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Dynamos Fehlstart ist perfekt

Die SGD geht beim 2:4 in Karlsruhe nach der Pause unter und ist Tabellenletzter. Trainer Cristian Fiel findet, dass die Mannschaft ein gutes Spiel gemacht hat.

SGD-Trainer Cristian Fiel nach dem Spiel
SGD-Trainer Cristian Fiel nach dem Spiel © dpa/Uli Deck

Von Daniel Klein, Karlsruhe und Sven Geisler, Dresden

Null Punkte und 2:5 Tore nach den ersten beiden Zweitliga-Spielen der Saison: Der Auftakt ging gehörig daneben, der Druck ist damit schon zu Beginn groß. Bei der Niederlage in Karlsruhe ging Dynamo zwar in Führung, doch in der zweiten Halbzeit unter. Die SZ beantwortet die Fragen zur deutlichen Niederlage.

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Warum kassierte Dynamo die zweite Saisonniederlage?

Die Mannschaft scheiterte am gleichen Problem wie beim 0:1 vor einer Woche gegen Nürnberg: Sie war zwar überlegen, aber viel zu selten torgefährlich. Die Gründe sind sicher vielschichtig, bei der ungewöhnlichen Aufstellung muss man sie aber auch suchen. Fiel wechselte gegenüber dem Auftakt auf drei Positionen, Niklas Kreuzer, Chris Löwe und Moussa Koné mussten auf die Bank, dafür rückten Patrick Ebert, Patrick Möschl und Matthäus Taferner in die Startelf, in der dadurch kein nomineller Stürmer stand. Diesen Part übernahm mit Baris Atik ein Mittelfeldspieler. Eklatant waren zudem die Schwächen nach Standards der Karlsruher, die absolute Kopfballhoheit im Dynamo-Strafraum hatten.

Der Karlsruher Marvin Pourie (r) und der Dresdner Jannik Müller kämpfen um den Ball.
Der Karlsruher Marvin Pourie (r) und der Dresdner Jannik Müller kämpfen um den Ball. © dpa/Uli Deck

Wie fielen die Tore?

Als alle Beteiligten den Pausenpfiff erwarteten, schlenzte Sascha Horvath den Ball vom Strafraumeck in den Torwinkel zur etwas überraschenden Führung. Doch die hielt nur 60 Sekunden. In der dritten Minute der Nachspielzeit übersprang Philipp Hofmann nach einer Ecke Jannis Nikolaou und köpfte den Ausgleich. Bereits gegen Nürnberg fiel das Gegentor durch einen Kopfball – ein Hinweis auf die Größennachteile? Viel Pech hatte Dynamo und vor allem Dzenis Burnic nach einer Stunde, die Dortmunder Leihgabe fälschte eine Flanke von Hofmann ins eigene Tor ab. Erneut war es Hofmann, der aus 20 Metern abzog und zum 3:1 traf. Zehn Minuten vor dem Ende erhöhte der eingewechselte Manuel Stiefler nach einem Konter zum 4:1. Der nach 72 Minuten gekommene Koné traf zum Endstand, mehr als Ergebniskorrektur war es nicht.

Der Karlsruher Lukas Grozurek (l) und der Dresdner Patrick Möschl kämpfen um den Ball.
Der Karlsruher Lukas Grozurek (l) und der Dresdner Patrick Möschl kämpfen um den Ball. © dpa/Uli Deck

Warum wurde die KSC-Führung aberkannt?

Der Wildpark tobte, feierte die Führung durch einen platzierten Flachschuss von Lukas Grozurek (22.), doch Schiedsrichter Frank Willenborg eilte zum Bildschirm am Spielfeldrand, hatte offensichtlich einen Hinweis aus Köln bekommen. Ein Zweikampf zuvor zwischen KSC-Verteidiger Daniel Gordon und Baris Atik wertete der Unparteiische als Foul und gab den Treffer nicht. Eine vertretbare Entscheidung. Ein Foul von Dresdens Innenverteidiger Kevin Ehlers an Marvin Pourie (51.) im Strafraum wurde ebenfalls überprüft, der Elfmeterpfiff blieb jedoch aus. Auch die Anerkennung des Treffers von Hofmann zum 3:1 dauerte einige Minuten, wurde aber nicht zurückgenommen.

Wie veränderten die Umstellungen das Dynamo-Spiel?

Rein statistisch machten sie die Startelf noch einmal jünger. Bereits vor einer Woche gegen Nürnberg war die Mannschaft mit im Schnitt 24,1 Jahren die jüngste in Liga zwei. Nun sank das Alter sogar auf 23,4 Jahre. Und sie „schrumpfte“. In der Offensive hatten die Dresdner keinen Spieler auf dem Platz, der größer als 1,73 Meter ist. Eine mutige Aufstellung, die nicht belohnt wurde. Der Plan war offensichtlich, die körperlich robuste und großgewachsene KSC-Abwehr mit quirligen und flinken Offensivkräften auszuhebeln. Spielerisch war Dynamo ähnlich dominant wie gegen Nürnberg vor einer Woche, zur Pause hatte die Mannschaft 75 Prozent Ballbesitz. Doch die Stafetten endeten zu oft in Strafraumnähe, die Vertikalpässe fanden fast nie einen Abnehmer. Auf hohe Flanken verzichteten die Dresdner aus verständlichen Gründen.

Die Karlsruher (l.-r.) Philip Hofmann, Lukas Grozurek und Marvin Wanitzek bejubeln den Treffer zum 2:1 durch Eigentor des Dresdners Dzenis Burnic.
Die Karlsruher (l.-r.) Philip Hofmann, Lukas Grozurek und Marvin Wanitzek bejubeln den Treffer zum 2:1 durch Eigentor des Dresdners Dzenis Burnic. © dpa/Uli Deck

Wie war die Stimmung auf der Baustelle Wildpark-Stadion?

Gut, doch zu hören waren fast nur die Karlsruher Anhänger auf ihrer Stahlrohrtribüne. Der Gästeblock war nach dem Boykott der Dynamo-Ultras nur spärlich besetzt, etwa 400 waren angereist. Auf den Rängen blieb alles ruhig, es gab keinerlei Reaktionen auf den Fanmarsch der selbsternannten „Football-Army“ vor gut zwei Jahren.

Wie verlief das Public Viewing in Dresden?

Es sind etwa 3.000 Fans im Rudolf-Harbig-Stadion, obwohl auf dem Rasen nichts passiert. Es ist verboten, ihn zu betreten. An der Ecke steht die Videowand auf der die Partie übertragen wird. Das Transparent mit dem dicken roten Strich durchs DFB-Logo haben sie mitten im K-Block aufgespannt. Einige tragen die Tarnkappen von damals. Doch diesmal geht es nicht darum, aufzufallen und plakative Zeichen zu setzen. Stattdessen erklärt David, genannt "Supp", warum die Ultras diesmal in Dresden geblieben sind. Die Entscheidung sei ihnen "extremst schwergefallen", meint er und verweist auf die Ermittlungsverfahren, die seit dem Marsch der "Football Army" in Karlsruhe vor gut zwei Jahren laufen. "Die ziehen sich ewig in die Länge. Man hat gemerkt, wie brisant dieser Tag heute in Karlsruhe ist, wie sie noch mal reinleuchten wollen, um etwas über die Organisation rauszukriegen", meint der Ultras-Anführer..

Zum ersten Mal laut wird es, als das vermeintliche KSC-Führungstor nach Videobeweis zurückgenommen wird. "Dynamo" und "Ost-, Ost-, Ostdeutschland" schallt es aus den Blöcken J und K. Kurz vor der Pause ist es erst ein Raunen bei dem Fehlschuss von Möschl, dann der kollektive Jubelschrei bei Horvaths Treffer - und schließlich Entsetzen beim Ausgleich. Stimmungshöhepunkt ist die Verlosung von Fan-Artikeln durch Ex-Capo "Lehmi". Spiel und Ergebnis sind danach weitaus weniger witzig. 

Das sagen die Trainer zum Spiel:

Alois Schwartz (Karlsruhe): „Nach zwei Jahren Abstinenz stellt man sich genauso das erste Heimspiel vor. Natürlich hatte Dynamo zu Beginn mit den quirligen und technisch guten Spielern viel Ballbesitz. Doch ich hatte der Mannschaft vorher schon gesagt, dass wir Geduld brauchen. Die hatten wir auch, nach meinem Geschmack nur ein bisschen zu viel. Für mich war die Szene vor unserem aberkannten Führungstreffer ein normaler Zweikampf. Der erste Ball, der auf unser Tor kommt, geht auch rein. Wichtig war, dass wir gleich den Ausgleich erzielen konnten. Es war ein verdienter Sieg.“

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Cristian Fiel (Dresden): „So schlimm sich das anhören mag: Aber ich fand, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben – vor allem in der ersten Halbzeit. Aber wir tun uns momentan einfach schwer, unsere Chancen zu nutzen. Nach dem 1:2 haben wir direkt die Möglichkeit zum Ausgleich, nutzen die aber wieder nicht. Als wir uns dann immer mehr öffnen, hat der KSC die Qualität, um gut zu kontern und entscheidet das Spiel. Für uns heißt es jetzt, den Kopf hochzunehmen und hart zu arbeiten.“