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Dynamos getrübte Freude nach dem Zittersieg

Torjäger Poté trifft – aber diesmal die Eckfahne. Sein Tritt wird bitter bestraft.

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Von Sven Geisler

Angestauter Frust, Freude, Erleichterung – ein hochexplosives Gemisch der Emotionen. Bei Mickael Poté entluden sie sich in einem Tritt. „Plötzlich kam die halbe Eckfahne an mir vorbeigeflogen“, erzählt Sebastian Schuppan, der nicht nur nach seinem ersten Treffer beim 2:1-Sieg der Dresdner Dynamos gegen den FSV Frankfurt in akuter Verletzungsgefahr schwebte. Denn noch schlimmer hätte es ihn erwischen können, nachdem er den Elfmeter zum 2:0 verwandelt hatte.

„Ich habe mir fast das Kreuzband gerissen“, sagt Schuppan mit einem breiten Grinsen. Sein Versuch, auf Knien über den Rasen zu rutschen, ging gründlich schief. „Ich dachte, der Platz muss doch nass sein, aber irgendwie bin ich nicht gerutscht, sondern habe nur einen halben Meter Rasen ausgestochen.“ Während die misslungene Aktion für Schuppan ohne Folgen bleibt, summierte sich für Poté die kaputte Eckfahne mit einem Ballwegschlagen zu einer Gelb-Roten Karte. Der Top-Torjäger fehlt also am Freitag in Paderborn.

Was die Freude ein wenig trübte. „Ich finde das schade“, meint Sportchef Steffen Menze, „weil es eine völlig unnötige Situation ist, die den Trainer wieder zum Umdenken zwingt.“ Die Frage, ob Ralf Loose denn Trainer bleibe, beantwortet er kopfschüttelnd mit einer Gegenfrage: „Wieso sollte er nicht?“ In der Mannschaft, versichert Schuppan, habe diese Diskussion keine Rolle gespielt. „Wir haben für uns gespielt, für den Verein und vor allem für die Fans. Dass wir nebenbei auch dem Trainer geholfen haben, ist auch schön.“ Es gehe nicht um Personalien, erklärt auch Kapitän Robert Koch, sondern um Dynamo. „Dafür geben wir jeden Tag Gas.“

Das sieht Loose genauso. „Wir haben drei Punkte für den Klub geholt. Der Sieg ist wichtig für die Moral, aber wir müssen noch viele Punkte holen“, sagt der Chefcoach, der seiner Mannschaft diesmal ein Kompliment machen konnte. „Wenn man nicht das Selbstbewusstsein hat, weil die Erfolgserlebnisse fehlen, muss man dagegen ankämpfen.“ Genau das hatten die Schwarz-Gelben getan. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

„Es ist klar, dass wir zurzeit keinen Fußball zaubern, weil wir einen Rucksack auf dem Rücken tragen“, sagt Filip Trojan, „aber wir haben endlich alles gegeben.“ Das sei nicht immer so gewesen. „Da muss sich jeder hinterfragen. Es gab oft drei, vier Totalausfälle, und die können wir uns nicht leisten. Wir haben in der zweiten Liga nur eine Chance, wenn wir als Mannschaft auftreten.“ Wenn es nicht läuft, werde sofort diskutiert, ob der Trainer rausgeschmissen wird, aber: „Wir Spieler entscheiden das auf dem Platz und kein anderer.“

Ob der Zittersieg ein Befreiungsschlag war, muss sich erst zeigen. Den Ausfall von Poté jedenfalls, meint Schuppan mit dem Selbstbewusstsein eines doppelten Torschützen, „können wir für ein Spiel verschmerzen“. Schließlich stünden mit Pavel Fort, Petar Sliskovic und Lynel Kitambala drei Stürmer bereit. Letzterer hatte eine klare Chance zum 3:1 gegen Frankfurt, scheiterte aber an FSV-Keeper Patric Klandt. „Er macht im Moment eine schwierige Phase durch, aber wir stehen alle hinter ihm“, sagt Schuppan. „Vielleicht ist es seine Chance, und er macht in Paderborn das entscheidende Tor.“

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieses dramatischen Spiels mit einem für Dynamo glücklichen Ende: Sie glauben wieder an sich und ihre Chance, in der zweiten Liga Spiele zu gewinnen. Und wenn das wieder öfter gelingt, klappt es auch mit dem Jubeln.