merken
PLUS Dynamo

So kassiert Dynamo die bittere Niederlage in Hamburg

Die Dresdner gehen beim HSV in Führung, halten bis in die Nachspielzeit ein 1:1 - und verlieren doch noch. Die Analyse und was die Trainer zum Spiel sagen.

Dynamos Kapitän Niklas Kreuzer lässt den Kopf hängen. Trotz seines Treffers feiern am Ende die Hamburger.
Dynamos Kapitän Niklas Kreuzer lässt den Kopf hängen. Trotz seines Treffers feiern am Ende die Hamburger. © dpa/Christian Charisius

Das war ein großer Kampf, den die Dresdner Dynamos am Samstagmittag in Hamburg geboten haben. Vor 51.586 Zuschauern im Volksparkstadion, darunter etwa 4.500 Dynamo-Fans, unterlagen sie dem Aufstiegsfavoriten HSV nicht unverdient, aber unglücklich mit 1:2 (0:0). Dabei hatten sie sogar in Führung gelegen. Wieso sie trotzdem verloren haben - fünf Fragen und Antworten zu Dynamos bitterer Niederlage.

Warum hat Dynamo doch noch verloren?

Anzeige
Energiegeladen zu Dynamo
Energiegeladen zu Dynamo

Auto-Hammer schickt dich und zwei Freunde exklusiv mit persönlichem Chauffeur zum Dynamo-Heimspiel am 30. Oktober. Elektrisch und inklusive VIP-Karten.

Natürlich wehrt sich der HSV nach dem Rückstand gegen die drohende Heimniederlage, Trainer Dieter Hecking bringt zudem neue Kräfte für die Offensive - unter anderem Ex-Nationalspieler Aaron Hunt. Hamburg drückt. Dann fällt das Tor. Der Assistent an der Seitenlinie hebt die Fahne, aber der Videoassistent legt Einspruch ein. Kevin Ehlers hebt das Abseits auf, der eingewechselte Linus Wahlqvist steht schlecht zu Sonny Kittel, der trifft (68.). Nur drei Minuten später liegt der Ball wieder im Netz, aber wieder meldet sich der Mann am Fernsehschirm - und diesmal fällt sein Urteil zugunsten der SGD aus: Abseits. Der Treffer von Martin Harnik zählt nicht. Genauso wenig wie dann auch der von Hunt (83.).

Fünf Minuten Nachspielzeit. Und dann passiert es doch noch. Es läuft die 94. Minute. Der HSV trifft. Videobeweis. Diesmal zählt das Tor von David Kinsombi. Unglücklicher geht es kaum.

Wie ist die überraschende Führung zustande gekommen?

Und plötzlich führt Dynamo. „Wir müssen vorne attackieren, mutig sein, uns eigene Abschlüsse erarbeiten, auch mal aufs Tor schießen, sonst kann er nicht reingehen“, hatte Vizekapitän Niklas Kreuzer vorher angekündigt. Das beherzigt erst René Klingenburg, dessen Schuss HSV-Keeper Heuer Fernandes nach vorn abwehrt. Doch dann kommt der Ball eben zu Kreuzer – und dessen schlauer Schlenzer geht ins lange Eck. Die Schwarz-Gelben liegen kurz nach der Pause vorn. Das kommt nicht aus dem Nichts, aber doch überraschend.

„In Hamburg in Führung zu gehen, wäre gut, dann ist alles möglich“, meinte Kreuzer bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Nun ist das tatsächlich eingetreten und es scheint, als kehre mit diesem Treffer das oft vermisste Selbstbewusstsein zurück. Natürlich erhöht der HSV jetzt das Risiko, Dynamo kann kontern. Doch Jeremejeff verpasst das Abspiel auf Max Kulke, über Mousa Koné kommt der Ball doch noch zum Youngster, die Schussposition ist jedoch schlechter (drüber - 65.).

Gab es beim 0:0 zur Pause realistische Hoffnung auf mindestens einen Punkt?

Der HSV ist zwar überlegen und gefährlicher, aber Dynamo lässt über weite Strecken keine echten Gelegenheiten zu. Beim leichten Rempler von Brian Hamalainen gegen Harnik gibt Schiedsrichter Marco Fritz zu Recht keinen Elfmeter (17.), wenig später kommt Harnik zum Schuss, aber der geht drüber (19.).

Die Dresdner attackieren offensiv, nach einem klasse Pass von Jannis Nikolaou kommt Baris Atik einen Tick zu spät, prallt mit Heuer Fernandes zusammen und muss ausgewechselt werden. Auf sieben Spieler hatte Cristian Fiel bereits verletzungs- oder krankheitsbedingt verzichten müssen. In der Schlussphase der ersten Halbzeit machen die Hamburger noch mal Dampf, aber Dynamo hat Kevin Broll. Der Torwart pariert den Kopfball von Harnik sicher (40.) und den Schuss von Jeremey Dudziak spektakulär (43.). In beiden Situationen sah die Dresdner Defensive nicht gut aus. Es war also schon etwas Glück dabei, aber das hat ja bekanntlich nur der Tüchtige.

Hamburgs Christoph Moritz (l) und Dresdens Jannik Müller kämpfen um den Ball. 
Hamburgs Christoph Moritz (l) und Dresdens Jannik Müller kämpfen um den Ball.  © Christian Charisius/dpa
Niklas Kreuzer (M) feiert sein Tor zum 1:0 für Dynamo mit seinen Mitspielern.
Niklas Kreuzer (M) feiert sein Tor zum 1:0 für Dynamo mit seinen Mitspielern. © dpa/Christian Charisius
Fans des Hamburger SV reagieren mit ihrer Choreografie vor dem Anpfiff auf die der Dresdner beim letzten Duell.
Fans des Hamburger SV reagieren mit ihrer Choreografie vor dem Anpfiff auf die der Dresdner beim letzten Duell. © Christian Charisius/dpa
Hamburgs Jeremy Dudziak (r) und Dresdens Dzenis Burnic in Aktion.
Hamburgs Jeremy Dudziak (r) und Dresdens Dzenis Burnic in Aktion. © Christian Charisius/dpa
Dresdens Baris Atik wird auf dem Platz behandelt. 
Dresdens Baris Atik wird auf dem Platz behandelt.  © Christian Charisius/dpa
Hamburgs Tim Leibold (r) und Dresdens Baris Atik im Zweikampf um den Ball. 
Hamburgs Tim Leibold (r) und Dresdens Baris Atik im Zweikampf um den Ball.  © Christian Charisius/dpa
Dieter Hecking (l) war einst Trainer in Aachen der Trainer von Cristian Fiel. Jetzt kam es zum Wiedersehen als Kollegen an der Seitenlinie. 
Dieter Hecking (l) war einst Trainer in Aachen der Trainer von Cristian Fiel. Jetzt kam es zum Wiedersehen als Kollegen an der Seitenlinie.  © Christian Charisius/dpa
Hamburgs Adrian Fein und Dresdens Rene Klingenburg (l) in Aktion.
Hamburgs Adrian Fein und Dresdens Rene Klingenburg (l) in Aktion. © Christian Charisius/dpa

Wie hat sich Dynamo beim klaren Favoriten präsentiert?

„Wir haben nicht die Hose voll und warten, dass die 90 Minuten um sind, damit wir wieder nach Hause können“, meinte Fiel vorab. Es ist ähnlich wie im DFB-Pokal bei Hertha BSC in Berlin: Die Gastgeber sind überlegen, haben die erste Chance durch Christoph Moritz bereits nach 31 Sekunden (vorbei). Doch die Dresdner berappeln sich, halten dagegen, wagen sich selbst nach vorn. Kulke stellt Heuer Fernandes mit seinem Schuss aufs kurze Eck vor eine Herausforderung (11.).

Es ist ein erstes Achtungszeichen, dass man hier nicht Verstecken spielen will. Die Devise von Fiel ist sowieso klar. "Wunder hin oder her: Du hast immer die Möglichkeit, 90 Minuten alles dafür zu tun, das Spiel zu gewinnen.“

Wie hat Fiel die Mannschaft ein- und aufgestellt?

Schlaflose Nächte habe er wegen der vielen Ausfälle nicht, erklärte der Chefcoach vorab. „Die müssten wir uns wegen schlimmerer Sachen machen, nicht wegen Fußball.“ Die verfügbaren Kräfte sollten mit Selbstbewusstsein an die Sache gehen. „Das hoffe ich, das erwarte ich auch. Ich stelle mich doch nicht umsonst vor die Jungs und sage, dass im Laufe einer Saison jeder gebraucht wird“, sagte Fiel. Der eine oder andere hätte vor zwei Wochen nicht gedacht, ausgerechnet in Hamburg auflaufen zu dürfen.

Weiterführende Artikel

Wie Dynamo mit dem Nackenschlag umgeht

Wie Dynamo mit dem Nackenschlag umgeht

Das späte 1:2 in Hamburg wird für die Dresdner nun zur Kopfsache. Das Lob des HSV-Trainers hilft dabei wohl kaum.

Was Dynamos Torschütze jetzt fürs nächste Spiel fordert

Was Dynamos Torschütze jetzt fürs nächste Spiel fordert

Niklas Kreuzer hat in Hamburg zum 1:0 getroffen, Dynamo aber verloren. Nach der Partie richtet er den Blick nach vorn. Mit der Einzelkritik zum HSV-Spiel.

Jetzt die Dynamo-Spieler bewerten

Jetzt die Dynamo-Spieler bewerten

Erst gehen die Dresdner in Hamburg in Führung, dann die Niederlage in der Nachspielzeit: Bewerten Sie hier die Leistung der Dynamo-Elf.

Dynamo verliert doch noch

Dynamo verliert doch noch

Niklas Kreuzer bringt die Dresdner in Führung, doch Hamburg schlägt zurück. In der Nachspielzeit trifft Kinsombi zum 2:1 für den großen Favoriten.

Das gilt in jedem Fall für Kulke. Der 19 Jahre alte Defensivmann rückte in die Startelf. Bisher hat er in dieser Saison zusammen 90 Minuten gespielt, ist in Stuttgart (1:3) und Wiesbaden (1:0) jeweils eingewechselt worden. Kurzfristig verzichtete Fiel auf den erfahrenen Chris Löwe. Laut Verein absolviert der 30-Jährige ein Aufbautraining nach Infekt und wurde deshalb für die Partie beim HSV nicht berücksichtigt. So blieben drei Plätze auf der Ersatzbank frei.

Das sagen die Trainer nach dem Spiel

Cristian Fiel, Dynamo Dresden: "Man hat gesehen, was wir uns für dieses Spiel vorgenommen hatten: Wir wollten mutig spielen. Allerdings wussten wir auch gegen wen. Anfangs hatten wir Probleme, haben aber immer wieder offensiv Nadelstiche gesetzt. Dann kommen wir aus der Pause und gehen in Führung. Was für mich wichtig war, dass wir genauso weiterspielen und nicht versuchen, das Ergebnis zu verwalten. Ich glaube, wenn wir den einen oder anderen Angriff besser ausspielen, dass wir vielleicht noch ein Tor schießen können. So ist es dann sehr bitter, wie wir das Spiel verlieren. Was mich ein bisschen ärgert, dass wir den Jungs mit auf den Weg gegeben hatten, dass wir die tiefen Laufwege, durch die der HSV gefährlich wird, mitmachen müssen. Das haben wir ein paar Mal nicht geschafft und so kommen die Tore zustande. Es gibt nichts drumherum zu reden: Das ist eine bittere Niederlage für uns, aber es geht darum, die Köpfe schnell wieder hoch zu nehmen und nächste Woche zu Hause drei Punkte zu holen."

Dieter Hecking, Hamburger SV: "Anfangs hatten wir zwei, drei gute Chancen, sind dann aber nur hinterhergelaufen. Das ist die Qualität von Dynamo, was Cristian (Fiel/d. Red.) seiner Mannschaft implantiert hat, dass sie Fußball spielen will. Das war eine der schwächeren Halbzeiten hier zu Hause. Dann kommst du raus und liegst plötzlich 0:1 hinten. Dann musst du die Qualität haben, das zu verdauen, dich zu schütteln und Wucht aufzubauen. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht, eine Welle nach der anderen aufgebaut. Sie belohnt sich dann mit dem Ausgleich, zum zweiten Tor von Martin Harnik gibt es unterschiedliche Aussagen, aber das ist jetzt egal. Dann macht sie noch ein Tor, das wegen Abseits zu Recht nicht gegeben wird. Dann muss das auch diese Mannschaft erst einmal verarbeiten, aber sie war beseelt davon, dieses Spiel zu gewinnen. Du hattest das Gefühl: Wir kriegen das noch hin heute mit dem 2:1. Es war das erste Mal, dass wir diese Saison ein Spiel gedreht haben. Wenn man ein spätes Tor macht, sagt man, es ist ein glücklicher Sieg, aber er war nicht unverdient."

1 / 2
vergrößern verkleinern

Mehr zum Thema Dynamo