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Dynamo ist nichts für schwache Nerven

Die Dresdner gehen gegen Regensburg mit einer Doppelspitze ins Spiel, kommen aber lange nicht rein. Plötzlich steht es 2:1. Wie das kam und was die Trainer dazu sagen.

Und am Ende jubeln doch die Schwarz-Gelben.
Und am Ende jubeln doch die Schwarz-Gelben. ©  dpa/Robert Michael

Zum ersten Mal spielt Dynamo in dieser Saison mit zwei Stürmern. Moussa Koné darf gegen Jahn Regensburg neben Alexander Jeremejeff angreifen. Es dauert jedoch, bis sich das auszahlt, denn zur Pause liegen die Schwarz-Gelben hinten. 

Dann trifft erst Koné – und Florian Ballas jagt die Kugel aus 18 Metern ins Netz. Plötzlich steht es 2:1. Dynamo ist nichts für schwache Nerven. Die Dresdner feiern vor 27.260 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion. Wie dieser Sieg zustande kam – fünf Fragen, fünf Antworten:

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Wie hat Dynamo auf den Rückstand zur Pause reagiert?

Cristian Fiel stellt noch mal taktisch um, lässt hinten mit Viererkette spielen, also klassisch 4:4:2. Mit seiner Ansprache hatte der Trainer offenbar den Nerv getroffen, denn zumindest in puncto Entschlossenheit tritt seine Mannschaft nun anders auf. Das erste Zeichen setzt Chris Löwe: Hinten den Ball erobert und nach Solo abgeschlossen, Jahn-Torwart Alexander Meyer pariert (50.).

Zudem kommt Baris Atik für den enttäuschenden Patrick Ebert ins Spiel und sorgt für Belebung. Er ist es auch, der das Tor zum Ausgleich einleitet mit seinem Zuspiel auf Linus Wahlqvist. Koné läuft dann richtig ein und vollendet aus kürzester Distanz (50.). Plötzlich geht es munter hin und her, ist wieder alles drin. Torgefahr gibt es jedoch selten. Jeremejeff in aussichtsreicher Position freigespielt – knapp vorbei (68.). Atik mit dem Schussversuch – gehalten (77.).

Jetzt fehlt einerseits entweder der Mut zu noch mehr Risiko, was insofern verständlich ist, dass Regensburg aktiv bleibt, die Fans aber manchmal in Rage bringt. Andererseits mangelt es an Präzision im Spiel nach vorn. Manchmal muss es dann eben mit Wucht sein. Als Ballas freie Bahn hat, haut er alles rein in seinen Schuss - und der Ball schlägt zwei Minuten vor Schluss ein zum 2:1. Wahnsinn! In der hektischen Schlussphase sieht Fiel Gelb.

Was hat die Umstellung auf die Doppelspitze gebracht?

Hundertprozentig habe er diese Option im Kopf, hatte Fiel vorher bereits einen Hinweis gegeben, wobei das auch ein gezieltes Ablenkungsmanöver hätte sein können. Es gab jedoch ein gutes Argument für diese taktische Umstellung: Vier der neun Tore in den ersten sechs Zweitliga-Spielen hatte Dynamo erzielt, als zwei nominelle Stürmer auf dem Platz standen.

Lauf- und Passwege müssen sich jedoch erst finden. Jeremejeff per Kopf nach Ecke (gehalten/19.) und Koné mit einem Distanzschuss (vorbei/24.) – das sind in den ersten 45 Minuten die einzigen Abschlüsse des Angriffsduos. Das liegt jedoch auch daran, dass Dynamo die Angreifer nicht genügend einsetzt, aus dem Mittelfeld weder über Außen noch durchs Zentrum genug Druck entwickelt. Zudem fehlt Tempo im Spiel nach vorn.

Das Pfeifkonzert zur Pause ist ein Alarmsignal, vor allem aber ein Weckruf. Es konnte, nein, es musste nur besser werden.

Wie hat Dynamo den Rückschlag vom 2:2 in Bochum weggesteckt?

Er sei vielleicht manchmal noch zu sehr Spieler, meinte Fiel. „So etwas ist mir auch tausendmal passiert. Deshalb bin ich nicht psychologisch drauf eingegangen. Wir haben darüber gesprochen, was wir nicht gut gemacht haben. Das war auch schon alles.“

An der negativen Erfahrung liegt es sicher auch nicht, dass die Dresdner anfangs nicht gefährlich sind. Mal fehlt der Mut zum Risiko, mal der Blick für den Nebenmann. Die beste Chance haben jedenfalls die Gäste: Löwe verliert den Ball, Erik Wekesser läuft durch, aber Dzenis Burnic kann ihn mit einer sauberen Grätsche am Torschuss hindern (7.). Den zweiten Anlauf des Regensburger Angreifers ist Dynamo-Schlussmann Kevin Broll rechtzeitig draußen (10.).

Dynamo bleibt harmlos, anders die Gäste. Ein Steilpass bringt Ballas in Schwierigkeiten, Jann George kommt an den Ball und vollendet zur Führung für die Oberpfälzer. Und jetzt wanken die Dresdner tatsächlich, ist eine Verunsicherung spürbar, weil plötzlich nichts mehr zu klappen scheint.

Wie hat Fiel die Mannschaft taktisch verändert?

Kevin Ehlers kehrt in die Startelf zurück, aber auch Ballas bleibt drin. Gemeinsam mit Wahlqvist bilden sie die Dreierkette, Jannik Müller rutscht dafür vor ins defensive Mittelfeld. Mit Atik und Sascha Horvath bleiben zwei offensive Kräfte zunächst draußen, René Klingenburg übernimmt die Position hinter den Spitzen allein. Allerdings hat der 25-Jährige Mühe, ins Spiel zu finden, geschweige denn, ihm die erhofften Impulse zu geben.

Was bedeutet das Ergebnis für die Konstellation?

Es ist ein Befreiungsschlag - erst einmal tabellarisch. Dynamo setzt sich rechtzeitig vor dem Sachsenderby bei Erzgebirge Aue am nächsten Montag ab vom Tabellenende. Außerdem für die Psyche, fürs Selbstbewusstsein. Nach drei Unentschieden in Folge hat Dynamo seine Serie in die richtige Richtung ausgebaut und ist nun seit fünf Spielen ungeschlagen. Wichtiger aber: Die Lage ist nicht mehr unentschieden und der Saisonstart damit nicht berauschend, aber in Ordnung.

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Den Verein erwartet wieder eine Strafe, weil einige Fans ihre Emotionen nicht im Griff haben. Wekesser wird vor einer Ecke mit Bierbechern und anderen Gegenständen beworfen, Schiedsrichter Robert Kempter unterbricht und weist die Ordner auf einen der Übeltäter hin. Stadionsprecher Peter Hauskeller ruft zur Besonnenheit auf: Jeder Becher kostet 500 Euro.

Das sagen die Trainer nach dem Spiel

Moussa Kone gelang in der zweiten Halbzeit der zwischenzeitliche Ausgleich. Kurz vor dem Ende schoss Florian Ballas die Kugel aus 18 Metern ins Netz.
Moussa Kone gelang in der zweiten Halbzeit der zwischenzeitliche Ausgleich. Kurz vor dem Ende schoss Florian Ballas die Kugel aus 18 Metern ins Netz. © Robert Michael/dpa

Cristian Fiel, Dynamo Dresden: "Wie gegen St. Pauli kann ich mir die erste Halbzeit nicht erklären, nicht die Art und Weise. Von dem, was wir wollten und vor allem, was wir können, haben wir nichts auf den Platz gebracht. Regensburg hat uns vor große Probleme gestellt, weil wir zu viele Räume gegeben haben, im Ballbesitz überhaupt nicht stattgefunden haben. In der Halbzeit habe ich den Jungs zwei Wege angeboten, weil ich mit den Spielern im Austausch bin. Es bringt nichts, wenn ich den Weg gehen will und sie haben etwas anderes im Kopf. Wir waren einer Meinung und mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit hat man ein anderes Spiel gesehen. Dass es ein glücklicher Sieg ist, steht außer Frage, aber ich nehme ihn gerne mit. Es bleibt viel zu verbessern. "

Nachfrage von sächsische.de: Welche zwei Wege waren das?

"Wenn wir Angst haben, uns in den Räumen anzubieten, um zu spielen, dann hilft es nichts, wenn ich zu Kevin Broll sage: Hey, wir müssen hinten raus spielen. Wenn zu viele Spieler sagen: Nein, lass uns den Ball lang schlagen und wir gehen auf den Abpraller, wäre das für mich ein harter Moment gewesen, aber man muss im Austausch sein. Es macht mich glücklich, dass die Mannschaft ganz klar geantwortet hat, dass wir nur mit der Art und Weise, wie wir spielen wollen, erfolgreich sein können. Dass wir es dann in der zweiten Halbzeit besser gemacht haben, freut mich umso mehr."

Mersad Selimbegovic, Jahn Regensburg: "Wir haben ein Spiel verloren, das wir nie im Leben verlieren durften. Wir müssen nach der ersten Halbzeit höher als nur mit 1:0 führen. Wir waren nicht konsequent, haben unsere Aktionen nicht zu Ende gespielt, waren nicht sauber im letzten Pass, haben nicht den Abschluss gesucht. Uns war klar, dass der Gegner in der zweiten Halbzeit alles probiert, alles nach vorne schmeißt. Auch in dieser Phase, hatten wir ein, zwei Möglichkeiten, es besser auszuspielen und das 2:0 zu machen. Dann wird es für den Gegner sehr, sehr schwer. Wir haben nach dem Ausgleich trotzdem weiter mutig nach vorne agiert, es war ein offenes Spiel. Durch einen Sonntagsschuss verlieren wir, was passieren kann. Jetzt liegt es an uns, ob wir die Köpfe hängen lassen oder mit breiter Brust weitermachen. Wir machen einfach weiter und werden unsere Punkte holen. Es gleicht sich alles aus, wenn du es selbst forcierst."

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