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Dynamo ohne Minge? Der Trainer reagiert mit Lobrede

Die Meldungen, dass der Sportchef den Verein wohl verlassen wird, haben auch die Mannschaft erreicht. Markus Kauczinski will das nicht einfach so hinnehmen.

Die Lage ist ernst, die Mienen sind es auch. Nun hat sich Trainer Markus Kauczinski (links) zur ungeklärten Vertragssituation von Sportchef Ralf Minge (rechts) geäußert.
Die Lage ist ernst, die Mienen sind es auch. Nun hat sich Trainer Markus Kauczinski (links) zur ungeklärten Vertragssituation von Sportchef Ralf Minge (rechts) geäußert. ©  Foto: Rene Meinig

Dresden. Die Frage kommt ganz zum Schluss, als Dynamos Trainer Markus Kauczinski alles Sportliche hin- und hergewendet hat. Wie die Mannschaft vorbereitet ist, welche Chancen er im Kampf um den Klassenerhalt sieht, wer sich wie fit fühlt. Schließlich geht es am Sonntag für Dynamo Dresden wieder los in der 2. Fußball-Bundesliga. Das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart steht an, und als wäre die Aufgabe für den Tabellenletzten nicht schon schwierig genug, rumort es nun intern mehr denn je.

Vereinsikone Ralf Minge steht vor dem Abschied. Sein Vertrag als Sportgeschäftsführer läuft zum 30. Juni aus, das ist lange bekannt. In dieser Woche wurden jedoch die unterschiedlichen Auffassungen über Minges Perspektive bei Dynamo öffentlich. 

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Der 59-Jährige selbst hat signalisiert, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen, aber noch bis zum Jahresende zur Verfügung zu stehen, um die Krisen dieser Zeit zu meistern, Stichwort Corona-Konsequenzen, drohender Abstieg, möglicher Neuaufbau. Der Aufsichtsrat ist prinzipiell auch dafür, will Minge aber lediglich bis September weiter beschäftigen - damit der Sportchef seinen Nachfolger einarbeiten kann. Das ist in aller Kürze zusammengefasst der Stand der Dinge.

"Ralf ist für mich absoluter Ansprechpartner"

Kauczinski hat die Schlagzeilen, die mittlerweile auch deutschlandweit über die Agenturen laufen, registriert - trotz aller Konzentration aufs Sportliche verbunden mit der Fülle an Aufgaben, eine Mannschaft nach 14-tägiger häuslicher Quarantäne binnen einer Woche spielbereit zu bekommen. Was aber sagt er dazu? Ist das ein Thema in der Mannschaft, stört es vielleicht sogar den Neustart am Sonntag? Und was heißt das für Kauczinski selbst, wenn sein direkter Vorgesetzter demnächst ein anderer ist?

"Das sind aber viele Fragen in einer Frage", entfährt es Kauczinski, der natürlich mit dem Thema gerechnet hat. Zu lange ist er im Geschäft. Dann holt er tief Luft, versucht noch einmal zu betonen, dass sein Fokus voll auf der Mannschaft liege, und setzt dann zur Lobrede an. Auf keine andere Frage antwortet er ausführlicher. "Natürlich habe ich das mitbekommen. Und man weiß ja, dass der Vertrag ausläuft und nicht verlängert ist. Das ist mir ja nicht neu. Ansonsten ist Ralf für uns, für die Mannschaft, für mich absoluter Ansprechpartner. Er ist die Vertrauensperson im Verein, und auch in der Verbindung nach draußen ist er das Gesicht von Dynamo Dresden."

Für den Aufsichtsrat macht es das jetzt nicht leichter. Der Verdacht liegt schließlich nahe, das Kontrollgremium allein wolle nicht mehr. Doch so eindeutig ist die Sachlage nicht. Auch Minge zweifelt, ob er weitermachen will und kann.

Mehr Fragen als Antworten, und das in vielen Bereichen

Für den Trainer steht das erst einmal nicht zur Diskussion. "Er ist derjenige, der alles zusammenhält und der immer für uns da ist. Deshalb hoffe ich natürlich, dass sich die Dinge auflösen", sagt Kauczinski und meint damit die Meinungsverschiedenheiten, nicht Verträge. Es seien zwei Parteien, die sich gegenüberstehen, aber eben auch erwachsene Menschen. Als Angestellter des Vereins wählt der Trainer nun jedes Wort mit Bedacht. "Dann wird man sehen, welcher Weg beschritten wird", so Kauczinski.

Kauczinskis Arbeit ändert die ungeklärte Personalie jedoch vorerst nichts, auch nicht im Hinblick auf die nächste Saison. Sein Vertrag gilt bis 2021 - und auch für die 3. Liga. "Ich weiß, das Ralf, egal, wie es jetzt weiter geht, voll in den Planungen steht. Wir müssen natürlich planen, auch wenn es jetzt viele Fragezeichen gibt. Welche Liga spielen wir, wie sieht es mit dem Budget aus. Da gibt es mehr Fragen als Antworten, und auch Fragen, die Ralf nicht beantworten kann. Wir sind da offen und ehrlich", meint Kauczinski.

Er frage trotzdem nicht ständig nach. Minge halte die Fäden in den Händen. "Er ist alt, er ist erwachsen", meint Kauczinski, um sich selbst zu korrigieren. "Er ist sehr erfahren, wenn es darum geht, auch seine eigene Meinung zu vertreten in Gesprächen mit dem Aufsichtsrat", betont Kauczinski und schließt mit einer Laudatio: "Ich kann nur sagen, dass es eine super Zusammenarbeit ist und dass er eine große Stütze ist für uns alle. Dass er auch mir das nötige Vertrauen und den Rückhalt gibt, hier eine gute Arbeit zu leisten."

"Ralf Minge - unantastbar" - wie lange gilt das noch?

Plakate der Ultras wie zuletzt im September 2018, als die einflussreiche aktive Fanszene sich zu internen Querelen mit der Botschaft "Ralf Minge - unantastbar" positionierte und damit für den Rücktritt von zwei Aufsichtsräten sowie dem damaligen Dynamo-Präsidenten Andreas Ritter sorgte, wird es diesmal nicht geben können. Die Partie am Sonntag, 13.30 Uhr, gegen den VfB Stuttgart findet bekanntlich ohne Zuschauer statt. 

Die Meinung von Ex-Ultras-Anführer Stefan Lehmann, die auch im Internet kursiert, aber steht für sich: "Wenn wir tatsächlich ,Im Herzen vereint' sind, dann nur mit ihm - egal , in welcher Position", schreibt Lehmann. Dass Minge Fehler gemacht habe, klar. "Aber wer nicht? Ich kenne keinen, der diesen Verein mehr im Herzen trägt."

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Sächsische.de berichtet vom Spiel gegen Stuttgart aktuell hier im Liveticker.

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