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So lief Dynamos unglücklicher Saisonstart

Die Dresdner sind nicht nur öfter am Ball, sondern bestimmen das Spiel. Doch das einzige Tor erzielt ein Nürnberger. Fiel nennt es eine sehr unverdiente Niederlage.

Nürnbergs Nikola Dovedan erzielt das 0:1, Dynamos Niklas Kreuzer, Torwart Kevin Broll und Linus Wahlqvist (v. l.) können das nicht verhindern.
Nürnbergs Nikola Dovedan erzielt das 0:1, Dynamos Niklas Kreuzer, Torwart Kevin Broll und Linus Wahlqvist (v. l.) können das nicht verhindern. © Robert Michael/dpa

Das ist ärgerlich. Dynamo zeigt zum Saisonstart in der 2. Fußball-Bundesliga ein engagiertes Spiel, verliert aber mit 0:1 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg. Vor 29.753 Zuschauern im nahezu ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion drängen die Dresdner nach dem Gegentreffer durch Nikola Dovedan in der 53. Minute auf den Ausgleich, bleiben aber glücklos. Die fünf Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Dynamos Saisonstart:

Wie kam die Niederlage zum Auftakt letztlich zustande?

Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

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Plötzlich liegt Dynamo hinten. Sogar die Nürnberger Fans brauchen eine Weile, ehe sie jubeln. Bis dahin zeigt der Bundesliga-Absteiger nämlich bestenfalls andeutungsweise seine Offensivkraft. Doch nach der Flanke von Oliver Sorg kommt Dovedan zum Kopfball - und Niklas Kreuzer zu spät.

Jannis Nikolaou hat kurz darauf die Ausgleichschance, aber FCN-Torwart Christian Mathenia lenkt den Flachschuss zur Ecke. Als Moussa Koné trifft, wird er zurück gepfiffen - Abseits (68.). Zweimal hatte Dynamo in der zweiten Liga zuvor zu Hause gegen den Club aus Franken gespielt - beide Male 1:1. Trainer Cristian Fiel wollte dieses Ergebnis vorher nicht unterschreiben. „Ich will, dass die Jungs reingehen mit dem Gedanken, das Spiel gewinnen zu wollen und alles dafür zu investieren.“ Dann könne man sich darüber noch mal unterhalten.

Die Jungs, wie er seine Spieler nennt, machen das. Und jetzt würde er es wahrscheinlich als einen Erfolg verbuchen. Und er wechselt offensiv. Der 18-jährige Matthäus Taferner schlenzt den Ball knapp drüber (79.), auch René Klingenburg verzieht (82.).

Dann muss es Koné machen. Acht Meter steht der Torjäger vor dem Torwart, doch der pariert (86.). Und nach Ecken steht es 12:0!

Fünf Minuten Nachspielzeit. Es reicht nicht.

Dynamos Trainer Cristian Fiel ist mit der Chancenverwertung sichtlich unzufrieden.
Dynamos Trainer Cristian Fiel ist mit der Chancenverwertung sichtlich unzufrieden. © Robert Michael/dpa

Für wen hat sich Fiel als neue Nummer eins entschieden?

Es war das letzte, gut gehütete Geheimnis vor dem Start: Wer steht im Tor? „Einfach war die Entscheidung nicht, weil alle drei auf einem hohen Niveau durch die Vorbereitung gegangen sind“, sagte Fiel. Seine Wahl fiel schließlich auf Kevin Broll. Der 23 Jahre alte Neuzugang von der befreundeten Sportgemeinschaft aus Großaspach hatte zuletzt in den Testspielen bereits die meisten Einsatzzeiten bekommen, aber bei der Generalprobe gegen Greuther Fürth (2:3) zweimal entscheidend gepatzt. Als Torwart war er selten gefordert, als Aufbauspieler hatte er den einen oder anderen Wackler.

Der Trainer vertraut ihm dennoch, als erster Ersatzmann sitzt Tim Boss auf der Bank. Das ist insofern etwas überraschend, dass Fiel in der vorigen Saison Patrick Wiegers vorgezogen und den erfahrenen Schlussmann als einen seiner vier Kapitäne für die neue Saison bestimmt hatte. Er erwartet, dass die beiden anderen genauso weitermachen wie bisher. „Es gibt nichts Schöneres für einen Trainer als diesen Konkurrenzkampf. Dann wirst du Leistung bringen müssen, ohne Druck aufbauen zu wollen.“

Dynamos neue Nummer eins: Kevin Broll bekommt wenig zu halten, ist mehr fußballerisch gefordert.
Dynamos neue Nummer eins: Kevin Broll bekommt wenig zu halten, ist mehr fußballerisch gefordert. © Robert Michael/dpa

Wie hat der Trainer auf den kurzfristigen Weggang von Duljevic reagiert?

Der Bosnier war als Stürmer fest eingeplant, war aber am Freitag freigestellt worden und wird den Verein verlassen. Sein Wechsel zum französischen Erstligisten Olympique Nimes ist noch nicht offiziell bestätigt. Fiel hat darauf reagiert und setzt auf Koné als einzige Spitze. Dafür bot er je zwei defensive und zwei offensive Spieler im zentralen Mittelfeld auf. Das System hatte er bereits bei der Generalprobe gegen Fürth spielen lassen. „Jeder Trainer hat ein System, das er spielen lassen will. Trotzdem gibt es in diesem Sport einen Gegner, der versucht, besser zu sein“, erklärt der 39-Jährige.

Koné läuft viel, zweimal ist er durch - allerdings zu weit außen, um selbst abschließen zu können. Seine Eingaben werden abgefangen. Atik läuft zwar durch, ein Stürmer im Zentrum täte Dynamo trotzdem gut. Nach Traumpass von Sascha Horvath kurz nach der Pause umkurvt Koné den Keeper, der Winkel wird jedoch zu spitz - Pfosten. Erst jetzt geht die Abseitsfahne hoch. Nach dem Rückstand wechselt Fiel mit Lucas Röser den zweiten Angreifer ein.

Starkes Profi-Debüt: Verteidiger Kevin Ehlers (l.) von Dynamo Dresden zeigt sich abgeklärt und zweikampfstark - hier gegen den Nürnberger Lukas Jäger zu stoppen.
Starkes Profi-Debüt: Verteidiger Kevin Ehlers (l.) von Dynamo Dresden zeigt sich abgeklärt und zweikampfstark - hier gegen den Nürnberger Lukas Jäger zu stoppen. © Robert Michael/dpa

Wie schlägt sich der erst 18 Jahre alte Ehlers bei seinem Profi-Debüt?

Das hatte sich in der Vorbereitung abgezeichnet: Mit Kevin Ehlers steht ein Talent in der Startelf, das gerade erst aus dem eigenen Nachwuchs zu den Profis aufgerückt ist. Im ersten Laufduell kocht er gleich mal Dovedan ab und hält danach auch Nürnbergs Torjäger Mikael Ishak in Schach. Was besonders auffällt: Die Abstimmung mit den Nebenleuten klappt, sie lassen die Franken mehrmals ins Abseits laufen.

Die Fans haben den Start herbeigesehnt. Das Rudolf-Harbig-Stadion ist nahezu ausverkauft.
Die Fans haben den Start herbeigesehnt. Das Rudolf-Harbig-Stadion ist nahezu ausverkauft. © Robert Michael/dpa

Wie ist Dynamo nach der Vorbereitung ins Spiel gekommen?

Nach 28 Minuten steht ein sensationelles Ergebnis an der Anzeigetafel. Dynamo 5 – Nürnberg 0. Das sind allerdings nur die Ecken, die es bis dahin gab, was wiederum einiges aussagt. Dynamo hat nicht nur länger den Ball, sondern diktiert das Spiel. Die Chancen sind zwar nicht wirklich hochkarätig, aber allemal bemerkenswert.

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Die Enttäuschung ist groß, denn für die Schwarz-Gelben war mehr drin zum Saisonauftakt. Jetzt können Sie den Spielern Noten geben.

Die Dresdner versuchen es sowohl aus der Distanz wie Linus Wahlqvist (14. - gehalten), sondern kombinieren sich auch durch. Vor allem Atik und Horvath sprühen vor Spielfreude. So bringen sie mit ihren kurzen Pässen Burnic in Schussposition, der im Fallen verzieht.

Nach 45 Minuten plus Trinkpause wegen der Hitze gibt es Applaus von den Rängen für einen engagierten Beginn. Das bittere Ende sollte allerdings noch kommen...

Das sagen die Trainer nach dem Spiel:

Cristian Fiel, Dynamo Dresden: "Irgendwie habe ich das Gefühl, ich sitze nach einer sehr unverdienten Niederlage hier. Ich glaube, dass die Mannschaft komplett das umgesetzt hat, was wir sehen wollten. Das hat gut funktioniert, wir haben uns immer wieder durchgespielt. Uns hat das letzte Quäntchen gefehlt, um ein Tor zu erzielen. Aber wir machen einmal den Laufweg in die Tiefe nicht mit, er kommt zum Kopfball - und dann liegst du 0:1 hinten. Wir laufen weiter an, Nürnberg steht kompakt, verteidigt gut. Dass es dann schwer wird, ist klar. Wir hatten die eine oder andere Möglichkeit. Letzen Endes zählen im Fußball die Tore und die Punkte. Deshalb bin ich sehr enttäuscht."

Damir Canadi, 1. FC Nürnberg: "Wir freuen uns natürlich sehr über diesen ersten Sieg. Ich glaube, die Mannschaft hat zuletzt im Mai 2018 auswärts ein Spiel gewonnen. Nach den ersten Minuten hat Dresden das Spiel übernommen, wir konnten sie schwer zustellen, ihre Passfolgen nicht verhindern. Dadurch haben sie einen Rhythmus bekommen. Für uns fiel das Tor dann wahrscheinlich ein bisschen zu früh, auch wenn wir uns jetzt darüber freuen. Man hat aber gesehen: Mit der Führung wollten wir es verwalten, hätten die guten Kontersituationen besser ausspielen müssen. Aber wir freuen uns über die drei Punkte, das steht im Vordergrund. Es war eine taktisch hervorragende Leistung beider Mannschaften."

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