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Minge kämpferisch: Wir zweifeln nicht

Der Besuch im Zwinger ist für die Dynamo-Spieler als eine kleine Ablenkung gedacht. Doch der Sportdirektor muss sich den Fragen nach dem Trainer stellen.

Trotz Ablenkung beim Besuch im Zwinger: Ralf Minge wirkt angespannt.
Trotz Ablenkung beim Besuch im Zwinger: Ralf Minge wirkt angespannt. © Matthias Rietschel

Dresden. Es sollte eine Abwechslung sein, im besten Fall für eine gute Viertelstunde die Gedanken ablenken von der prekären sportlichen Situation. Der Ausflug in den Dresdner Zwinger und der Film über die Jahrhunderthochzeit von Kurprinz Friedrich August mit Maria Josepha, Tochter des Kaisers von Österreich, war nicht als teambildende Maßnahme geplant. Aber es kann nicht schaden, wenn sie als solche wirkt.

Während die Spieler nach dem kulturhistorischen Termin in ihren Alltag abtauchen durften, sollte Ralf Minge schon wieder die Frage beantworten, wie lange er an Cheftrainer Cristian Fiel festzuhalten gedenkt. Spätestens in dem Moment war nichts mehr geblieben von der Ablenkung. Dabei hatte er bis dahin noch das eine oder andere Späßchen gemacht und versucht, weniger angespannt zu gucken als manch anderer der Besucher in leuchtend gelben Jacken. „Soll ich immer wieder die gleiche Schallplatte bedienen“, fragt Minge genervt und fügt hinzu: „Ich habe mich, glaube ich, so etwas von klar ausgedrückt!“

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Gespräch beendet. Bis dahin hatte der 59-Jährige erklärt, wie er die Lage einschätzt, in die Dynamo auch für ihn überraschend geraten ist. „Eine solche Vorahnung hatte ich überhaupt nicht“, betont er. Neun Punkte aus zehn Spielen – das dritte Jahr in Folge Abstiegskampf statt Aufstiegshoffnung. Dabei rückt das Jahr 2021 näher, für das Minge mal auf der Mitgliederversammlung die Rückkehr der SGD in die Bundesliga avisiert hatte. Theoretisch ist das sogar noch möglich, auch wenn er den Termin nur als Orientierung und nicht als Vorgabe verstanden wissen wollte.

Trainer Cristian Fiel nimmt den Ausflug wahr, aber seine Gedanken sind bei der sportlichen Situation. Er bastelt an Taktik und Aufstellung für das Spiel gegen Bielefeld am Samstag. 
Trainer Cristian Fiel nimmt den Ausflug wahr, aber seine Gedanken sind bei der sportlichen Situation. Er bastelt an Taktik und Aufstellung für das Spiel gegen Bielefeld am Samstag.  © Matthias Rietschel

Allerdings müssten die Schwarz-Gelben in dieser Saison erst einmal die Klasse halten, um in der nächsten angreifen zu können. Doch an der Tauglichkeit des Kaders für die zweite Liga wird gezweifelt, er scheint, was die Typen – sowohl charakterlich als auch fußballerisch – betrifft, nicht ausgewogen besetzt zu sein. Eine solche Kritik trifft in erster Linie den Sportdirektor, auch wenn er nicht allein verantwortlich ist und schon gar nicht die Entscheidungen im Alleingang fällt.

„Spieler genießen das Vertrauen“

Deshalb nutzt Minge die Wir-Form, wenn er widerspricht: „Intern zweifeln wir daran nicht. Wir gehen kritisch damit um, keine Frage, aber die Spieler, die wir haben, die heute früh auf dem Trainingsplatz gestanden haben, genießen unser Vertrauen.“ Was soll er, zumal unter den Augen und Ohren von Touristen, auch anderes sagen. In den Prozess, die Mannschaft zusammenzustellen, seien alle sportlich Verantwortlichen einbezogen gewesen. „Wir denken, sowohl von den Systemen als auch von den Typen so ziemlich alles abdecken zu können. Ich würde das nicht zwingend miteinander in Verbindung bringen.“

Immerhin räumt er ein, dass im Sommer personell mehr möglich gewesen wäre. „Wir haben Spielraum, wir hätten reagieren können und hätten das sicher auch getan“, sagt er – und erklärt, warum sie es nicht getan haben: „Wenn ein Mehrwert für die Mannschaft da gewesen wäre und das Preis-Leistungsverhältnis gestimmt hätte.“ Damit meint Minge nicht nur mögliche Ablösesummen etwa für einen Stürmer wie Kwasi Okyere Wriedt, der seine Tore weiter für Bayern II in der 3. Liga schießt – bisher acht in zwölf Spielen. Minge achtet darauf, das Gehaltsgefüge möglichst im Gleichgewicht zu halten. Denn das war ein Problem beim Abstieg 2014, als die Besserverdiener schlechtere Leistungen brachten. Das ist schädlich fürs Klima.

Das ist diesmal kein Problem und überhaupt meint Minge nach der internen Analyse, die kein Krisenmanagement sei, sondern im ständigen Austausch erfolge: „Wir können an sehr viele Punkte einen Haken machen.“ An welche nicht, behält er für sich. „Eines könnt ihr uns abnehmen, dem Fielo und mir: Dass wir alles tun, was in unseren Kräften steht. Wir sind viel zu sehr verwachsen mit dem Verein, wir erstarren nicht, wir handeln.“

Wachsender Unmut bei den Fans

Von den Stellschrauben, die es zu drehen gilt, ist die Rede. Spielsystem eingeschlossen. Letztlich entscheide aber der Cheftrainer. „Wir werden seine Autorität nicht untergraben.“ Derzeit hocke man schon mal eine Stunde länger zusammen, alles werde sehr offen diskutiert. Das Ergebnis: Die Probleme sind erkannt und lösbar. „Sonst könnten wir uns zurücklehnen und uns dem Schicksal ergeben. Das werden wir aber definitiv nicht“, erklärt der Sportchef beinahe trotzig.

Den wachsenden Unmut, der sich unter den Fans breitmacht, habe man registriert. „Dynamo ist extrem emotional, das spiegelt sich darin wider – und das ist auch gut so“, meint Minge. „Intern müssen wir uns davon frei machen.“

Allerdings werden die nächsten Aufgaben mit dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am Samstag, dann im DFB-Pokal bei Hertha BSC, in Stuttgart, zwischendurch zu Hause gegen Wiesbaden und schließlich beim Hamburger SV werden kaum leichter, aber gerade deshalb appelliert Minge: „Wir tun gut daran, nicht in Zeiträumen zu reden: In zwei Wochen ist das Spiel, dann kommt dieses, oh Gott, und noch jenes. Es gibt ein Spiel: das gegen Bielefeld am Samstag. Das wollen wir erfolgreich bestreiten. Dafür bastelt der Trainer sowohl an der Taktik als auch an der Aufstellung.“

Die Frage, wie viel Spiele er Fiel noch gibt, stellt sich für ihn auch deshalb nicht.

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