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Nach Löwes Wutausbruch reagiert jetzt die DFL

Geschäftsführer Seifert tut es leid, was passiert ist. Doch er verteidigt die Entscheidungen und auch den Spielplan, den Dynamo zu absolvieren hatte.

Nach dem Spiel in Kiel, als Dynamos Abstieg so gut wie sicher feststand, ließ Chris Löwe seinen Gefühlen freien Lauf - und rechnete auch mit scharfen Worten mit dem Ligaverband DFL ab.
Nach dem Spiel in Kiel, als Dynamos Abstieg so gut wie sicher feststand, ließ Chris Löwe seinen Gefühlen freien Lauf - und rechnete auch mit scharfen Worten mit dem Ligaverband DFL ab. © Screenshot

Dresden. Die Worte waren deutlich, sehr deutlich sogar, und sie hatten einen klaren Adressaten: die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und deren Chef Christian Seifert. Mit einem Wutausbruch ließ Dynamo Dresdens Verteidiger Chris Löwe vergangene Woche nach dem so gut wie sicher feststehenden Abstieg der Mannschaft aus der 2. Fußball-Bundesliga seinen Gefühlen freien Lauf. "Wir sind am Ende die, die den verfickten Preis bezahlen für den ganzen Scheiß!", sagte Löwe mit Tränen in den Augen direkt nach der 0:2-Niederlage in Kiel.

Und das war erst der Anfang der Verbalattacke, die deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte. Einmal in Fahrt, legte der 31-Jährige nach: "Glauben Sie ehrlich, dass einer von denen in der DFL, Christian Seifert oder wer auch immer, sich eine einzige Sekunde Gedanken macht, was bei uns in unseren Köpfen vorgeht? Das ist denen alles scheißegal!" 

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Jetzt hat sich Seifert zu Wort gemeldet - und für Löwes emotionalen Ausbruch Verständnis gezeigt. "Mir tut es sehr leid für Dynamo Dresden. Mir tut es auch leid, dass der Spieler sich so fühlt. Ich fand es gut, dass er diese Emotionen auch rauslässt. Wo soll er auch damit hin", sagte Seifert am Montag bei "Sport1".

Auch dass er namentlich angesprochen worden ist, stört Seifert offenbar nicht, im Gegenteil. "Ich habe das in keiner Weise persönlich genommen, denn eigentlich meint er ja nicht mich, sondern den Umstand, unter dem nun mal die 2. Bundesliga wieder gestartet ist - und insbesondere die Tatsache, dass natürlich Dresden durch zwei Infektionsfälle kurz vor dem Start einen wie auch immer gearteten Effekt verspürt hat, der sicherlich nicht zum Vorteil war."

Namentlich an ihn richtet sich Löwes Kritik: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Jetzt meldet er sich zu Wort - und zeigt Verständnis.
Namentlich an ihn richtet sich Löwes Kritik: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Jetzt meldet er sich zu Wort - und zeigt Verständnis. © dpa

Wegen zwei positiver Corona-Fälle musste Dynamo eine Woche vor dem Neubeginn in der zweiten Liga mit der gesamten Mannschaft sowie dem Trainer- und Betreuerstab in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. In der Zeit konnten die anderen Zweitligisten weiter trainieren, und sie begannen auch wieder mit dem Spielbetrieb. Die Dresdner dagegen hielten sich auf Spinning-Bike und Gymnastikmatte einigermaßen fit, ein leistungssportliches oder gar fußballspezifisches Training war in dieser Zeit unmöglich.

Zudem geriet man mit drei Spielen in Rückstand und bekam von der DFL daraufhin ein Mammutprogramm verordnet. Gespielt wurde im Drei-Tage-Rthythmus, insgesamt acht Partien in 22 Tagen. Ergebnis: Vor dem letzten Spieltag am Sonntag hat Dynamo nur noch minimale theoretische Chancen auf den Klassenerhalt. Drei Punkte und 14 Tore muss die Mannschaft auf den Karlsruher SC aufholen. Ex-Kapitän Marco Hartmann erklärte indes, dass man den Abstieg nicht allein auf die Corona-Entwicklungen schieben könne. Er mahnte die interne Aufarbeitung eigener Fehler an und stellte fest: Dynamo sei zuletzt keine Mannschaft gewesen.

Seifert will noch mal mit Dynamo reden

Inzwischen kündigte der Verein an, juristische Schritte zu prüfen und aufgrund fehlender Chancengleichheit vor das DFB-Sportgericht zu ziehen. „Wir wollen einen fairen Wettbewerb, und der ist nicht gegeben", sagte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born, und er betonte: "Man hat uns in einen Terminplan hineingezwängt. In anderen Ländern wird auch im Juli gespielt."

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Seifert verteidigt indes die Entscheidung. Hätte man damals noch länger mit dem Spielbetrieb pausiert, und "wären in dieser Zeit bei anderen Klubs positive Infektionsfälle eingetreten, dann hätte man uns möglicherweise vorgeworfen, wie naiv das war, das Ganze auszusetzen", sagte der 51-Jährige jetzt. Er erklärte, sich mit Dynamo in Verbindung setzen zu wollen. Die DFL werde "im Gespräch mit den Verantwortlichen von Dynamo Dresden versuchen, die Situation nochmals zu erläutern, die alle 36 Klubs sehenden Auges, dass so etwas passieren könnte, getroffen haben".

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