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Dynamo schrumpft

Auf dem Rasen wie in den Statistiken zeigt sich: Die Dresdner haben ein Problem, das sich nicht wegtrainieren lässt.

KSC-Angreifer Marvin Pourie kommt in dieser Szene im Dynamo-Strafraum zum Kopfball, weil er überhaupt nicht daran gehindert wird. Doch selbst wenn es einen Gegenspieler gab, war der meist unterlegen.
KSC-Angreifer Marvin Pourie kommt in dieser Szene im Dynamo-Strafraum zum Kopfball, weil er überhaupt nicht daran gehindert wird. Doch selbst wenn es einen Gegenspieler gab, war der meist unterlegen. © Pressefoto Rudel

Es gab eine Szene, die machte die ganze Problematik offensichtlich. Als Dynamos Aushilfsstürmer Baris Atik einen Freistoß schinden wollte und deshalb von Karlsruhes Innenverteidiger Daniel Gordon zur Rede gestellt wurde, war es kein Wortgefecht auf Augenhöhe. Beide trennen 25 Zentimeter. Und dieses ungleiche Duell war kein Einzelfall. Die Dresdner verloren beim Zweitliga-Aufsteiger auch deshalb 2:4, weil sie körperlich nicht Paroli bieten konnten.

Zu spüren war dies sowohl offensiv als auch defensiv. Kein einziges Mal ging ein Kopfball aufs Tor der Karlsruher, dafür wurde es bei Standards im Dynamo-Strafraum immer gefährlich. Dass die Schwarz-Gelben nach Ecken nur einen Gegentreffer kassierten, war vor allem Glück. „Es ist schwer zu verteidigen, wenn man in fast jedem Duell fünf bis zehn Zentimeter kleiner ist“, räumte Innenverteidiger Jannik Müller ein und wirkte fast schon ratlos.

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Cristian Fiel verteidigte seine Aufstellung und betonte, dass seine Mannschaft in der Defensive im Vergleich zum Spiel gegen Nürnberg „nichts an Größe verloren hat“. Das stimmt, wenn man penibel ist, nicht ganz. Patrick Ebert, der auf der rechten Seite Niklas Kreuzer ersetzte, ist vier Zentimeter kleiner als der Vize-Kapitän. Hinzu kommt: Dynamos Hintermannschaft, die gegen Karlsruhe und in der Woche davor gegen Nürnberg auf dem Platz stand, ist ohnehin nicht die größte. Niemand erreicht dort die 1,90 Meter.

Dabei gäbe es Alternativen, doch die saßen nur auf der Bank. Florian Ballas (1,96 Meter) dufte beim KSC erst in den Schlussminuten auf den Platz, René Klingenburg (1,90) gar nicht. Und Marco Hartmann (1,94) ist verletzt.

© SZ

Eklatant war jedoch die Unterlegenheit in der Offensive. Vom Trio Matthäus Taferner, Sascha Horvath und Atik ist niemand größer als 1,70 Meter. Bei gegnerischen Standards kann von denen keiner im Luftzweikampf aushelfen. Stürmer, die im eigenen Strafraum mit dem Kopf klären, sind jedoch absolut üblich, bei Dynamo nicht mehr. Ändern könnte sich das nur, wenn der gesuchte Angreifer, der bald verpflichtet werden soll, ein Mindestmaß nicht unterschreitet.

Dies ist nicht nur eine Momentaufnahme, sondern eine seit Jahren anhaltende Tendenz: Dynamo schrumpft. In der Saison 2013/14 war kein einziger Spieler im Kader kleiner als 1,70 Meter, jetzt sind es fünf. Vor sechs Jahren gab es neun Profis, die 1,90 Meter und größer waren, inzwischen sind es nur noch drei.

Zufall ist das sicher nicht, dafür gibt es Gründe. Die naheliegendste wäre: Die Spielphilosophie hat sich im Laufe der Zeit verändert. Hohe Bälle stehen beinahe schon auf dem Index. Das fängt bei den Torhütern an, die den Ball nicht mehr so weit wie möglich nach vorn dreschen, sondern gezielt Vorderleute anspielen sollen. Seit dieser Saison hat sich die Ausrichtung nochmals verändert, Fiel favorisiert Dominanz, Ballkontrolle und Kurzpassspiel. Seine Mannschaft soll sich bis zum Tor durchkombinieren. Das sieht teilweise schon richtig gut aus, ist aber noch nicht effektiv.

Für seine Philosophie vom Fußball setzt er auf quirlige, technisch veranlagte Profis. Die sind nicht nur klein, sondern meist auch jung. Diese Statistik ist ebenfalls aufschlussreich. Dynamo stellte an den ersten beiden Spieltagen jeweils die mit Abstand jüngste Startelf. Auch beim Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler liegen die Dresdner mit 23,5 Jahren ganz vorn – und Karlsruhe mit 27,7 Jahren ganz hinten.

Müller sind bei den Standards nicht nur die Größenunterschiede aufgefallen, sondern auch, „dass wir noch cleverer werden müssen. Der Gegner hat da Laufwege geblockt und auch mal die Arme eingesetzt. Da mussten wir Lehrgeld zahlen.“

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