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Dynamos Talentquelle sprudelt wie in besten Zeiten

Früher waren die Dresdner berühmt für ihre gute Nachwuchsarbeit, jetzt knüpfen sie daran an. Kevin Ehlers schafft aus der Dynamo-Jugend den Sprung in die Startelf.

Cheftrainer Cristian Fiel gratuliert Kevin Ehlers zum Debüt.
Cheftrainer Cristian Fiel gratuliert Kevin Ehlers zum Debüt. © PICTURE POINT

Vom Alter her könnte er sein Sohn sein. Cristian Fiel ist 39, Kevin Ehlers 18. Liebevoll legt der Trainer das Gesicht des Spielers in seine Hände, gratuliert ihm zu einem Zweitliga-Debüt, das ohne Übertreibung außergewöhnlich war. Schließlich ist das Abwehrtalent erst im Sommer aus dem eigenen Nachwuchs zu Dynamos Profi-Kader aufgerückt. Man dürfe nicht vergessen, dass er bisher A-Jugend gespielt habe, hatte Fiel deshalb im Trainingslager versucht, die Erwartungen an den Jungen herunter zu schrauben.

Doch schon in den Tests zeigte Ehlers keine Anpassungsschwierigkeiten, genauso selbstbewusst und abgeklärt trat er nun auch in seinem ersten Punktspiel bei den Männern auf – und das im Abwehrzentrum gegen erstligaerfahrene Angreifer. Er selbst soll danach nichts sagen, dafür schwärmen andere über die Leistung des jüngsten Spielers in Dynamos Startelf, Kapitän Niklas Kreuzer nennt es „ganz großes Kino für sein Alter“. Und auch Fiel ist sichtlich zufrieden mit dem Einstand von Ehlers, den er bereits in der U17 trainiert hat. „Er hat Herz, spielt mit Leidenschaft“, sagt der Chefcoach über Dynamos nächste Entdeckung – oder besser: Entwicklung.

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Ehlers ist der nächste Jugendspieler, der den Sprung geschafft hat – wie vor ihm seit 2013 Marvin Stefaniak, Niklas und Marius Hauptmann, Markus Schubert, Osman Atilgan sowie Justin Löwe. Zudem gehören Max Kulke und Vasil Kusej zum aktuellen Aufgebot. Diese Quote erinnert an Dynamos beste Zeiten, als die Dresdner Fußballschule in jedem Jahrgang ein, zwei Top-Talente hervorbrachte. „Das ist traditionell schon immer unser Weg gewesen“, sagt Ralf Minge, der deshalb dieses Thema mit seiner Rückkehr als Sportgeschäftsführer im Frühjahr 2014 zur Chefsache erklärt hatte. Noch in der Saison davor hatte Dynamo den damaligen Co-Trainer Nico Däbritz als „Local Player“ gemeldet.

Ins kalte Wasser geworfen? Im Trainingslager sitzt Kevin Ehlers (l.) mit Osman Atilgan in einem Eisbach. Der 18-Jährige ist Dynamos nächstes großes Talent.
Ins kalte Wasser geworfen? Im Trainingslager sitzt Kevin Ehlers (l.) mit Osman Atilgan in einem Eisbach. Der 18-Jährige ist Dynamos nächstes großes Talent. © Lutz Hentschel

Als solcher gelten Spieler, die im Alter zwischen 15 und 21 mindestens drei Jahre im Verein ausgebildet worden sind – vier muss jeder Zweitligist mit einem Vertrag ausstatten. Bei Dynamo sind es derzeit sogar fünf. „Wir werden nie mehr dahin kommen, mit einer Bezirksauswahl Europapokal zu spielen“, meint Minge, „aber uns eine Quote von 20 bis 25 Prozent an Spielern aus dem Nachwuchs zum Ziel zu setzen, sollte unser Anspruch sein.“

Deshalb investiert der Verein in die Zukunft. Die infrastrukturellen Bedingungen in der Nachwuchsakademie wurden und werden sukzessive verbessert, unter anderem mit zusätzlichen Internatsplätzen und einem 2016 eingeweihten neuen Rasenplatz. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, betont Minge. Zudem gibt es deutlich mehr hauptamtlichen Stellen: zwölf für den sportlichen, siebeneinhalb für den organisatorischen Bereich. „Wir geben annähernd doppelt so viel für die Nachwuchsförderung aus wie vor fünf Jahren“, erklärt Minge, ohne die Summe zu verraten.

Dynamo ist wieder zu einer guten Adresse in puncto Nachwuchsförderung geworden. Früher wurden die Talente der Region an die Kinder- und Jugendsportschule delegiert wie Ulf Kirsten aus Riesa oder Jens Jeremies aus Görlitz. Jetzt gehen Scouts auf Entdeckertour. So hat Thomas Henning einen großen Anteil daran, dass sich Ehlers vor gut zwei Jahren für Dresden entschieden hat. Er wollte erstklassig weiterspielen, nachdem die Jugend des FC Hansa Rostock aus der Bundesliga abgestiegen war.

Im Trainingslager in Längenfeld reinigt Kevin Ehlers nach den Übungseinheiten seine Schuhe.
Im Trainingslager in Längenfeld reinigt Kevin Ehlers nach den Übungseinheiten seine Schuhe. © Lutz Hentschel

„Es waren auch andere Vereine im Ring, aber wir sind drangeblieben, haben das komplette Register gezogen, ihm eine Perspektive aufgezeigt“, sagt Minge. Die war letztlich überzeugend. „Man macht sich natürlich seine Gedanken“, erklärte Ehlers jetzt bei der Saisoneröffnung im Stadion. „Es schürt den Ehrgeiz, wenn man sieht, das andere vor mir durchgekommen sind.“ Im Januar 2018 durfte er als 16-Jähriger zum ersten Mal mit den Profis ins Trainingslager, im April unterschrieb er nun einen bis 2023 gültigen Vertrag. Und obwohl er noch in der U19 spielen dürfte, war Ehlers für diese Saison von vornherein fest eingeplant für die zweite Liga.

„Eine Talentprognose lässt sich nicht so einfach abgeben, aber bei Kevin haben wir sowohl sportlich als auch charakterlich eine Menge gesehen“, sagt Minge. Und Fiel meint: „Das Besondere an ihm ist, dass er nicht besonders sein will.“ Seine Begabung erklärt Ehlers selbst damit, gute „gute Gene mitbekommen“ zu haben. „Alles andere als Sport wäre schwierig geworden.“ Sein Vater Uwe Ehlers hat unter anderem bei Hansa in der Bundesliga gespielt und ist dort jetzt Co-Trainer, seine Mutter Silvana war Handballerin.

Minge: Ein selbstständiger Junge

Kevin Ehlers hat sein Abitur am Sportgymnasium abgeschlossen und verzichtet für den Einstieg bei den Profis zunächst auf eine klassische Ausbildung, prüft aber, was parallel möglich sein könnte. Der Verein hatte angeboten, ihm beim Umzug vom Internat in eine eigene Wohnung zu unterstützen, aber das hat er alleine hinbekommen. „Er ist ein sehr selbstständiger Junge“, sagt Minge, „und weiß genau, was er will.“ Statt mit der Klasse auf Abschlussfahrt zu gehen, ist Ehlers im Sommer mit der Mannschaft ins Trainingslager gefahren. Er wolle „so viel wie möglich Spielzeit sammeln“, formuliert er sein persönliches Saisonziel.

Die ersten 90 Minuten hat er absolviert und die Komplimente schon vorher relativiert. „Die nehme ich gerne auf, aber man muss sie auch auf dem Platz bestätigen“. Das ist es, was ihm Fiel vielleicht mit dieser herzlichen Geste im Kabinengang sagen wollte. „Ich freue mich für den Jungen“, meint der Trainer, „aber er ist noch jung, muss weiter hart arbeiten. Es ist manchmal leichter, reinzukommen als drin zu bleiben.“ Bei Ehlers mache er sich aber keine Sorgen, „weil er gerne lernt, gerne arbeitet“. Reden muss er darüber nicht.

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