerechnet Koné also, der gegen St. Pauli ein Comeback gefeiert hatte, das beinahe schon kitschig war. Zwei Spiele gehörte der Senegalese, der anderthalb Jahre Dynamos Top-Stürmer war, nicht mehr zum Kader, durfte nicht mal mehr auf der Bank sitzen. Am Samstag umkurvt er neun Minuten nach seiner Einwechslung den Torhüter der Hamburger, trifft zum 3:3 ins leere Tor und setzt damit den Schlusspunkt in einem Spiel, das mehr ein Spektakel ist.

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Vom Tribünenhocker über den Spielentscheider zum Abgänger innerhalb kürzester Zeit? Auch das wäre mehr als turbulent. Doch das Wechselgerücht entpuppte sich als Falschmeldung. „Ich bleibe in Dresden“, sagte Koné einen Tag später laut Bild-Zeitung. Unmittelbar nach der Aufholjagd im Rudolf-Harbig-Stadion gab es auch keinerlei Anzeichen für einen raschen Abschied von Koné. Der hätte bis zum Ende der Transferperiode am Montagabend abgewickelt sein müssen. Der 22-Jährige freute sich über seinen Einsatz, sein Tor und den Punkt. „Ja, das ist auch für mich gut“, sagte er. „Ich muss immer weitermachen, weiter arbeiten, wie der Trainer das möchte.“ Nach einer baldigen Trennung klang das nicht.

Und auch nicht bei Cristian Fiel. „Wenn man als Stürmer lange nicht getroffen hat und dann zweimal nicht im Kader war, ist das eine Erlösung“, erklärte Dynamos Trainer. „Ich freue mich sehr für ihn, dass er sich belohnt hat und hoffe, es geht so weiter.“ Bei einem Wechsel von Koné hätten die Dresdner nach den Abgängen von Lucas Röser und Osman Atilgan wieder auf dem Transfermarkt zuschlagen müssen. Denn nach SZ-Informationen soll auch Nachwuchsstürmer Vasil Kusej bis Montagabend noch abgegeben werden. Übriggeblieben wären dann als Angreifer nur noch die Neuzugänge Alexander Jeremejeff und Luka Stor. Das ist ein bisschen wenig für einen Zweitligisten.

Die Offensive ist am Samstag nicht das Problem bei den Dresdnern. Es mangelt in der ersten halben Stunde vielmehr an der Einstellung der gesamten Mannschaft. Fiel hatte an der Seitenlinie „irgendwie das Gefühl, als ob sie es angesichts des warmen Wetters mal ohne Laufen probieren wollten und keine Lust zum Verteidigen hatten“. Die Fehler beim Spielaufbau und in der Defensive sind jedenfalls eklatant.

Der 0:3-Rückstand nach 29 Minuten ist die logische Folge, auch wenn die Hamburger bei der Chancenverwertung eine erstaunliche Effektivität zeigen. Fiel gestand hinterher, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an einen Punkt geglaubt hat. „Ich fühlte mich hilflos, weil es kein taktisches Problem war. Sie haben einfach nicht attackiert und sich nicht angeboten.“

Das 1:3 kurz vor der Pause durch einen Kopfball von Jannis Nikolaou fällt nach einem Standard und einem eklatanten Fehler von Pauli-Schlussmann Robin Himmelmann, der unter den Eckball segelt. Es bleibt nicht sein einziger Fauxpas. Nur Sekunden nachdem Nikolaou, der auch den Anschlusstreffer erzielt hatte, wegen eines groben Fouls vom Platz muss, sprintet der Keeper Koné entgegen, ohne eine Chance zu haben, an den Ball zu kommen. „Er weiß selber, dass er bei den beiden Toren keine gute Figur gemacht hat“, knurrte Pauli-Trainer Jos Luhukay.

Ohne diese beiden Aussetzer wäre es für Dynamo ein frustrierender Nachmittag geworden. Doch nach einem 0:3 und einer erfolgreichen Aufholjagd bei schwül-heißem Wetter ist vor allem die Moral das Thema. Die verdiene seinen allerhöchsten Respekt, meinte Fiel. „Ich freue mich sehr über diesen Punkt. Und St. Pauli muss sich schon sehr ärgern, dieses Spiel nicht gewonnen zu haben.“

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Auch Chris Löwe, der beim 0:1 seinen Gegenspieler aus den Augen verliert und beim zweiten Gegentor wie seine Nebenleute durch den Strafraum irrt, findet, dass „diese Mannschaft eine unglaubliche Moral“ habe. „Wir sollten alle mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen.“ Fest steht aber auch: Dynamo hat von fünf Punktspielen erst eins gewonnen.

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