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Das Nachwuchsproblem der SGD

Der Klub will auf Talente setzen, kämpft aber mit finanziellen Altlasten seines freigestellten Nachwuchsleiters.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Alles Gute kommt von unten. Bei Dynamo Dresden ist das aber lange her. Seit einigen Jahren schon verpflichtet der Neu-Drittligist zwar jeden Sommer mindestens zehn Spieler, aus dem eigenen Nachwuchs schafft es dagegen selten einer in den Profikader, wobei zuletzt mit Marvin Stefaniak und Paul Milde zwei Ausnahmen die Regel bestätigt haben.

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Dieser Fehler im System ist längst erkannt, der Aufwand, den Dynamo in den vergangenen Jahren betrieben hat, immens und der Etat für die Nachwuchsabteilung lag seit dem Aufstieg 2011 etwa bei einer Million Euro. Erschrocken hat Sportvorstand Ralf Minge aber festgestellt, dass die Dresdner zumindest in der abgelaufenen Saison deutlich über ihren Verhältnissen gelebt haben. Von „Ausgaben, die sich im Bereich von Bayer Leverkusen bewegen“, redet er, ohne diese näher zu beziffern. Sie sollen nach SZ-Informationen auf gut 1,7 Millionen Euro geschnellt sein.

Darüber hinaus verdeutlicht allein dieser Vergleich das Dynamo-Problem, das er charmant mit einer „Dysbalance von Investment und Ertrag“ umschreibt. Die Ausgaben sind demnach um einiges größer als die Einnahmen, also die Zahl an Nachwuchskräften, die es tatsächlich bis in den Männer- und insbesondere in den Profibereich schaffen. Dabei muss genau das doch das Ziel für die Schwarz-Gelben sein. „Es geht dabei auch um Effektivität und elitären Charakter“, betont Minge.

So ähnlich sehen das auch Marcus Jahn sowie Jan Seifert, wobei ihre Herangehensweise offensichtlich verschieden ist und der Zweit- den Erstgenannten deshalb inzwischen als Leiter von Dynamos Nachwuchs-Akademie abgelöst hat. Über die genauen Gründe sagt Minge nichts, und auch in der Pressemitteilung vom 11. April ist von einer einvernehmlichen Trennung die Rede. Bis zum Vertragsende am 30. Juni ist der 28-Jährige vom Verein freigestellt.

Jahns Hinterlassenschaft ist allerdings beachtlich: Neben den 63 Internatsplätzen, die Dynamo momentan mit Nachwuchsspielern belegt, sind vom damaligen Nachwuchschef auch 17 Wohnungen angemietet worden – was Minge, wohlwollend formuliert, staunen lässt. „Es ist nur schwer darzustellen, dass wir so viele Toptalente im Verein haben“, sagt der Sportvorstand, dessen Budget sich nach dem Abstieg halbiert hat. Die Wohnungen in der Bautzner Straße dagegen sind längerfristig angemietet, weshalb Minge mit säuerlicher Miene feststellt: „Wir werden für den Nachwuchs in der nächsten Saison unverhältnismäßig viel Geld ausgeben, vor allem im Vergleich zu anderen Drittligisten wie Rostock und Cottbus.“

Zugleich kündigt Minge härtere Auswahlkriterien an. Ein Auswechselspieler in der zweiten Mannschaft der C-Jugend zum Beispiel könne und dürfe zukünftig nicht mehr im Internat unterkommen. „Wir haben natürlich auch eine soziale Verantwortung. Aber es geht um Leistungssport, und da gibt es Härtefälle“, erklärt Minge. Deshalb will er den Internatsumfang auf die 26 akademieeigenen sowie die zwölf Dynamo im städtischen Internat zur Verfügung stehenden Plätze begrenzen.

Umsetzen soll Jan Seifert diesen neuen Kurs. Wie Minge setzt der frühere Verteidiger dabei auf Identifikation der Spieler mit dem Verein. „Am Ende geht es immer darum, dass es möglichst viele junge Spieler in die erste Mannschaft schaffen. Das Augenmerk soll aber auch darauf liegen, Begeisterung für Dynamo zu wecken“, meint Seifert, der nach Jahn und dessen Vorgängern Volker Piekarski und Ralf Hauptmann nun schon der vierte Nachwuchs-Leiter in den vergangenen vier Jahren ist. Zudem hat er sich vorgenommen, auch im U 14-, U 15-Bereich die Talentsichtung zu verbessern. Dabei setzt Seifert auf die Zusammenarbeit mit den Vereinen aus der Region.

Abgesehen von der schwierigen finanziellen Situation scheint die personelle Entwicklung positiv zu sein – zumindest bei den Ältesten. Während die B-Jugend aus der höchsten Spielklasse absteigen musste, beendete Dynamos A-Jugend die Bundesliga-Saison als zweitbeste Mannschaft der neuen Bundesländer nur knapp hinter Hansa Rostock. Mit den beiden 19-jährigen Mittelfeldspielern Franz Pfanne und Dominic Baumann sollen zudem mindestens zwei weitere Talente aus den eigenen Reihen im Profikader integriert werden.

Auch die Verpflichtung von Stefan Böger als neuen Cheftrainer ist ein Zeichen an und für den Nachwuchs. Minge verspricht sich vom bisherigen deutschen U 16-Nationaltrainer viel: „Er hat die Qualität, Spieler besser zu machen.“ Die Guten bei Dynamo sollen jedenfalls nicht mehr lange von außen kommen.