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Warum Dynamo der Neustart misslingt

0:2 gegen Stuttgart. Ohne Stimmung von den Rängen bleibt vor allem die Dresdner Offensive harmlos. Die Analyse aus dem Stadion - mit den Stimmen der Trainer.

Dynamo am Boden, hier Patrick Schmidt - zumindest für den Moment. Mit 0:2 verlieren die Dresdner gegen den VfB Stuttgart.
Dynamo am Boden, hier Patrick Schmidt - zumindest für den Moment. Mit 0:2 verlieren die Dresdner gegen den VfB Stuttgart. © dpa/Robert Michael

Dresden. Der Neustart nach der Corona-Zwangspause ist misslungen. Dynamo Dresden verliert am Pfingstsonntag im Rudolf-Harbig-Stadion gegen den VfB Stuttgart mit 0:2 (0:1). 84 Tage nach dem zuvor letzten Spiel, dem Sieg im Sachsenderby gegen Aue, schaffte es die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski nicht, sich offensiv gegen die cleveren Schwaben durchzusetzen.

Wie es zu der Niederlage kam – fünf Fragen und Antworten nach dem Spiel.

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Warum blieb die versuchte Aufholjagd in der zweiten Halbzeit erfolglos?

Die schlichte Antwort: Weil sie gar nicht erst so richtig in Gang kommt. Stuttgart setzt die Dresdner über weite Strecken in ihrer Hälfte fest, ohne selbst zwingend zu sein. In der 60. Minute kann Linus Wahlqvist auf rechts mal flanken, aber selbst der 2,02 Meter große Simon Makienok verfehlt den Ball mit der gestreckten Fußspitze genauso wie später Patrick Schmidt (71.). 

Das Bemühen, Druck aufzubauen, ist zwar erkennbar, aber es fehlt die Wucht, die sonst auch durch die Emotionen von den Rängen entstehen kann. Der anschwellende Lärmpegel, die entschlossene Kulisse werden in Dresden besonders vermisst. So entscheidet der eingewechselte Darko Churlinov mit dem 2:0 für Stuttgart in der 88. Minute das Spiel, nachdem Hamadi Al Ghaddioui in der 18. Minute das 1:0 erzielt hatte.

Das Tor zum 0:1: Hamadi Al Ghaddioui trifft in der 18. Minute mit einem Schuss aus der Drehung.
Das Tor zum 0:1: Hamadi Al Ghaddioui trifft in der 18. Minute mit einem Schuss aus der Drehung. ©  dpa/Robert Michael

Wie kam Dynamo nach der langen Zwangspause ins Spiel?

Es fehlt nicht viel zum perfekten Start. Doch der Winkel zum Tor ist für Godsway Donyoh einen Tick zu spitz, sein Schuss geht vorbei (4.). Von Anfang an ist zu erkennen, dass sich die Dresdner vor dem klaren Favoriten nicht verstecken wollen. Das war die Ansage des Trainers: „Es gilt für uns, Mittel und Wege zu finden, uns zu wehren und zuzupacken, wenn sich eine Außenseiterchance ergibt.“

Es bleibt jedoch zunächst die einzige Gelegenheit, beide Mannschaften haben Mühe, zum Abschluss zu kommen. Allerdings wirkt Dynamo schon vor dem 0:1 defensiv manchmal anfällig. Der Treffer für den VfB durch Al Ghaddioui zählt nach Videobeweis, weil Schmidt das Abseits aufhebt. Der Stürmer kommt dann mit einem Freistoß dem Stuttgarter Tor nahe (31.), seinen zu wenig druckvollen Kopfball pariert VfB-Torwart Gregor Kobel (43.). Ansonsten passiert kaum etwas bis zur Pause und danach noch weniger, auch wenn die Gäste immer etwas gefährlicher wirken. Hier der Liveticker zum Nachlesen.

Wie hat Dynamos Trainer die Mannschaft aufgestellt?

Das Leistungsvermögen könne er aufgrund der langen Pause und kurzen Vorbereitungszeit nicht einschätzen, meinte Markus Kauczinski vorab. Letztlich vertraute er jedoch fast der gleichen Startelf wie am 8. März gegen Aue. Lediglich Chris Löwe rückte für Brian Hamalainen auf der linken Abwehrseite ins Team.

Bis auf eine Änderung setzt Dynamos Trainer Markus Kauczinski auf die Anfangself, die vor 84 Tagen den FC Erzgebirge Aue mit 2:1 besiegte.
Bis auf eine Änderung setzt Dynamos Trainer Markus Kauczinski auf die Anfangself, die vor 84 Tagen den FC Erzgebirge Aue mit 2:1 besiegte. © dpa/Robert Michael

„Neben dem Torwart, der vermutlich am wenigsten Probleme hat, suche ich noch fünf, die in der Lage sind, ein Spiel komplett durchzustehen. Das wird eine Herausforderung“, hatte der Chefcoach gesagt – und verletzungsbedingte Ausfälle verschwiegen, um keine Rückschlüsse auf den Spieler zuzulassen, der nach einem positiven Test auf das Coronavirus weiter zu Hause bleiben musste.

Von den Feldspielern fehlten Marco Hartmann, René Klingenburg, Max Kulke, Baris Atik und Justin Löwe.

Zur Pause verzichtete Kauczinski auf Wechsel, brachte mit Patrick Ebert nach 65 Minuten die erste frische Kraft und für die Schlussviertelstunde das offensive Trio Alexander Jeremejeff, Marco Terrazzino und Niklas Kreuzer. Mit Jannik Müller schöpft er das Wechsel-Kontingent schließlich aus.

Wie war die Atmosphäre im Stadion?

Die Partie wäre mit mehr als 30.000 Zuschauer ausverkauft gewesen, doch aufgrund des von der Politik genehmigten DFL-Corona-Konzepts durften nur rund 300 offiziell Beteiligte dabei sein. Die Ultras hatten die Mannschaft am Abend zuvor mit einer Pyro-Choreografie am Elbufer auf den Re-Start eingestimmt. Vor dem K-Block, wo sonst 9.005 Anhänger für Stimmung sorgen, hing ein Transparent mit der Botschaft in großen Lettern: „Mit Wut im Kopf und klarem Verstand – zerstört ihr Gegner und Verband!“ Die aktive Fanszene hatte den Neustart mit Geisterspielen abgelehnt.

Auf der Anzeigetafel steht: „Die SGD begrüßt euch ...“ Aber es ist keiner da. Die Werbung läuft genauso tonlos über den Bildschirm wie die Aufstellung, auf Musik und Ansagen wird verzichtet. Als die Mannschaften nach der Erwärmung noch mal in die Kabinen gehen, ist nur das monotone Surren der Aggregate zu hören. Auf der Pressetribüne sitzen jene ausgewählten „Geister“ mit Mund-Nasen-Schutz, die den Fiebercheck am Einlass bestanden haben.

In einem Biergarten unweit des Stadions schauen sich Fans das Geisterspiel an.
In einem Biergarten unweit des Stadions schauen sich Fans das Geisterspiel an. © dpa/Jan Woitas

Während des Spiels schallen die Kommandos von Spielern und Trainern durchs Stadion, der Ball ploppt dumpf. Der Rest ist Stille: keine Gesänge, kein Stadionsprecher – nichts. Kauczinski hatte dem Sportpsychologen Oliver Stoll widersprochen, der im Gespräch mit Sächsische.de gesagt hatte, der Einfluss der Fans auf die Spieler werde absolut überschätzt. „Ich weiß, was es für ein Gefühl ist vor 30.000 oder 50.000 Leuten zu spielen und ich weiß auch, wie es ist, vor null Leuten zu spielen“, sagte der 50-Jährige. „Es macht einen riesigen Unterschied, was die Emotionen angeht, den Druck auf dem Platz – das ist noch mal ganz anders.“

Was bedeutet das Ergebnis für Dynamos Lage?

Die Niederlage war vielleicht nicht einkalkuliert, aber man musste damit rechnen angesichts der Umstände. „Wir kommen vom Balkon“, hatte Kauczinski die Ausgangslage für sein Team nach 14 Tagen häuslicher Quarantäne und einer Woche Vorbereitung beschrieben. Als Tabellenletzter hat Dynamo nun sechs Punkte Rückstand auf den Relegations- und acht auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Bei drei ausstehenden Nachholspielen könnten sie zumindest rechnerisch neun Zähler aufholen.

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Kauczinski rechnet anders: „Wir müssen vier Spiele gewinnen, dazu ein, zwei Unentschieden. Es spielt aber keine Rolle, ob es die ersten sind. Dann müssen wir eben die letzten gewinnen. Wir werden darum kämpfen, drin zu bleiben.“ Am Mittwoch geht es schon weiter, das erste Nachholspiel steht an. Um 18.30 Uhr beginnt die Partie bei Hannover 96.

Die Größenunterschiede der Trainer entsprechen in etwa auch der individuellen Qualität beider Mannschaften. Stuttgart mit Pellegrino Matarazzo ist Dynamo und Markus Kauczinski deutlich überlegen.
Die Größenunterschiede der Trainer entsprechen in etwa auch der individuellen Qualität beider Mannschaften. Stuttgart mit Pellegrino Matarazzo ist Dynamo und Markus Kauczinski deutlich überlegen. ©  dpa/Robert Michael

Das sagen die Trainer nach dem Spiel

Markus Kauczinski (Dynamo): "Ich glaube, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben. Es war uns klar, dass der VfB Stuttgart mehr am Ball ist und mehr Spielkontrolle hat. Wir hatten trotzdem schon in der ersten Halbzeit gute Möglichkeiten gerade über die linke Seite mit Godsway (Donyoh/d. Red.), ein, zwei, die man besser ausspielen kann. Das Tor fällt mir zu leicht. Wir hatten aber auch in der zweiten Halbzeit gefährliche Aktionen, die größte Möglichkeit durch Simon (Makienok/d. Red.), als er knapp am Ball vorbeirutscht. Das sind die Momente, die du in so einem Spiel nutzen musst. Dann hätten wir ein Unentschieden holen können, erst mit dem 0:2 war der Bann gebrochen."

Pellegrino Matarazzo (Stuttgart): "Ein großes Kompliment an den gegnerischen Trainer und die Dresdner Mannschaft. Sie haben unfassbar leidenschaftlich gespielt. Man hat nicht erwartet, dass sie nach so einer Situation so geschlossen und mit so viel Energie auf dem Platz stehen können. Wir sind gut ins Spiel rein gekommen, haben verdient 1:0 geführt. Danach sind wir leider in einen Verwaltungsmodus verfallen, hatten auch die eine oder andere gefährliche Möglichkeit gegen uns. Zum Schluss ist es wichtig, solche Spiele auch dreckig zu gewinnen. Es war sicherlich nicht unsere beste Leistung, aber am Ende zählen die drei Punkte."

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