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Dynamos größtes Auswärtsspiel

Beim Pokalspiel am Mittwoch in Berlin sind mehr als 30.000 Dresdner dabei. Das wird nicht nur sportlich eine Herausforderung.

Wie in der ersten Pokalrunde in Zwickau gegen den Oberligisten Dassendorf wird auch am Mittwoch der Gäste-Fanblock komplett in Gelb erscheinen.
Wie in der ersten Pokalrunde in Zwickau gegen den Oberligisten Dassendorf wird auch am Mittwoch der Gäste-Fanblock komplett in Gelb erscheinen. © dpa/Robert Michael

Das wird ein neuer Rekord, so viel steht jetzt schon fest. Mehr als 30.000 Fans begleiten Dynamo zum DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC am Mittwochabend nach Berlin. Im Olympiastadion wird die Kurve rechts und links vom Marathon-Tor in Gelb erstrahlen – auch das ist bisher einmalig. Selbst zum Pokalfinale bekommen beide Vereine nur je 15.000 Tickets, die anderen gehen in den freien Verkauf.

Es ist alles bereitet für einen außergewöhnlichen Fußballabend: die sportliche Konstellation David gegen Goliath, Flutlicht-Atmosphäre, ein mit rund 70 000 Zuschauern so gut wie ausverkauftes Stadion. Doch mit den Dynamo-Fans verbindet sich auch die Sorge vor Ausschreitungen wie etwa 2011 in Dortmund oder ein Jahr später in Hannover. Bundesweit für Aufsehen und bis heute staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gesorgt hat der von den Ultras organisierte Marsch in Karlsruhe im Mai 2017.

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Die SZ erklärt, wie sich Vereine und Sicherheitsbehörden diesmal auf die große Zahl von Fans aus Dresden vorbereiten.

Inwiefern sind Ausschreitungen beim Spiel in Berlin zu befürchten?

Die Frage lässt sich nicht konkret beantworten. Fakt ist, dass die Partie – genau wie das Stadtduell danach am Samstagabend in der Bundesliga gegen Union Berlin – als Hochsicherheitsspiel eingestuft wurde. Und Fakt ist auch, dass Dynamo-Fans bei Auswärtsspielen immer wieder mal negativ aufgefallen sind. Dazu kommen diesmal nicht förderliche Begleitumstände. So wird die Partie erst am späten Abend um 20.45 Uhr angepfiffen, in den ostdeutschen (und einigen westlichen) Bundesländern ist der Tag danach ein gesetzlicher Feiertag.

Auch die große, unüberschaubare Masse von über 30.000 Fans – mehr also als bei jedem Heimspiel – ist ein nicht kalkulierbares, weil unbekanntes Risiko. Zumal speziell Fans, die selten bei Spielen im Stadion sind, die Ansicht vertreten, man könne und müsse bei Dynamo die Sau rauslassen, vor allem auswärts.

Was tut Dynamo, um das Auswärtsspiel mit abzusichern?

Im Verein betrachtet man das Spiel als große Herausforderung, viel größer als die Pokalpartien in Dortmund und Hannover. Schon kurz nach der Auslosung am 18. August begannen die Vorbereitungen, die erste Sicherheitsberatung in Berlin gab es am 4. Oktober, zwei weitere folgten. Zudem waren Dynamos Fanbeauftragte bei Herthas Bundesliga-Heimspiel gegen Düsseldorf vor Ort, um Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln.

Drei festangestellte Fanbeauftragte hat Dynamo, außerdem bei den Spielen rund 25 ehrenamtliche Helfer – die möglichst alle in Berlin im Einsatz sein sollen. Problem: Einige der Ehrenamtler möchten die Partie lieber im Fanblock verfolgen.

Dynamos aktive Fanszene hat indes eine T-Shirt-Aktion initiiert (und der Verein dazu passend mehr als 10.000 Shirts verkauft). „Alle in Gelb“ heißt das Motto – wie schon beim Pokalsieg 2016 gegen RB Leipzig und auch diese Saison in der ersten Runde beim Weiterkommen gegen den Hamburger Oberligisten Dassendorf.

Eine Mottofahrt, wie es sie zuletzt 2017 nach Karlsruhe gab, wurde diesmal von den Ultras angesichts der damaligen Vorfälle und strafrechtlichen Konsequenzen ausdrücklich nicht ausgerufen. Auch ein Fanmarsch zum Olympiastadion ist anders als in Karlsruhe nicht geplant.

© Sven Geisler

Wie rüstet sich die Berliner Polizei für den Einsatz?

Oberstes Gebot für die Einsatzkräfte ist es, die Fanlager zu trennen, wobei Michael Gassen darin nicht das größte Problem sieht: „Die Anhänger von Hertha und Dynamo stehen nicht in besonderer Feindschaft zueinander“, sagt der Polizeisprecher. Man werde in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei bei der Anfahrt zum Stadion beobachten, ob sich Gruppen bilden, von denen ein Konfliktpotenzial ausgeht. „Diese werden wir begleiten, um Zusammenstöße zu verhindern“, erklärt Gassen.

Die Sicherheitsbehörden rechnen mit mehreren Hundert Anhängern der Kategorie B und C, die also zu Gewalt neigen, beziehungsweise von vornherein darauf aus sind. Wie viele Polizisten im Einsatz sind, verrät der Sprecher vorab nicht. Es ist aber von mehr als 1 000 auszugehen. Bei normalen Spielen der Hertha sind es 400 bis 500.

Wie lief die Zusammenarbeit der Vereine im Vorfeld?

Es gab mehrere Sicherheitsbesprechungen – auf Geschäftsführer-Ebene und auch auf Augenhöhe. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Da fühlte sich Dynamo mit seinen Erfahrungen und Tipps manchmal nicht ernst genommen.

Für Hertha BSC stellen viele Gäste-Fans jedoch auch keine neue Situation dar. „Wir kennen das ja auch von Spielen wie gegen Dortmund oder den FC Bayern, bei denen sehr viele Gästefans im dann ausverkauften Olympiastadion sind“, heißt es vom Verein auf Anfrage der SZ.

Welchen Vorkehrungen treffen die Gastgeber?

Der Zugang erfolgt über getrennte Eingänge, für Dynamo-Fans über den Coubertinplatz. Im Stadion wird mit einer Sektoren-Trennung gearbeitet, sodass Dresdner Anhänger nicht in den Heimbereich kommen können. Ein neuralgischer Punkt ist der Einlass, denn es wird intensive Kontrollen geben, um das Einschleusen von Pyrotechnik weitgehend zu verhindern. Deshalb werden die Stadiontore deutlich früher als gewöhnlich geöffnet, und zwar bereits um 18.30 Uhr, also mehr als zwei Stunden vor dem Anstoß.

Das Stadion ist nicht komplett ausverkauft, die Abendkassen öffnen – allerdings nur für den Heimbereich. Zuschauer in Dynamo-Fankleidung haben zu diesen Blöcken keinen Zugang.

Worauf sollten Dynamo-Fans unbedingt achten?

Rund 200 Kilometer sind es aus Dresden bis zum Olympiastadion. Dennoch empfiehlt Dynamo den Fans, von Dresden aus nicht später als 14.30 Uhr zu starten, um rechtzeitig vor Ort zu sein. Gemeinsam mit dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) und den Verkehrsbetrieben hat der Verein organisiert, dass die Anhänger am BER parken und von dort mit Shuttle-Bus und S-Bahn zwischen 15 und 19.30 Uhr zum Olympiastadion fahren können.

Fürs Stadion gilt außer dem auch bei Konzerten üblichen Taschen- und Rucksack- auch ein Alkoholverbot.

Welche Unwägbarkeiten bleiben trotz der Vorbereitung?

In Berlin könnten Fangruppen anderer Vereine, beispielsweise des BFC Dynamo, auf Provokationen aus sein. „Wir sind auf alle Eventualitäten eingestellt“, sagt dazu Polizeisprecher Gassen. Staus sowohl auf der Anreise als auch beim Einlass können die Stimmung kippen lassen. Aggressivität schaukelt sich in einer großen Gruppe schneller hoch. Genauso könnte die Partylaune bei einem für Dynamo negativen Spielverlauf umschlagen und sich der Frust, der sich nach vier Niederlagen in der zweiten Liga angestaut hat, entladen. Aber – das haben die Fans beim 1:8 in Köln vor knapp einem Jahr bewiesen – es kann auch sein, dass sie dann erst recht sich und ihre Mannschaft feiern.

Am Montag hat Dynamo Dresden eine Mitteilung veröffentlicht mit allgemeinen Infos, erlaubten bzw. nicht erlaubten Fanutensilien und Anreisetipps zum Spiel.

Dynamos Pokalspiel aktuell: Bei sächsische.de erfahren Sie am Mittwoch alles Wichtige und Wissenswerte rund um Dynamos Auftritt bei der Hertha, Aufstellung, Tore und natürlich wie immer die erste Analyse direkt nach Schlusspfiff.  

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