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Dynamos Neuzugang und das blaue Auge

René Klingenburg kommt zu Dynamos Trainingsauftakt mit einer auffälligen Gesichtsverletzung. Ein Spieler fehlt jedoch.

René Klingenburg ist im Gesicht gezeichnet.
René Klingenburg ist im Gesicht gezeichnet. © Lutz Hentschel

Das Ritual der rund 100 Zaungäste ist in jedem Jahr das gleiche: Wenn sich die Mannschaft zum Dehnen im Kreis versammelt, es also ruhig und übersichtlich ist, wird durchgezählt. Alle da? 23 Profis hatte Dynamo zum Trainingsauftakt am Mittwochvormittag angekündigt, 22 sind aber nur im Großen Garten erschienen. Schnell ist klar, wer fehlt: Moussa Koné. Schwänzt der Stürmer etwa? Oder trainiert er gar bei einem anderen Verein?

Ralf Minge kann beides ausschließen. „Es gibt bei ihm in der Familie ein gesundheitliches Problem“, erzählt der Sportdirektor. Die Frau des 22-Jährigen soll erkrankt sein. „Er hat uns die Befunde zugeschickt, wir sind im täglichen Austausch mit ihm. Er wird zeitnah zur Mannschaft stoßen“, verspricht er.

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Was den Fans hinterm Maschendrahtzaun noch auffällt, sind die Blessuren im Gesicht von Neuzugang René Klingenburg. Unterm linken Auge, das blau angelaufen ist, erkennt man einen mit Pflastern versorgten Cut. Am Haaransatz heilt auch eine Wunde. „Ich hatte einen kleinen Unfall oder Vorfall. Das tat ein bisschen weh“, erklärt der 25-Jährige und versucht, die Frage nach den genauen Umständen mit einer flapsigen Antwort zu kontern: „Ich habe versucht, Äpfel zu pflücken.“ Natürlich war das ein Scherz, konkreter wird er aber nicht. „Ich wäre lieber ohne ein Veilchen hergekommen. Es ist intern besprochen und alles gut.“ Das muss reichen.

Mehr verraten auch Minge und Cristian Fiel nicht. Der Cheftrainer, der in seine erste Sommervorbereitung startet, antwortet mit einer Gegenfrage: „Wie holt man sich wohl eine solche Verletzung?“ Naheliegend ist also, dass Klingenburg in eine handfeste Auseinandersetzung verwickelt war. Das Pikante dabei: Es würde zu seiner Karriere passen, die alles andere als geradlinig verlief

Bei Schalke 04 gehörte er neben Leroy Sané und Max Meyer zu den Talenten mit Perspektive. Doch im Gegensatz zu den beiden bremste er sich selbst immer wieder aus. „Ich war anfällig für das Jugendleben, auf dem Papier zwar Profi, aber nicht auf dem Platz. Das ist einfach die Wahrheit“, hatte er im SZ-Interview kurz nach seiner Verpflichtung erzählt. Und dass er abseits des Platzes ruhiger sei – „anders als in jungen Jahren“.

Cristian Fiel (hinten Mitte) mit seinen Neuen: René Klingenburg (hinten links), Kevin Broll (vorn links) und Chris Löwe (vorn Mitte). Kevin Ehlers (hinten rechts) und Max Kulke kommen von der U 19. 
Cristian Fiel (hinten Mitte) mit seinen Neuen: René Klingenburg (hinten links), Kevin Broll (vorn links) und Chris Löwe (vorn Mitte). Kevin Ehlers (hinten rechts) und Max Kulke kommen von der U 19.  © dpa/Robert Michael

Minge kennt Klingenburg seit rund sieben Jahren, sagt er. „Er hat die Hosen runtergelassen und Fehler eingestanden. Wir geben ihm die Chance, und er begreift das auch als Chance.“ Die Wunden in seinem Gesicht an seinem ersten Arbeitstag bei Dynamo könnten anderes vermuten lassen. Der Sportdirektor möchte das aber nicht überbewerten. Das Ergebnis der kurzen Aussprache fasst er so zusammen: „Wir haben es mit einem Lächeln quittiert.“

Gelacht wurde auffällig viel beim heißen Trainingsauftakt. Womöglich sind alle Beteiligten froh, dass die turbulente vorige Saison mit den zwei Trainerentlassungen und dem Zittern um den Klassenerhalt bis kurz vor Schluss endlich der Vergangenheit angehört und es nun, so zumindest die Hoffnung, ruhiger wird.

Zumindest in den Kader kommt aber noch Bewegung rein, verspricht Minge. Die drei Neuzugänge, zu denen neben Klingenburg noch Chris Löwe und Kevin Broll, Nachfolger von Torhüter Markus Schubert, gehören, „ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“. Klar ist, dass Dynamo noch einen Stürmer sucht. Kurz vor dem Abschluss stehen die Verhandlungen aber offenbar nicht. „Da gibt es noch ein, zwei andere Vereine, die auch einen solchen Spieler suchen. Deshalb brauchen wir da noch ein bisschen Geduld“, so Minge.

Kevin Broll ist der Nachfolger von Keeper Markus Schubert.
Kevin Broll ist der Nachfolger von Keeper Markus Schubert. © dpa/Robert Michael

Ob auch im defensiven Mittelfeld noch ein Neuzugang kommt, hängt davon ab, ob es die Schwarz-Gelben schaffen, Dzenis Burnic weiter von Borussia Dortmund auszuleihen oder ihn sogar zu verpflichten. „Da kämpfen wir richtig“, verspricht Minge. Beim Auftakt am Mittwoch fehlte Burnic genauso wie Haris Duljevic, dessen Urlaub nach seinen Einsätzen mit der bosnischen Auswahl bis zum 26. Juni verlängert worden war, und Sascha Horvath, der gerade mit der österreichischen U-21-Elf bei der EM spielt. Der zuletzt an Wacker Innsbruck ausgeliehene Dribbler soll zu Dynamo zurückkehren. „Wir haben im Moment nicht vor, einen Spieler, der bei uns unter Vertrag steht, abzugeben“, erklärt Minge und schließt dabei ausdrücklich Stürmer Lukas Röser und Torwart Tim Boss ein.

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„Ich war anfällig fürs Jugendleben“, sagt René Klingenburg über sich selbst. Im Interview spricht er über den Absturz und erklärt, wie er den Neustart gepackt hat.

Fiel möchte über seine Wünsche zu möglichen weiteren Neuzugängen nichts sagen – und auch nicht, wie zufrieden er mit der momentanen Mannschaft ist. „Ich arbeite mit dem Kader, wie er jetzt ist oder nächste Woche sein wird. Und aus diesem Kader versuche ich, das Beste rauszuholen“, erklärt er.

Testen kann er sein Team das erste Mal nächste Woche Donnerstag gegen den Regionalligisten Wacker Nordhausen. Fürs Trainingslager im Ötztal hat Dynamo zwei Testpartien gegen Atromitos Athen und Wacker Innsbruck vereinbart.

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