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Dynamo will günstigere Miete

Der Vertragspoker ist eröffnet. Die Verhandlungen zwischen Stadt und Verein über die Miete für den Stadionneubau haben begonnen. In der vergangenen Woche hat sich nach Angaben des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Thomas Bohn, der Stadionbeirat gegründet.

Von Thilo Alexe

Der Vertragspoker ist eröffnet. Die Verhandlungen zwischen Stadt und Verein über die Miete für den Stadionneubau haben begonnen. In der vergangenen Woche hat sich nach Angaben des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Thomas Bohn, der Stadionbeirat gegründet. Dem Gremium gehören Vertreter des Vereins, der Stadt und der Stadionprojektgesellschaft an. Ziel ist es, die durch den Stadionneubau entstandenen Kosten für Dynamo zu senken.

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Denn den Fußball-Drittligisten drücken hohe Mietkosten. Ursprünglich reichlich zwei Millionen Euro sollten die Gelb-Schwarzen für die Nutzung des neuen Stadions pro Saison zahlen. Die Stadt beschloss im März eine Finanzspritze von 700000 Euro für die jetzige Saison und weitere Hilfen – unter anderem, um die Mietlasten zu senken. Weiterer Teil des umstrittenen Ratsvotums: Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sollte „unbürokratisch“ dem Verein bei eventuellen Problemen mit der Lizenzerteilung helfen.

Die Beteiligten sprechen miteinander, allerdings nennen sie keine Details in der Öffentlichkeit. „Die Verhandlungen laufen“, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Für das Rathaus seien die Geschäftsbereiche von Sportbürgermeister Winfried Lehmann und Finanzressortchef Hartmut Vorjohann (beide CDU) verantwortlich.

Der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende von Dynamo Dresden, Thomas Bohn, nennt allerdings das Anliegen des Vereins sehr deutlich. „Meines Wissens nach nutzen wir das teuerste Stadion der dritten Liga.“ Nach seinen Recherchen betragen Stadionmieten für drittklassige Vereine im Schnitt eine halbe Million Euro pro Saison. „Uns geht es darum, eine angemessene Miete zu zahlen.“ Der Verein dürfe durch das Stadion nicht in finanzielle Schieflage geraten.

Wie hoch die Miete sein soll, sagt Bohn nicht – Verhandlungstaktik. Dennoch macht er eine klare Ansage. „Wenn wir sportlich erfolgreich sind und weitere Zuschauer anziehen, können wir auch den einen oder anderen Euro mehr zahlen.“ Das heißt, dass Dynamo voraussichtlich eine erfolgsabhängige Miete will, die sich im Fall des mittelfristig angestrebten Zweitligaaufstiegs erhöht.

Finanzbürgermeister Vorjohann dürfte aber über sinkende Miete nicht erfreut sein. Das würde voraussichtlich bedeuten, dass die Stadt die Differenz zuschießen muss – in Form von Überweisungen an die Stadionprojektgesellschaft.

Stadt hilft nicht das erste Mal

Die im März vom Rat besiegelte Hilfe war nicht die erste für den Verein. Nach der damaligen Darstellung von Vorjohann hatte die Stadt bis zu diesem Zeitpunkt zwölf Millionen Euro für das neue Stadion zugeschossen und mit 40 Millionen Euro für den Großteil der Bausumme gebürgt.

Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt weiteres Geld für Dynamos neue Heimat aufbringen muss – wie viel, ist offen. Doch Alternativen gibt es kaum. Der Fußballverein ist publikumsstarker Hauptnutzer des Stadions. Ginge der Klub pleite, stünde der Neubau weitgehend leer – bei laufender Tilgung der Baukredite.

Doch die Stadt hat auch Forderungen an Dynamo, das einen Etat von etwa neun Millionen Euro hat. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) betonte in den vergangenen Monaten mehrfach, dass der Verein eine professionellere Struktur benötige. Eine Variante: Die erste Mannschaft könnte kaufmännisch anders als der Rest des Vereins geführt werden. Eine solche Ausgliederung hätte voraussichtlich weniger Mitsprachemöglichkeiten der Vereinsmitglieder zur Folge.

Bis es so weit ist, müssen aber noch andere Punkte verhandelt werden. So drängt die Stadt darauf, dass Dynamo-Vermarkter Sportfive und die Projektgesellschaft ebenfalls Geld lockermachen – insgesamt 200000 Euro. Bohn hofft, dass bis zur Mitgliederversammlung im November Ergebnisse vorliegen.