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Dynamos Pokal-Gegner findet kein Stadion

Der eigene Sportplatz des TuS Dassendorf ist zu klein. Ausweichstandorte finden sich nicht. Die Lösung könnte in Sachsen liegen.

Vor zwei Jahren erzielte Erich Berko (r.) das zwischenzeitliche 1:1 gegen TuS Koblenz beim Pokal-Auswärtsspiel in Zwickau. Am Ende gewann Dynamo 3:2.
Vor zwei Jahren erzielte Erich Berko (r.) das zwischenzeitliche 1:1 gegen TuS Koblenz beim Pokal-Auswärtsspiel in Zwickau. Am Ende gewann Dynamo 3:2. © Robert Michael (Archiv)

Geschichte wiederholt sich nicht? Bei Dynamo ist auch das anders. Wer die Uhr zwei Jahre zurückdreht, dem wird das, was jetzt folgt, verdammt bekannt vorkommen. Damals hatte die TuS Koblenz ein großes Problem, diesmal ist es die TuS Dassendorf – sogar bei den Vereinsnamen gibt es Parallelen.

Als vor anderthalb Wochen Ex-Nationalspielerin Nia Künzer dem Oberligisten aus der Nähe von Hamburg in der ersten DFB-Pokalrunde Dynamo zugelost hatte, war die Freude groß. „Dresden wird einiges an Fans mitbringen“, frohlockte Abteilungsleiter Frank Flatau. Was er da noch nicht ahnte: Das mit dem Mitbringen wird wohl nichts. In und um Hamburg findet sich einfach kein passendes Stadion.

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Die Heimstätte der Turn- und Sportgemeinschaft Dassendorf von 1948 e.V., das Stadion am Wendelweg, fasst nur 2.500 Zuschauer und scheidet allein deshalb aus. Hinzu kommen noch die strengen DFB-Auflagen, die etwa vorschreiben, dass der Umkleideraum der Schiedsrichter mindestens 20 Quadratmeter groß sein muss und die Flutlichtanlage 800 Lux stark.

Dassendorf war bei den beiden Erstrundenpartien der Vereinsgeschichte, 2000 gegen den damaligen Bundesligisten Unterhaching (0:5) und vor einem Jahr gegen Duisburg (0:1), an die „Sander Tannen“ nach Hamburg-Bergedorf umgezogen. Dort liegt die Kapazität offiziell zwar bei 10.000 Zuschauern, doch die Traversen und Räumlichkeiten sind stark sanierungsbedürftig. „Wir würden gerne auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen, weil es bei uns nur Ehrenamtliche und keinen Festangestellten gibt“, sagt TuS-Sportvorstand Jan Schönteich. Der Versicherungsmakler hat in den vergangenen Tagen viel in der Region telefoniert, sein ernüchterndes Fazit: „Hipp-hipp-hurra hat keiner geschrien.“

Das Problem ist ein anderes Pokalduell, das zwischen dem VfB Lübeck und dem FC St. Pauli. Die Polizei fürchtet, dass rivalisierende Fangruppen aufeinandertreffen könnten. Dassendorfs ursprünglicher Plan, beide Spiele in Lübeck auszutragen, eins am Freitag und das andere am Sonntag, wurde abgelehnt. „Der DFB lässt sich die Termine nicht vorschreiben“, lautet Schönteichs Erkenntnis.

520 Kilometer zum Heimspiel

TuS Koblenz bekam vor zwei Jahren 50 Absagen. Beim Regionalligisten hatte sich die Sanierung der Leichtathletikbahn im Stadion verzögert, deshalb musste der Klub einen Ersatzspielort auftreiben. Über die verzweifelte Suche berichteten bundesweit Medien, auch, weil die Geschichte viele Facetten hatte. Eine skurrile, als der Verein auf seiner Facebook-Seite bat: „Wer zufällig in seinem Garten noch ein Stadion stehen hat, soll sich bitte melden.“ Oder Spiegel Online titelte: „Ein Stadion würde dem Spiel guttun.“ Aber natürlich gab es auch die ernste Seite.

„Sorge bereitet mir die Tatsache, dass offensichtlich auch aufgrund der Sicherheitsbelange kein Stadion im Umfeld bereit war, die Austragung zu übernehmen“, erklärte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. Womöglich waren die Ängste unbegründet, aber allein die Tatsache, dass nun mit Dassendorf erneut ein Pokalgegner an der Aufgabe scheitert, ein Stadion in der Umgebung für ein Spiel gegen Dynamo zu mieten, ist nicht gut fürs Image der Schwarz-Gelben.

Die schlugen 2017 schließlich Zwickau als Spielstätte vor, der dortige FSV und Dynamo kooperieren, es gibt eine Fanfreundschaft. Koblenz verlor, 430 Kilometer von der Heimat entfernt, vor 6.300 Zuschauern knapp mit 2:3. „Ich hätte dasselbe Spiel gerne in unserem Stadion gesehen. Von Heimspiel war ja hier nicht viel zu spüren“, meinte Sander hinterher. Ähnlich wird es in sieben Wochen sein, denn auch Dassendorf zieht wohl nach Zwickau um. Die Entfernung diesmal: 520 Kilometer.

Am Mittwoch verhandelt Schönteich vor Ort in der GGZ-Arena mit den Verantwortlichen von Dynamo. „Wenn dort nicht etwas völlig Unvorhergesehenes passiert, werden wir uns wohl einigen“, tippt er. „Bisher war der Austausch mit den Leuten aus Zwickau und Dresden sehr harmonisch und freundschaftlich.“ Geklärt werden müssen vor allem finanzielle Details. Im DFB-Pokal ist es so geregelt, dass die Einnahmen abzüglich der Kosten unter den beiden Vereinen 50:50 geteilt werden.

„Auswärts sind wir stärker“

Dass der Verband der Verlegung zustimmt, darüber macht sich Schönteich überhaupt keine Gedanken. „Ich habe mit dem DFB telefoniert, dort kennen sie die Problematik ja bereits. Ich hatte das Gefühl, dass sie einfach froh sind, wenn wir einen Ausrichter finden. Wirklich geholfen haben sie uns nicht.“ In den Statuten gibt es lediglich die Einschränkung, dass das Heimrecht nicht getauscht werden darf. Atlas Delmenhorst und Werder Bremen, die fünf Spielklassen, aber nur 13,5 Kilometer trennen, versuchen das gerade trotzdem.

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Für Schönteich wäre ein Auftritt im Rudolf-Harbig-Stadion „das Nonplusultra. Da kämen bestimmt noch mal 7.000 mehr.“ Natürlich alles Dynamo-Anhänger, die Dassendorfer Fangemeinde aus dem 3.300-Seelen-Ort ist eher übersichtlich. Nach Zwickau werden etwa 200 fahren, schätzt der Sportchef, das entspricht in etwa dem Zuschauerschnitt bei den Heimspielen. „Das ist der bisherige Höhepunkt in unserer Vereinsgeschichte. Und der bleibt es, auch wenn wir in Zwickau antreten.“

Gekrönt werden soll das außergewöhnliche Spiel natürlich mit einem Sieg. „Auswärts sind wir stärker“, warnt Schönteich.

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