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Dynamo sprintet auf Platz zwei

Aufwand und Ergebnis stehen bei den Dresdnern in einem eklatanten Missverhältnis. Das belegen statistische Daten.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Es ist zum Verzweifeln. „Wir haben alles gegeben“, sagt Romain Bregerie. Und abgesehen von dem unnötigen Eklat um den Elfmeter kann man den Dresdner Dynamos tatsächlich keinen Vorwurf machen. „Wir sind jeder für den anderen da und in einem sehr guten körperlichen Zustand“, sagt der Kapitän, und er fügt hinzu: „Es fehlt nicht viel, immer nur ein bisschen.“ Das 0:0 in Cottbus war das 16. Unentschieden in dieser Saison, es stellt sich also nicht die Frage, ob die Schwarz-Gelben in der zweiten Liga mithalten können. Nur in Fürth (0:4), Karlsruhe (0:3) und Köln (1:3) sowie noch unter Ex-Trainer Peter Pacult gegen Union Berlin (1:3) und den FSV Frankfurt (0:3) haben sie mit mehr als einem Tor Unterschied verloren.

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Aber sie konnten eben von 29 Duellen nur vier gewinnen, so wenige wie kein anderer Klub im deutschen Profi-Fußball. Seit 13 Spielen ist Dynamo sieglos, weil Aufwand und Ergebnis in einem eklatanten Missverhältnis stehen. Das ist nicht nur so ein Gefühl, sondern statistisch zu belegen. Bei allen relevanten Werten liegen die Dresdner auf vorderen Mittelfeldplätzen – aber eben nicht bei denen, die für die Tabelle zählen: Tore und Punkte.

Nur die Minimalisten von Sandhausen (26) und die ebenfalls abstiegsbedrohten Bochumer (25) haben seltener getroffen als die SGD mit 28 Toren. Dabei ist es nicht so, dass sie es nicht probieren würden. Sie schossen oder köpften in zehn der vergangenen 13 Partien jedenfalls öfter Richtung Tor als der Gegner; insgesamt 198-mal. Die magere Ausbeute: zehn Tore. Die fehlende Effizienz ist keine Momentaufnahme, sondern ein grundlegender Mangel. In der gesamten Saison hat es Dynamo 410-mal probiert, was in dieser – allerdings wertlosen Rangliste – Platz sieben bedeutet. Das heißt, rechnerisch brauchen sie rund 40 Versuche, um einen einzigen Treffer zu landen. Ein Indiz für fehlende Durchschlagskraft könnte die Zahl der Fouls sein. Während die Dresdner 471-mal zurückgepfiffen wurden (Platz 6), sind sie nur 415-mal unfair gestoppt worden – nur bei Düsseldorf (396) und Köln (334) langten die Gegner seltener hin.

Die Abschlussschwäche lässt sich nicht nur am kriselnden Sturmduo festmachen, auch wenn Zlatko Dedic (fünf Treffer) und Mickael Poté (zwei) in der Saison 2011/12 mit zusammen 25 Toren beinahe genauso viele erzielt hatten wie jetzt die komplette Mannschaft. Die Torgefahr fehlt in allen Reihen, zum Beispiel Kopfballtreffer von Abwehrspielern nach Eckbällen. 145 hatten die Dresdner bisher – der fünfthöchste Wert in der Liga –, aber nur einer führte direkt zum Erfolg: Amine Aoudia nach Eingabe von Cristian Fiel zur Führung beim FC St. Pauli (1:2). Das war am fünften Spieltag. Aoudia, der wegen eines Kreuzbandrisses diese Saison nicht mehr spielen kann, ist mit sechs Treffern immer noch Dynamos bester Schütze.

Trainer Olaf Janßen lobte auch gegen Cottbus die Kampf- und Laufbereitschaft, und das zu Recht. Schließlich sind die Dresdner mit 115,6 gut viereinhalb Kilometer mehr gelaufen als Energie. Überhaupt stellt die Sportgemeinschaft eines der fleißigsten Teams, das schon 3.349,82 Kilometer geschrubbt hat, nur Greuther Fürth, Karlsruhe, Aue und Köln sind einen Tick laufstärker. Dynamo ist zudem besonders schnell unterwegs. 5.829 Sprints haben die Statistiker gezählt, lediglich bei Fürth (6.095) ging noch öfter die Post ab.

Auch mit der Zahl der geführten Zweikämpfe (3.244; Platz 6) und dem prozentualen Ballbesitz (49,86; Platz 10) verdient sich das Janßen-Team gute Noten. „Wenn du so arbeitest, wenn du so weitermachst, musst du eines Tages belohnt werden“, meint Bregerie, obwohl Dynamo die statistische Überlegenheit bisher wenig genutzt hat. „Das wird kommen. Wir glauben daran.“ Etwas anderes, als es immer wieder zu versuchen, bleibt ihnen auch nicht übrig.

Die Statistik der Sport1-Datenbank unter www.sz-link.de/statistik