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Die große Erleichterung

Dynamo tut sich im Pokal gegen Außenseiter Dassendorf schwer. Doch die Probleme bleiben nach dem 3:0-Sieg.

Der Jubel bei Dynamo ist verhalten, nicht nur nach dem Tor von Chris Löwe (2. v. l.) zum 1:0, sondern auch nach dem Sieg im Pokal gegen Dassendorf.
Der Jubel bei Dynamo ist verhalten, nicht nur nach dem Tor von Chris Löwe (2. v. l.) zum 1:0, sondern auch nach dem Sieg im Pokal gegen Dassendorf. © dpa/Robert Michael

Aller guten Dinge sind drei. So oft hat Dynamo getroffen und so oft wiederholt Niklas Kreuzer die selbstverständlich drei positiven Fakten: „Eine Runde weiter, zu null gespielt, drei Tore geschossen.“ Das ist tatsächlich kein schlechtes Fazit.  Es täuscht allerdings darüber hinweg, wie schwer sich die Dresdner getan haben, um dieses 3:0 gegen den Fünftligisten TuS Dassendorf im DFB-Pokal zu erreichen. Der Drei-Klassen-Unterschied war lange nicht zu erahnen, geschweige denn zu sehen.

Was auf dem Rasen in Zwickau passiert, wohin der Hamburger Amateurverein für sein Heimspiel umgezogen ist, wirkt beschwerlich bis behäbig. Dassendorf hat Mitte der ersten Halbzeit sogar die beste Chance, weil René Klingenburg im Mittelfeld den Ball verdaddelt hatte und sich danach keiner richtig zuständig fühlte, den Fehler auszumerzen. „Wenn die mit dem einen Ding in Führung gehen, wird es ganz eklig“, meint Kreuzer. „Wir müssen uns bei Brollo bedanken, dass er so gut pariert hat.“

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Kevin Broll im Dresdner Tor verhindert den Rückstand, bevor Chris Löwe zum 1:0 für die Dresdner trifft. Für den Neuzugang von Huddersfield Town ist es ein besonderes Glücksgefühl und das nicht in erster Linie wegen seines Tores. „Ihr könnt das nicht wissen“, erzählt er hinterher in der Fragerunde den Reportern, „aber ich habe seit November 2018 kein Fußballspiel mehr gewonnen, bei dem ich auf dem Platz stand.“ Das war ein 1:0 gegen den FC Fulham in der englischen Premier League, danach verlor er mit Huddersfield 17-mal, spielte nur zweimal unentschieden. Der Abstieg stand vorzeitig fest.

Und nun schien es in Dresden so weiterzugehen mit den beiden Niederlagen zum Saisonstart gegen Nürnberg (0:1) und in Karlsruhe (2:4). „Für mich war es wichtig, mal wieder ein Fußballspiel zu gewinnen. Egal gegen wen. Egal wie. Egal mit welcher Leistung. Ich wollte abends einfach mal nicht zu Hause sitzen und mir Gedanken machen müssen, warum es wieder nicht geklappt hat“, sagt er und spricht von Erleichterung.

Die empfinden auch seine Mitspieler nach dem – diese Floskel gehört zum Pokal wie die Überraschungen – erwartet schweren Spiel. „Das setzt in kleineren Mannschaften große Kräfte frei“, meint Kreuzer – und Löwe sagt: „Für sie ist es das Spiel des Jahres, sie hauen alles raus.“ Für die Dresdner kommt erschwerend hinzu, dass sie angeschlagen sind. „Wir müssen kein Blatt vor den Mund nehmen“, meint jedenfalls Kapitän Kreuzer, „dass wir nicht mit dem hundertprozentigen Selbstvertrauen auf den Platz gegangen sind, ist doch klar.“

Die Angst vor der Blamage

Es ist also auch die Angst vor der Blamage gegen den Außenseiter aus dem Norden, die den Spielfluss hemmt. Und so tun sie sich schwer, den Dassendorfer Defensivriegel zu knacken. „Man hat gesehen, dass man auch in den unteren Ligen mittlerweile sehr, sehr gut verteidigen kann“, erklärt Kreuzer, warum die eher halbherzigen Dresdner Offensivbemühungen spätestens an der Strafraumgrenze enden. „Wir haben es probiert, probiert, probiert.“

Bis Löwe noch vor der Pause endlich der Befreiungsschlag gelingt. „Die stehen 30, 35 Meter vor ihrem Tor mit elf Leuten, machen die Räume eng“, betont der Torschütze. Der 30 Jahre alte Linksverteidiger sagt im Nebensatz aber auch, warum es für Dassendorf lange so einfach war, Dynamo vom eigenen Tor fernzuhalten: „Sie wissen wahrscheinlich, dass wir nach Flanken nicht die brutalste Mannschaft sind, was die Gefahr betrifft. Da bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten, durchzukommen.“ Ab durch die Mitte lautet die Devise, dort aber wird es eng, bis bei den Amateuren mit der Kraft die Konzentration schwindet. Dzenis Burnic und Lucas Röser sorgen für ein Ergebnis, das souverän wirkt.

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Doch die Probleme bleiben, auch wenn die keiner konkret benennen will. Vom letzten Pass, der noch fehlt, spricht der eine. Der andere davon, die erste Halbzeit abhaken und aus den Fehlern lernen zu müssen. Dem Gegner nicht solche Chancen zu geben, wäre einer. „Klar, es gibt noch einiges zu korrigieren, hart zu arbeiten“, sagt Kreuzer, aber was er mitnimmt, sind eben vor allem diese drei Dinge: „Jeder Sieg gibt Selbstvertrauen, jedes zu null gibt Selbstvertrauen, jedes Tor gibt Selbstvertrauen.“

Das brauchen sie fürs nächste Heimspiel. Am Sonntag geht es für Dynamo gegen Heidenheim bereits darum, in der Liga nicht früh unter Druck zu geraten.

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