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Dynamos Experte in Sachen Abstiegskampf

Der England-Rückkehrer Chris Löwe erzählt vom gewaltigen Druck und wie er mit dem umgeht.

Die Hinrunde lief nicht nur für Dynamo, sondern auch für Chris Löwe miserabel. Die Rettung sei aber trotzdem noch möglich, glaubt er.
Die Hinrunde lief nicht nur für Dynamo, sondern auch für Chris Löwe miserabel. Die Rettung sei aber trotzdem noch möglich, glaubt er. © Lutz Hentschel

Man könnte es positiv formulieren: Er kennt sich bestens mit solchen Situationen aus, hat Erfahrung. Oder man formuliert es sachlich-nüchtern: Chris Löwe hängt in einer Zeitschleife fest. Das dritte Jahr in Folge kämpft der Verteidiger gegen den Abstieg, einmal ging es mit Huddersfield Town in der englischen Premier League gut, das zweite Jahr nicht mehr. Nun ist er mit Dynamo Tabellenletzter.

Auch bei einem 30-Jährigen hinterlässt das Spuren. Er sei froh gewesen, als die Hinrunde endlich vorbei war, erzählt er. „Da hatte ich mal Zeit, um zu reflektieren, was passiert war.“ Passiert war einiges in diesem halben Jahr, aber wenig Erfreuliches. Die Mannschaft spielte anfangs noch ganz ansehnlich, aber zu selten erfolgreich. Zum Schluss stimmte gar nichts mehr – weder die Leistungen noch die Ergebnisse. Die Fans wüteten, die Spieler rangen nach Erklärungen, es war ein trauriges Bild, das Dynamo abgab.

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Und Löwe steckte mittendrin. Als erfahrener Führungsspieler war er aus England geholt worden. Sportdirektor Ralf Minge jubelte regelrecht bei seiner Verpflichtung. „Qualität, Erfahrung, Persönlichkeit, Charakter, Siegermentalität – und dann auch noch der regionale Bezug“, schwärmte er. Beim Trainingsauftakt im Sommer kursierte gar das Wort Königstransfer. Doch gerecht wurde Löwe all dem nicht.

Als er vorige Woche im Mannschaftshotel in Spanien im schweren Ledersessel sitzt und nach den Gründen für sein „kleines Leistungsloch“ gefragt wird, bedankt er sich erst einmal für die Wortwahl. „Kleines Loch“, wiederholt er. „Das ist aber nett.“ Denn eigentlich schlitterte Löwe zusammen mit der Mannschaft in eine tiefe Krise. „Ich habe nicht die Leistung gezeigt, die ich von mir und andere von mir erwarten“, erklärt er. „Dafür gibt es verschiedene Gründe.“ Aufs Aufzählen verzichtet er, wohl auch, um nicht in nebulöse Formulierungen flüchten zu müssen. Das ist nicht sein Ding, er redet gerne Klartext, doch das will er in dem Fall nicht.

Man kann die Gründe ohnehin zwischen den Zeilen heraushören. Löwe und Cristian Fiel – das passte wohl von Anfang an nicht zusammen. Der Ex-Trainer favorisierte eine Dreier-Abwehrkette, ließ den England-Rückkehrer weiter vorne spielen. Dort aber fühlte sich Löwe nicht wohl. Intern soll er sich für eine Viererkette ausgesprochen haben, weil sich die Mannschaft damit sicherer fühle. Ab der Mitte der Hinrunde saß der Königstransfer dann auffällig oft auf der Bank.

Fiels Nachfolger Markus Kauczinski setzt auf vier Verteidiger. „Mir kommt das auf jeden Fall zugute“, sagt der gebürtige Plauener, meint das aber auch bezogen aufs ganze System. „Die Art und Weise, die uns der Trainer versucht beizubringen, gibt uns Sicherheit und defensive Stabilität, die wir brauchen“, findet er.

"Mir ist bewusst, dass da ein Rattenschwanz dranhängt"

Das soll die Basis sein für das große und kollektive Ziel Klassenerhalt. Löwe hat auch ein persönliches formuliert: „Ich habe mir vorgenommen, mich nur noch auf mich selbst zu konzentrieren und nicht mit 100 anderen Dingen zu beschäftigen“, erzählt er. „Wenn ich das schaffe, dann ist nicht nur mit geholfen, sondern auch der Mannschaft.“ Diese Aussagen sind interpretierbar, so entsteht gerade in der Nähe von Chemnitz ein neues Eigenheim, Löwe ist derzeit also nebenbei Bauherr. Gemeint ist aber wohl vielmehr, dass er sich nicht mehr ärgern und aufregen will über seiner Meinung nach falsche Entscheidungen des Trainers. Sich dabei aufzureiben, schadet nur der eigenen Leistung – so könnte seine Erkenntnis der Hinrunde lauten.

Die Herausforderungen im Abstiegskampf sind ohnehin gewaltige. Keiner aus dem Dynamo-Kader kann das so gut beurteilen wie Löwe, der vor seinem Wechsel auf die Insel in Chemnitz, Dortmund und Kaiserslautern war. „Auch wenn man oben mitspielt, hat man natürlich Druck“, vergleicht er. „Aber das ist ein anderer. Verpasst man den Aufstieg, bleibt eben alles beim alten. Wenn man unten steht, kann man dagegen was verlieren. Mir ist bewusst, dass da ein Rattenschwanz dranhängt, der nicht nur uns Spieler betrifft.“ Gemeint sind die im Falle eines Abstieges drastisch sinkenden TV-Einnahmen und die damit oft verbundenen Stellen- und Gehaltskürzungen auf der Geschäftsstelle.

© Robert Michael/dpa

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Druck umzugehen. Für Löwe ist – nicht nur in diesen Situationen – die Familie ganz wichtig. „Bei ihr komme ich auf andere Gedanken, kann das ganze auch mal wegschieben“, sagt er und nennt ein Beispiel: „Unseren Kleinen interessiert es nicht, ob wir gerade 0:5 verloren haben oder 5:0 gewonnen. Wenn der Papa zu Hause ist, will er mit dem spielen.“

Seit drei, vier Monaten plagt sich Löwe mit gesundheitlichen Problemen herum, die ihn jedoch nicht entscheidend behindern. Jedenfalls werde er das nie als Ausrede benutzen, sagt er. „Ich bin nicht beschwerdefrei, aber auch schon im fortgeschritten Fußballeralter. Da gibt es eben das eine oder andere Wehwechen, das nicht mehr hundertprozentig weggeht.“

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Mit diesen Wehwechen will er um einen Stammplatz kämpfen. Und das mit vollem Einsatz. Im Trainingslager bekam das Abwehrkollege Kevin Ehlers zu spüren, der nach einer Grätsche von Löwe tagelang pausieren musste. Der letzte Test am Freitag beim VfB Stuttgart könnte einen Hinweis geben, ob Löwe tatsächlich bei Kauczinski erste Wahl ist. An der Erfahrung mangelt es jedenfalls nicht.

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