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Fünf wichtige Erkenntnisse nach Dynamos Abstieg

Der Verein muss gleichzeitig den Absturz aufarbeiten und den Neuanfang in der 3. Liga planen. Dabei ist die wichtigste Personalfrage noch nicht mal geklärt.

Applaudierendes Spalier: Rund 100 Fans empfingen die Mannschaft am Sonntagabend am Flughafen in Dresden.
Applaudierendes Spalier: Rund 100 Fans empfingen die Mannschaft am Sonntagabend am Flughafen in Dresden. © dpa/Robert Michael

Dresden. Als der Charterflug MHV1953 am Sonntagabend kurz nach 20 Uhr, zur besten Tatort-Zeit also, in Dresden-Klotzsche landete, war der Krimi von Sandhausen längst gelöst. Dynamo gewann zwar durch ein Tor kurz vor dem Schlusspfiff mit 1:0, steigt aber trotzdem in die 3. Liga ab. Am Flughafen warteten rund 100 Anhänger, um die Mannschaften aufzumuntern.

Der Applaus tat sicher gut, an den Fakten ändert er aber nichts. Spätestens jetzt kann Dynamo mit den Planungen für die 3. Liga beginnen, die Ursachenforschung sollte schon längst im Gange sein. Sächsische.de beantwortet am Tag danach die fünf wichtigsten Fragen rund um den Abstieg.

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Gibt es eine Chance, den Abstieg doch noch zu verhindern?

Auf die Frage eines Sky-Reporters, ob er noch an den Klassenerhalt glaube, antwortete Kauczinski: „Wollen Sie einen Witz machen? Verarschen Sie mich, oder was?“ Für ihn ist es „einfach unrealistisch“, drei Punkte und 14 Tore Rückstand auf den Relegationsplatz noch aufzuholen. 

Flug MHV1953 kurz vor der Landung. Seicht setzt die Maschine in Dresden-Klotzsche auf, für den Verein wird der Aufprall in der 3. Liga härter sein.
Flug MHV1953 kurz vor der Landung. Seicht setzt die Maschine in Dresden-Klotzsche auf, für den Verein wird der Aufprall in der 3. Liga härter sein. © dpa/Robert Michael

Klappen kann es nur noch vor Gericht, der Verein prüft gerade juristische Schritte. Aber auch da stehen die Chancen schlecht, selbst wenn die Nachteile durch den um zwei Wochen verspäteten Trainingsstart und die drei Nachholspiele offensichtlich sind. Die Fortsetzung der Saison während einer Pandemie ist eine absolute Ausnahmesituation – und darunter fällt auch der straffe Spielplan der Schwarz-Gelben.

Was sind die Gründe für den Absturz nach vier Jahren in der 2. Liga?

Da gibt es nicht nur einen, und die komplette Analyse wird dauern. Marco Hartmann, der in Sandhausen nach acht Monaten das erste Mal wieder in der Startelf stand und das einzige Tor erzielte, warnte dringend davor, den Abstieg allein auf die zweiwöchige Corona-Quarantäne und dem daraus resultierenden Wettbewerbsnachteil zu schieben. „Man muss ganz, ganz doll aufpassen, dass man intern nichts beschönigt“, erklärte er und nannte die aus seiner Sicht zwei wichtigsten Gründe.

„Wir haben es in den letzten zweieinhalb Jahren auf dem Spielfeld nicht geschafft, wirklich eine Mannschaft zu sein.“ Da hätten sich immer wieder „Leute rausgenommen, Dinge umzusetzen, die gefordert waren“. Man habe das intern angesprochen und „trotzdem nicht geklärt gekriegt“. Anders formuliert heißt das wohl, dass einige Profis nicht das gemacht haben, was der Trainer verlangte. Aber warum? Selbstüberschätzung? Disziplinlosigkeit? Oder weil sie vom jeweiligen System nicht überzeugt waren? Hartmann glaubt, dass der letzte Punkt zutrifft.

Der zweite Punkt: Dynamo habe es in den zweieinhalb Jahren nicht geschafft, „eine eigene Idee vom Fußball zu entwickeln. Das war mal Hau-Ruck, mal Tiki-Taka – und im Endeffekt war alles erfolglos, weil nicht alle daran geglaubt haben“, sagte er. In dem vom Ex-Kapitän genannten Zeitraum arbeiteten mit Uwe Neuhaus, Maik Walpurgis, Cristian Fiel und Markus Kauczinski vier Cheftrainer bei Dynamo.

Marco Hartmann macht sich seine Gedanken über die Zukunft, und er redet Klartext, was zuletzt bei Dynamo schiefgelaufen ist.
Marco Hartmann macht sich seine Gedanken über die Zukunft, und er redet Klartext, was zuletzt bei Dynamo schiefgelaufen ist. © dpa/Uwe Anspach

In die am Sonntag zu Ende gehende Saison war Fiel mit seiner Philosophie vom Kurzpass-Fußball gestartet, die Hartmann als Tiki-Taka bezeichnet. Als Fiel im Dezember gehen musste, standen die Schwarz-Gelben auf dem letzten Tabellenplatz. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert. „Man hat in den vergangenen Jahren viele Strukturen und Hierarchien durcheinander geworfen“, kritisiert Hartmann. Es fehlte die Konstanz – auf und neben dem Platz.

Kann sich Dynamo den Abstieg finanziell überhaupt leisten?

Eindeutig ja. Auf dem Festgeldkonto des Vereins liegen laut Born derzeit zehn Millionen Euro. Für einen Drittligisten ist das unglaublich viel. Allerdings wird auch Dynamo sparen müssen – zuerst bei den Spielergehältern. Allein acht Millionen Euro weniger bekommt der Verein aus den TV-Verträgen. Sollten auch in der neuen Saison dauerhaft keine Zuschauer ins Stadion dürfen, würde es die Dresdner besonders hart treffen. In der 3. Liga machen die Zuschauereinnahmen einen viel größeren Anteil am Etat aus als in der 2. Bundesliga. Möglich ist deshalb, dass es zu Entlassungen auf der Geschäftsstelle und im Nachwuchsbereich kommt.

Wie groß ist der Umbruch nach dem sportlichen Absturz?

Jeder Abstieg ist eine Art Neuanfang. Bei Dynamo kommt erschwerend hinzu, dass mit Ralf Minge beim Heimspiel am Sonntag nicht nur der Sportdirektor abtritt, sondern eine Identifikationsfigur. Und das auch noch mit Nebengeräuschen, weil er bis zum Jahresende weitermachen wollte, aber nicht durfte. Seine Rolle komplett zu füllen, ist unmöglich. Der Nachfolger, Favorit ist immer noch der zuletzt beim Hamburger SV angestellte Ralf Becker, müsste aber so schnell wie möglich anfangen, eine Entscheidung sollte der Aufsichtsrat am besten noch diese Woche treffen.

Trainer Marco Kauczinski hat einen Vertrag für die 3. Liga, und er hat auch schon betont, den Neuaufbau bei Dynamo anpacken zu wollen.
Trainer Marco Kauczinski hat einen Vertrag für die 3. Liga, und er hat auch schon betont, den Neuaufbau bei Dynamo anpacken zu wollen. © dpa/Uwe Anspach

Der neue Geschäftsführer Sport ist nicht nur für die Kaderplanung zuständig, sondern auch für die Trainerfrage. Wobei er da offenbar keine freie Hand mehr hat. „Es gibt das klare Bekenntnis, mit diesem Trainerteam weiterzuarbeiten“, hatte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born am Sonntag erklärt. Und auch Kauczinski möchte bleiben.

Beim Kader stellt sich die Frage, ob es einen Komplett-Umbau geben soll. Einige erfahrene Profis schließen nicht aus, auch in der 3. Liga zu bleiben. Hartmann könnte sich das „grundsätzlich vorstellen“, Chris Löwe möchte erst mit sich klären, ob er „den Ehrgeiz noch auf den Platz bringen“ könne. Für Löwe, der nach seiner Rote Karte für zwei Spiele gesperrt wurde,  war es der zweite Abstieg in Folge. „Diese zwei Jahre waren extrem belastend für mich und meine Familie“, sagte er. Für ihn steht fest: „Entweder ich gehe mit Dynamo oder ich höre auf. Ein anderes Trikot ziehe ich nicht noch mal an.“

Wann geht es wieder los mit der neuen Saison?

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Ursprünglich sollte die 3. Liga am 24. Juli wieder starten – das war der Plan, bevor Corona kam. Einen neuen Termin gibt es bislang noch nicht. Die beiden Bundesligen werden frühestens am 11. September loslegen, die 3. Liga wahrscheinlich ein, zwei Wochen eher. Dynamo kann sich also Zeit nehmen bei den Personalplanungen, zumal die Transferperiode wahrscheinlich bis zum 5. Oktober verlängert wird.

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