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Dynamo spielt mit zwei Teams im Abstiegskampf

Der Trainer lässt rotieren und macht das mit System. Wer will, kann sogar eine A- und B-Mannschaft erkennen. Entscheidend sind am Ende die Blutwerte.

Beim so wichtigen Abstiegsgipfel gegen Wehen Wiesbaden stand die vermeintliche A-Elf auf dem Platz.
Beim so wichtigen Abstiegsgipfel gegen Wehen Wiesbaden stand die vermeintliche A-Elf auf dem Platz. © dpa/Ronald Wittek

Dresden. Das Tätigkeitsfeld von Markus Kauczinski hat sich erweitert. Zwangsweise. Als ausgebildeter Fußballlehrer mit Uefa-Pro-Lizenz muss der 50-Jährige nun auch Blutwerte deuten können. Zu Ader gelassen werden die Profis von Dynamo in diesen stressigen Tagen mit Spielen im Drei-Tage-Rhythmus ständig – um zu sehen, wie erholt sie sind. Oder eben auch nicht.

Vor dem Nachholspiel am Dienstagabend gegen Greuther Fürth (hier bei Sächsische.de im Liveticker) spricht der Trainer über „erhöhte Werte“ und darüber, dass er noch nicht abschätzen könne, „wie weit sie runtergehen werden“. Erst dann, also am Spieltag, will er entscheiden, wen er für die Startelf nominiert.

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Die Blutwerte sind also ein entscheidendes Kriterium bei Dynamos Aufholjagd im Kampf gegen den Abstieg. Aber natürlich nicht das einzige, wie Kauczinski betont. „Es gibt Jungs, die vertragen es besser, mit Ermüdung zu spielen, andere schlechter.“ Bei der Wahl der ersten Elf sei also „nicht nur Wissenschaft ausschlaggebend, sondern auch Gefühl dabei“.

Erkennbar ist nach den ersten drei Partien nach dem Neustart ein Muster: Dynamo spielt quasi mit zwei Mannschaften. Nach dem Duell gegen den VfB Stuttgart, dem ersten nach der Corona-Pause, die im Fall der Dresdner noch durch eine zweiwöchige Quarantäne verlängert wurde, wechselte Kauczinski auf sieben Positionen, dann wiederum auf acht. Neben Torhüter Kevin Broll sind Florian Ballas und Jannis Nikolaou die einzigen Konstanten seit dem Re-Start. Es sind die beiden Innenverteidiger, auch wenn Nikolaou in Wiesbaden zunächst im defensiven Mittelfeld aushelfen musste.

Außenverteidiger werden getauscht

„Sie laufen nicht so viel und auch nicht so intensiv wie zum Beispiel die Außenverteidiger, die mit den langen Sprints ganz anders gefordert sind“, erklärt der Trainer. Sonst aber lässt er rotieren. Und das mit Methode. Die Startelf vom vergangenen Samstag ähnelte sehr stark der vom Auftakt gegen Stuttgart. Lediglich Kevin Ehlers und René Klingenburg ersetzen die verletzten Dzenis Burnic und Josef Husbauer. Es waren also erzwungene Wechsel.

Dem Gesetz der Serie folgend müsste nun gegen Greuther Fürth wieder die Elf beginnen, die in Hannover aufgelaufen war. „Ich kann noch nicht sagen, ob es vier, sieben oder elf Wechsel werden“, erklärt der Trainer. Noch kennt er die aktuellen Blutwerte nicht. Zudem sind einige Profis angeschlagen.

Komplette Reihen wie Mittelfeld und Angriff zu tauschen, hatte auch der Sportpsychologe Oliver Stoll im Interview mit sächsische.de empfohlen. „Wenn man den Kader in zwei Teams teilt, wäre es sinnvoll, zumindest immer Dieselben zusammenspielen zu lassen“, erklärte der Professor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Bei eingespielten Teams laufen die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozesse schneller und automatischer ab als bei neu zusammengewürfelten.“

Bei der Aufteilung lässt sich noch etwas erkennen. Gegen Stuttgart standen mit Ondrej Petrak, Patrick Schmidt, Josef Husbauer, Godsway Donyoh und Simon Makienok fünf Winterneuzugänge beim Anpfiff auf dem Platz, in Wiesbaden fehlte aus diesem Quintett nur der verletzte Husbauer. Bei der nicht nur aufgrund des Ergebnisses deutlichen 0:3-Niederlage in Hannover dagegen war Marco Terrazzino der einzige Wintertransfer.

Keine Zeit zum auskurieren

Angesichts dieser Auffälligkeit könnte man auch von einer A- und B-Mannschaft sprechen. Hinzu kommt, dass beim so wichtigen Abstiegsgipfel gegen Tabellennachbar Wehen Wiesbaden die vermeintliche A-Elf aufgelaufen war. Kauczinski würde eine solche Unterteilung sicher zurückweisen. Für ihn gibt es bei der Aufstellung nur ein Kriterium: „Wer ist fit, wer kann spielen?“

Zwar glaubt er, dass sich die Mannschaft „kopfmäßig an die Belastungen der englischen Wochen“ gewöhnen kann. „Müdigkeit kann man aber nicht wegquatschen. Und wir haben nun mal unheimlich wenig Zeit, die Tritte, Schläge und Blutergüsse aus einem Spiel auszukurieren.“ Die kurzen Phasen zwischen den Spielen muss er nutzen, selbst „wenn es zieht, wenn die Muskeln brennen und wenn das Laktat an den Ohren rausläuft“.

Diese Formulierung ist medizinisch nicht ganz korrekt und Kauczinski eben doch kein Arzt. „Wir brauchen jetzt wirklich jeden Spieler“ stimmt dagegen – und ist in diesen Tagen auch keine Floskel.

Drei Spiele und reichlich Wechsel in der Startelf

Gegen Stuttgart (Ergebnis: 0:2): Broll – Wahlqvist, Nikolaou, Ballas, Löwe – Burnic, Petrak – Schmidt, Husbauer, Donyoh – Makienok.

Gegen Hannover (0:3): Broll – Kreuzer, Nikolaou, Ballas, Hamalainen – Burnic, Müller – Horvath, Ebert, Terrazzino – Jeremejeff.

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