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Warum Dynamos Suche nach dem Stürmer jetzt akut ist

Die Dresdner spielen gegen Nürnberg mutig und offensiv, bleiben aber torlos. Trotzdem möchte der Trainer über einen möglichen Neuzugang nicht reden.

Moussa Koné hatte Dynamos beste Chance, aber FCN-Torwart Christian Mathenia parierte.
Moussa Koné hatte Dynamos beste Chance, aber FCN-Torwart Christian Mathenia parierte. © dpa/Robert Michael

Torschüsse, Ballbesitz, Passquote, Ecken sowieso, ja, sogar nach Fouls: Dynamo hat das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg dominiert. Statistisch gesehen. Aber darauf schaut Cristian Fiel nach dieser Niederlage nicht. Vielmehr schaut der Trainer auf die Tabelle, was ungewöhnlich sein mag nach dem ersten Spiel einer neuen Saison. Aber dort stehen die entscheidenden Ziffern. „Nürnberg hat drei Punkte, wir haben null. Das ist es, was zählt. Deshalb gebe ich auf andere Statistiken nichts“, meint Fiel, der sich „unfassbar ärgert, wie wir dieses Spiel verlieren. Das darf nicht passieren.“

Ist es aber. Man könnte es an dieser einen Szene festmachen, als die Flanke im Mittelfeld nicht unterbunden wird, die Zuordnung in der Defensive nicht stimmt und Niklas Kreuzer zu spät kommt, um den Kopfball von Nikola Dovedan zu verhindern. Einmal also haben sich die Dresdner vom Bundesliga-Absteiger überrumpeln lassen, und das war genau einmal zu viel. Doch das eigentliche Problem liegt vorn. Dynamo setzt den Plan um, spielt schnell und mutig nach vorn. „Wir haben genau das umgesetzt, was wir wollen“, sagt der Trainer. „Diese Mannschaft will einfach spielen, sie wollen den Ball haben, den Ball laufen lassen. Mir war es wichtig, dass sie das auch gegen einen namhaften Gegner zeigen und nicht anfangen zu grübeln.“

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An Spielfreude und -fluss mangelte es keinesfalls. Doch einigermaßen gefährlich werden die Angriffe meist, wenn sie nicht bis nach vorn getragen, sondern aus der Distanz abgeschlossen werden. Moussa Koné ist vorn zu sehr auf sich allein gestellt, wenn er mal nicht im Abseits startet, ist er meist zu weit draußen. Seine Eingaben sind schwach, zudem fehlt schwarz-gelbe Präsenz im gegnerischen Strafraum. Das Stürmerproblem hat sich mit dem – noch nicht offiziell bestätigten – Wechsel von Haris Duljevic zum französischen Erstligisten Nimes Olympique kurzfristig verschärft. „Wir werden noch zuschlagen“, sagt Minge im Pauseninterview bei Sky.

Cristian Fiel hadert nach der Niederlage gegen Nürnberg sowohl mit dem Gegentor als auch mit der Ausbeute in der Offensive.
Cristian Fiel hadert nach der Niederlage gegen Nürnberg sowohl mit dem Gegentor als auch mit der Ausbeute in der Offensive. ©  dpa/Robert Michael

Das ist unverzichtbar, auch wenn Fiel unmittelbar nach dem Spiel abwiegelt. „Es wäre einfach nicht fair, über dieses Thema zu reden“, sagt der 39 Jahre alte Spanier. Er arbeite mit den Spielern, die da sind und das gern. „Sie haben alle in der Vorbereitung hart gearbeitet, sind heute ans Limit gegangen. Deshalb wäre es respektlos, über einen Stürmer oder sonst jemanden zu reden, weil ich damit die Leistung jener schmälern würde, die da heute rausgegangen sind“, erklärt Fiel.

Doch im internen Zirkel muss er darauf drängen, schnellstmöglich zu handeln. Im Poker um Bayern-Stürmer Kwasi Wriedt dürfte Dynamo nur eine Chance haben, wenn der Deutsch-Ghanaer seine sportliche Entwicklung über finanzielle Aussichten stellt. Denn gegen Bundesligisten wie Werder Bremen und Hertha BSC oder englischen Klubs, die an dem 25 Jahre alten Torjäger interessiert sein sollen, dürften die Dresdner kaum mitbieten können. Andererseits hätte Wriedt hier die Aussicht, Stammspieler zu werden und über die zweite Liga den großen Sprung zu schaffen.

Minge: In allen Bereichen unterwegs

Laut Minge ist er nicht der einzige Kandidat, sofern er überhaupt infrage kommt. Vor dem Abgang von Duljevic schien es eine Option zu sein, darauf zu warten, dass mit dem Start der ersten Liga der Wechselwunsch einiger Bankdrücker konkret wird. Das könnte sich hinziehen bis zum Transferschluss am 2. September. Bis dahin hat Dynamo noch vier Spiele plus das in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den Oberligisten TuS Dassendorf. Minge mahnt zur Geduld, man werde die Nerven behalten. „Wir sind in allen Bereichen unterwegs – ob feste Verpflichtung oder eine Leihvariante“, sagt der Sportchef.

Tatsächlich gibt es keinen Grund zur Panik, Lucas Röser und Osman Atilgan haben das Potenzial schon nachgewiesen. Derzeit scheint jedoch keiner von beiden so gut drauf zu sein, dass Fiel ihn als Nebenmann von Koné aufstellt, stattdessen hat der Chefcoach sein System angepasst und auf eine Spitze gesetzt, Röser aber unmittelbar nach dem Gegentreffer eingewechselt. Beinahe wäre es erfolgreich gewesen.

Denn jetzt ist Koné bei der Eingabe von Niklas Kreuzer dort, wo ein Stürmer stehen muss, nämlich acht, zehn Meter zentral vor dem Tor. Der Senegalese macht eigentlich alles richtig bei der Riesenchance, schießt direkt und an einem Verteidiger vorbei. Dass FCN-Torhüter Christian Mathenja den Ball hält, ist einfach klasse. Mit einem Treffer von Kóné zum 1:1 würde vielleicht weniger über die Stürmersuche diskutiert, dringend wäre sie trotzdem.

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Dagegen hat Fiel die Torwartfrage geklärt und Kevin Broll zur Nummer eins bestimmt nach einem „Kampf auf Augenhöhe“, wie er sagt. Tim Boss und Patrick Wiegers sollen sich nach jeweils zwei Spielen als Ersatzmann abwechseln, „weil es keiner verdient hat, nie auf der Bank zu sitzen“. Auf der Position, fügt Fiel hinzu, brauche er sich keine Gedanken zu machen. Klingt ein bisschen wie: nicht auch noch …

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