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Wird Ex-Dynamo Schubert jetzt die Nummer eins?

In der U21-Auswahl könnte der Torwart schon schaffen, was auf Schalke sein Ziel ist: Nachfolger von Nübel werden. Wie seine Chancen stehen, sagt Trainer Kuntz.

Torwart Markus Schubert (l.) holt sich den Ball gegen den Griechen Anargyros Kampetsis.
Torwart Markus Schubert (l.) holt sich den Ball gegen den Griechen Anargyros Kampetsis. © www.imago-images.de

Mit seinem "Heimspiel" war Markus Schubert durchaus zufrieden. "Ja, es war ganz gut", meinte der Torwart nach seinem Debüt für die deutsche U21-Nationalmannschaft. Beim 2:0 gegen Griechenland in Zwickau stand er in der ersten Halbzeit zwischen den Pfosten, in der zweiten Lennart Grill vom 1. FC Kaiserslautern. "Wir müssen uns als Team erst finden, deshalb hat uns der Sieg gut getan. Zudem zu null, was uns Torhütern besonders wichtig ist", meinte Schubert nach dem gelungenen Auftakt für die nach dem Jahrgangswechsel neu formierte Mannschaft.

Der 21-Jährige ist einer von nur vier Spielern im aktuellen Aufgebot, die bereits bei der EM im Sommer dabei waren. Deshalb darf er sich gute Chancen ausrechnen, in der Nachwuchsauswahl die Nummer eins zu werden. "Ich habe meine Erfahrungen gesammelt bei der EM, war vorher bei zwei, drei Lehrgängen dabei", sagt der Ex-Dynamo, der nun bei Schalke 04 unter Vertrag steht. "Aber ob ich jetzt die Nase vorn habe oder nicht, interessiert mich nicht, am Ende will ich auf dem Platz stehen."

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Stefan Kuntz hat sich zumindest öffentlich noch nicht festgelegt, wer zum Start in die EM-Qualifikation am Dienstag in Wrexham gegen Wales den Platz zwischen den Pfosten einnehmen soll. Der Chefcoach holt sich dafür auch den Rat des Torwart-Trainers. "Das bespreche ich mit Klaus Thomforde", kündigt Kuntz an, aber: "Markus hat sicherlich einen kleinen Vorteil, weil er schon bei der EM dabei war."

Das war schließlich der Plan hinter der Nominierung von Schubert für das Turnier. Er sollte Erfahrungen sammeln, um in der U21 die Nachfolge von Alexander Nübel anzutreten, dem er auch auf Schalke den Stammplatz streitig machen möchte. In diese Position gebracht hat er sich vor allem durch seine Leistungen bei Dynamo in der vorigen Saison, als er den kleinen Bonus, den er als Talent aus der eigenen Jugend zweifellos hatte, mehr und mehr rechtfertigte.

2011 wechselt Schubert als talentierter Torwart von Stahl Riesa zu Dynamo, und es ist kein Gerücht, dass er fortan in schwarz-gelber Bettwäsche schläft.  "Im Internat haben wir die bekommen", erzählte er in einem früheren Gespräch. Doch anfangs läuft es nicht so, wie er es sich erhofft hatte, was vor allem an ihm selbst liegt. "Ich war total schlecht", meinte er rückblickend. 

Er soll Dynamo sogar schon verlassen. Der ehemalige Nachwuchsleiter Marcus Jahn hat ihm das gerade signalisiert, als Schubert überraschend für die Sachsenauswahl nominiert wird. Beim Länderpokal in Duisburg bestreitet er drei von vier Spielen und steht fortan beim DFB auf dem Zettel. Danach darf er doch in Dresden bleiben - zunächst für ein halbes Jahr auf Probe.

Es ist der Punkt, an dem seine Entwicklung bei Dynamo den entscheidenden Schub bekommt. Mit 17 fährt er das erste Mal mit ins Trainingslager, rückt als dritter Torwart zu den Profis auf und gibt am 28. November 2015 beim 0:0 gegen Preußen Münster sein Debüt in der 3. Liga. In der Vorsaison erfüllt er seinen gemeinsam mit Sportgeschäftsführer Ralf Minge entwickelten Karriereplan, ist Stammtorhüter in der 2. Bundesliga.

Dann das bittere Ende. Als er die Verlängerung seines Vertrages bei den Schwarz-Gelben platzen lässt, reagieren erst die Fans mit Liebesentzug und Schmähungen, dann nimmt ihn Trainer Cristian Fiel aus dem Tor. "Ich habe gesagt, dass ich auf jeden Fall spielen will und bereit dazu bin. Aber ich konnte mich ja nicht selbst aufstellen", erzählte er jetzt im Gespräch mit sächsische.de

Auf Schalke hinter Nübel

Der der in Freiberg geborene Schlussmann ist überzeugt, mit dem Wechsel zu Schalke den richtigen Schritt getan zu haben, obwohl er dort wie zuletzt bei der U21 auf der Bank sitzt - während Nübel spielt. Zu Saisonbeginn fehlte Schubert wegen Problemen im Hüftbeuger, gegen Bayern München (0:3) und Hertha BSC (3:0) war er als Ersatzmann dabei.

Bei der U21 könnte er dagegen nun bereits der Nachfolger von Nübel werden. "Ich bin der Einzige, der mir Druck macht", sagt er zu seinen Chancen und meint: "Ich kenne das vom DFB, dass man sich nicht auf einen Torhüter festlegt. Wir haben viele gute Torhüter, nicht nur wir drei, die jetzt dabei sind. Es gibt noch vier, fünf andere wie in den vergangenen Jahren auch." Doch inzwischen ist er selbstbewusst genug, um hinzuzufügen: "Trotzdem will ich natürlich spielen."

Sein schärfster Konkurrent ist derzeit Lennart Grill, der in Kaiserslautern seit der Rückrunde der vorigen Saison Stammkeeper in der 3. Liga ist. Er spielte in Zwickau in der zweiten Halbzeit, vertändelte einmal den Ball, was folgenlos blieb, und konnte kurz vor Schluss mit einer Flug-Einlage auf sich aufmerksam machen. "Lennart konnte sich mit dem Fuß auszeichnen, bei einer Chance war er auf dem Posten", urteilt Kuntz. Dritter Mann im Bunde ist Eike Bansen, der bei Borussia Dortmund ausgebildet worden ist und derzeit beim belgischen Erstligisten Zulte Waregem aktiv ist.

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"Das entscheiden wir in Ruhe", meint Kuntz zur Torwart-Frage - und will dann noch etwas loswerden: "Was mir am Herzen liegt, dass wir mit viel Liebe empfangen worden sind, auch die Trainingsplätze sehr gut hergerichtet waren. Es war ganz toll hier in Zwickau, in Sachsen."

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