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Was Dynamo von Paris bleibt

Alle schwärmen von Weltstar Kylian Mbappé, aber Cristian Fiel ärgert sich über die sechs Gegentore. Welche Erkenntnisse der Härtetest für den Trainer gebracht hat.

Ende der 1990er-Jahre haben sich Thomas Tuchel (l.) und Cristian Fiel in Stuttgart kennengelernt.
Ende der 1990er-Jahre haben sich Thomas Tuchel (l.) und Cristian Fiel in Stuttgart kennengelernt. © www.imago-images.de

Dresden. Sie sind einst gemeinsam um die Häuser gezogen, von einer „losen Freundschaft“ spricht Thomas Tuchel. Doch als sie sich am Dienstagabend im Dresdner Stadion umarmen, trennen sie Welten – rein beruflich. Der eine trainiert bei Paris St. Germain eine Weltauswahl, der andere ist seit fünf Monaten Chefcoach des Zweitligisten Dynamo. „Ich war total aufgeregt, als ich ihn wiedergesehen habe“, sagt Cristian Fiel über seinen früheren Kumpel Tuchel.

Kennengelernt haben sie sich Ende der 1990er-Jahre in Stuttgart, als Fiel bei den Kickers spielte und der knapp sieben Jahre ältere Tuchel seine Trainerlaufbahn im Nachwuchs des VfB startete. Dass er ihn jetzt ein „Schlitzohr“ nennt, darüber kann Fiel lachen. „Er darf das sagen, er darf alles sagen. Was er für eine Karriere hingelegt hat – Respekt!“ Doch so herzlich sie sich beim Wiedersehen umarmen, so sehr tut Tuchel mit seiner Weltauswahl in diesem freundschaftlichen Vergleich dem Spezi weh. 1:6! Paris kennt kein Pardon mit Dynamo (SZ+).

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Dieser Balljunge hat es geschafft: Ein Selfie mit Weltstar Kylian Mbappe. Der Weltmeister aus Frankreich hat mit zwei Toren und drei Vorlagen in Dresden die Fans begeistert.
Dieser Balljunge hat es geschafft: Ein Selfie mit Weltstar Kylian Mbappe. Der Weltmeister aus Frankreich hat mit zwei Toren und drei Vorlagen in Dresden die Fans begeistert. © www.imago-images.de

"Der Qualitätsunterschied ist groß, das muss auch so sein“, meint der deutsche Trainer des französischen Meisters. Das sieht der Spanier bei Dynamo ähnlich. Trotzdem will sich Fiel in der Analyse nicht darauf zurückziehen. „Bei aller Qualität, die diese Mannschaft hat, und das ist der Wahnsinn: Das ärgert mich sogar sehr“, sagt er und meint die einfachen Fehler, mit denen seine Mannschaft die internationalen Stars zum Schützenfest eingeladen hat. „Du kannst ja sechs Dinger bekommen, wenn sie dich in Grund und Boden spielen, aber nicht, weil sie einen Pass in die Tiefe bringen und wir verteidigen es schlecht.“

Für Fiel war das kein sommerlicher Spaß, sondern ein ernster Test anderthalb Wochen vor dem Start in die neue Saison mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Deshalb hat er sein taktisches Konzept nicht etwa geopfert zugunsten einer vielleicht stabileren Defensive. Tuchel war wenig überrascht, dass Dynamo zumindest versucht hat, nach vorn zu spielen. „Wieso auch nicht? Die beste Verteidigung ist es, den Ball zu haben. Vielleicht waren sie manchmal ein wenig zu mutig und haben für Ballverluste bitter bezahlt.“

Das ist es, was Fiel kritisiert – unabhängig vom Top-Gegner. „Wenn ein Kylian Mbappé im Sprint vier Spieler überläuft, nehme ich die in den Arm und sage: Jungs, das könnt ihr nicht verteidigen“, sagt der 39 Jahre alte Fußball-Lehrer und schiebt ein entscheidendes Aber hinterher: „Wenn sie einen langen Ball spielen oder wir zu dritt gegen einen stehen, und sie machen das Tor – das geht nicht. Wenn wir das nicht besser verteidigen, kann uns das gegen Greuther Fürth oder Sandhausen genauso passieren.“

Von der Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion ist auch Thomas Tuchel, der deutsche Trainer von Paris,  begeistert.
Von der Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion ist auch Thomas Tuchel, der deutsche Trainer von Paris,  begeistert. ©  dpa/Robert Michael

So gesehen war es für Dynamo mehr eine Lehrstunde als eine Vorführung. Im Hinblick auf seine mögliche Startfelf habe er keine Erkenntnisse gewonnen, behauptet Fiel, was sich so interpretieren ließe, dass er die bereits im Kopf hat. Und so bleibt für ihn nur ein Fazit: „Wir dürfen nicht so einfache Gegentore bekommen.“ Trotzdem denkt er nicht daran, seine Spielidee zu ändern und mehr auf Sicherheit zu setzen. Im Gegenteil. Sogar gegen Paris hätte er gerne öfter den Pass nach vorn als quer oder zurück gesehen. „Ich glaube, dass wir am Anfang zu viel Respekt hatten und jeder dachte: Hauptsache, ich mache keinen Fehler!“ Die passierten dennoch, zum Beispiel Dzenis Burnic vor dem 1:0 durch Mbappé.

Der erst 20 Jahre alte Weltmeister aus Frankreich demonstrierte mit zwei Toren und zwei Vorlagen eindrucksvoll seine außergewöhnliche Klasse. „Wenn der so weitermacht und klar im Kopf bleibt, wird er über Jahre hinaus der beste Spieler der Welt sein“, glaubt Dynamos Neuzugang Chris Löwe. Er hat in England gegen Top-Stürmer gespielt und ist sich mit dem Trainer einig: „Die ein, zwei gröberen Fehler, mit denen wir es ihnen zu einfach gemacht haben, müssen wir in der Liga abstellen."

Dynamos Ehrentorschütze Moussa Koné, der gefoult wurde und den Elfmeter selbst verwandelte, hat sich eine Innenbandzerrung am linken Knie zugezogen. Der 22 Jahre alte Stürmer muss deshalb mit dem Training aussetzen. „Ich hoffe, dass ich schnell ins Training zurückkehren kann, um möglichst wenig Zeit vor dem Saisonauftakt zu verlieren“, wird Koné in der Pressemitteilung zitiert.

Für die 30.003 Zuschauer im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion war es ein unterhaltsamer Fußball-Abend. Deshalb mag der Blick auf die eigene Mannschaft weniger kritisch ausfallen. Was der Test für Dynamo jedoch wirklich gebracht hat, lässt sich schwer einschätzen. Nicht einmal Tuchel möchte sich dazu äußern, was für die Dresdner diesmal in der zweiten Liga drin sein könnte. „Dafür bin ich ein bisschen zu weit weg inzwischen“, sagt der frühere Trainer von Mainz und Dortmund. „Ich helfe ihm nicht, wenn ich eine Prognose raushaue“, meint Tuchel.

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Also bleibt er allgemein und wünscht seinem Trainer-Kollegen, dass er in Ruhe fleißig arbeiten kann, was ja bei Dynamo alles andere als selbstverständlich ist. Mit dem Ausflug ist Tuchel rundum zufrieden, auch wenn er von Dresden wenig gesehen hat. „Eine kurze Bus-Rundfahrt und ab ins Hotel. Leider. Aber wenn du mit PSG-Klamotten durch Dresden läufst, hält sich der Spaßfaktor beim Sightseeing auch in engen Grenzen.“ Einen guten Eindruck nimmt er trotzdem mit. „Ein sensationeller Rahmen für ein Testspiel: top Stadion, top Fans, ausverkauft, Flutlicht. Wer darauf keinen Bock hat, muss den Beruf wechseln – sofort.“

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