Dresden. Das ist außergewöhnlich. Dynamos neues Trainingszentrum sowieso. Seit Jahrzehnten ist der Verein geduldeter Gast im Großen Garten, doch nun naht der Umzug.
Im Mai nächsten Jahres wird das neue Gelände im Sportpark Ostra in Betrieb genommen, am Freitag feierten die Bauarbeiter das Richtfest, am Samstag konnten sich Mitglieder bei einem Tag der offenen Tür bereits ein Bild machen. Und dabei konnte Ralf Weber, Geschäftsführer des Bauherrn DGI, eine erfreuliche Nachricht verkünden: Die Arbeiten liegen nicht nur im Zeit-, sondern auch im Kostenplan.
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19,5 Millionen Euro waren zuletzt für das Projekt veranschlagt worden, Stand jetzt käme es bei etwa 19,3 Millionen raus. Der Rohbau ist zum Beispiel rund 70.000 Euro unter dem Kostenvoranschlag geblieben. "Wir profitieren dabei wie erhofft vom Dynamo-Faktor", sagt Weber - und erklärt, was er damit meint: "Viele der beteiligten Baufirmen sind dem Verein sehr verbunden, einige auch Sponsor, viele Arbeiter gehen als Fans ins Stadion. Jeder ist mit Spaß bei der Sache." Er schließt dabei alle 112 Vertragspartner ein.

Es ist tatsächlich erstaunlich, wie schnell und - was die öffentliche Wahrnehmung betrifft - geräuschlos der Bau vorangeht. Erst im März wurde der Grundstein gelegt, jetzt ist der Hochbau des Funktionsgebäudes abgeschlossen, das Dach mit verschweißten Bitumenbahnen abgedichtet. Jetzt beginnt der Innenausbau. Die drei Trainingsplätze, zwei Natur- und ein Kunstrasen, sind angelegt.
In der nächsten Woche wird der erste Rasen gesät. "Uns geht das Herz auf. Das ist eine Sternstunde in unserer Vereinsgeschichte", sagte Präsident Holger Scholze zur Begrüßung der Mitglieder. "Was hier geschieht, ist die Voraussetzung dafür, dass der Verein konkurrenzfähig bleibt und sich weiter entwickeln kann. Wir haben einen Traum und kommen damit der Realisierung vielleicht einen kleinen Schritt näher."

Vom Europapokal ist Dynamo derzeit weit entfernt, aber das künftige Trainingsgelände für die modernen Anforderungen des Profi-Fußballs ausgestattet. Außer den drei Plätzen mit dem Normmaß 105 mal 68 Meter werden ein kleinerer Rasen sowie Bereiche für Reha- und Athletiktraining angelegt.
Im Kraftraum kann auf gut 100 Quadratmetern an Geräten oder auf einer Sprintstrecke gepowert werden, auch die gute alte Sprossenwand ist von den Fitnesscoaches wieder entdeckt worden. Nach dem Training können die Spieler im Entmüdungsbereich auch eine Sauna nutzen. Die Physiotherapeuten bekommen ordentlich Raum für ihre Arbeit, der Platz für eine Kältekammer wird zumindest vorgehalten.

Es gibt eine Küche, in der vorerst nur Essen ausgegeben wird, die aber nachträglich fürs Kochen ausgerüstet werden kann. Außerdem entstehen sechs Hotel-Zimmer, in denen Spieler zum Beispiel zwischen zwei Trainingseinheiten für sich sein und Ruhe finden können. Andere nutzen die freie Zeit möglicherweise in der Players Lounge, die spätestens seit Jürgen Klinsmann als Bundestrainer und dem "Sommermärchen" 2006 als wichtiger Treffpunkt gilt.
Wem das jetzt zu sehr nach Erholung klingt: Direkt hinter den Trainingsplätzen wird noch ein "Multifunktionshügel" entstehen: zwei Sprintstrecken mit sieben und zwölf Grad Steigung sowie Treppen in unterschiedlicher Höhe. Dazu wird es einen Turn-Parcour mit Geräten ähnlich wie an einem Trimm-dich-Pfad geben. Die Anlage, die der auf dem Campus des FC Bayern in München nachempfunden worden ist, wird mit Kunstrasen belegt. "Sie bietet die Möglichkeit, nicht immer in die Mucki-Bude gehen zu müssen, sondern auch draußen Kraft trainieren zu können", sagt Sven Hartmann. Der 34-Jährige ist Technischer Leiter des Trainingszentrums.

Er verrät auch, dass der Cheftrainer ein eignes Zimmer bekommt. "Zumindest auf dem Papier. Ob er es allein nutzt oder vielleicht seinen Co-Trainer mit rein nimmt, bleibt ihm natürlich überlassen", meint Hartmann. Die Büros sind alle bereits zugeordnet. Auch Sportgeschäftsführer Ralf Minge und die Medienabteilung werden hier arbeiten. Außerdem ziehen die Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Jan Seifert und Christian Knoll, mit um.
Dafür entfällt die ursprünglich geplante Hausmeister-Wohnung. "Wir denken, dass diese generelle Betreuung des Objektes nicht mehr zeitgemäß ist, vieles wird inzwischen über Aps gestauert", erklärt Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Zudem zieht der Nachwuchs von der U16 bis zur U19 mit in das neue Trainingszentrum. Darin sieht Präsident Scholze ein großes Plus. "Wir rücken hier alle viel enger zusammen. Die Jungs können sich die Profis zum Vorbild nehmen, mit ihnen auch mal abklatschen. Und sie sehen in dieser Saison bereits wieder an Kevin Ehlers, dass sie es nach oben schaffen können. Das motiviert."
