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Dynamos Sammer heißt Minge

Früher haben die Dresdner in einer Mannschaft gespielt. Jetzt machen sie den gleichen Job – bei unterschiedlichen Klubs.

© Lutz Hentschel

Von Tino Meyer

Hat da irgendwer etwas von komfortablem Vorsprung gesagt? Oder von der zweiten Liga gesprochen? Während Fußball-Dresden den Aufstieg insgeheim schon jetzt feiert, scheinen die elf Punkte mehr in der Tabelle auch ein Mehr an Last für Dynamo zu sein. Den einen Satz haben Verantwortliche und Spieler des Drittliga-Spitzenreiters in der Winterpause jedenfalls bei jeder noch so passenden wie unpassenden Gelegenheit gesagt, dass man diese fünf Worte schon nicht mehr hören kann. „Wir haben noch nichts erreicht!“

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... und Matthias Sammer.
... und Matthias Sammer. © dpa

Der kaufmännische Geschäftsführer Robert Schäfer ist den Spielern sogar ins Trainingscamp in Spanien nachgeflogen, um die große Botschaft nachhaltig in den Köpfen zu verankern. Sein sportliches Pendant, Vereinsikone Ralf Minge, übernimmt indes das Tagwerk, also die kleinen Wachrüttler für zwischendurch. Die Frage, ob er den Sammer machen muss und wie sein früherer Mitspieler bei Dynamo und jetziger Bayern-Sportvorstand nun als ewiger Mahner auftritt, versteht er sofort. „Ja, ganz klar“, sagt Minge und betont: „Wir haben die Antennen draußen. Das ist unsere Aufgabe als Führungskräfte, frühzeitig negativen Tendenzen und Entwicklungen entgegenzuwirken.“

Hausgemachte Probleme

Minge ist ein gebranntes Kind. Die vergangene Saison, in der Dynamo in der Hinrunde mal die Tabelle anführte, in der Winterpause vom Aufstieg redete und dann jäh abstürzte, wirkt nach. Hausgemachte Probleme, sagt er, haben dazu geführt. Das soll sich nicht wiederholen. Lieber mahnt er also einmal mehr. Ein Zuviel gibt es diesbezüglich offenbar sowieso nicht, wie selbst die bisherige Saison zeigt.

Trotz des Höhenflugs und des kontinuierlichen Anwachsens des Vorsprungs haben der Trainer und er als Sportchef zusätzlich von außen einwirken müssen. „Das gab es, aber in Grenzen“, sagt er. Dass die Mannschaft nicht alles intern klären könne, hält Minge für normal. „Sonst wären wir im dritten Stadium der Kollektivbildung, so hieß das im Osten.“

Intakt sei der Mannschaftsgeist dennoch, die Erfahrungen der Vorsaison haben zusätzlich heilende Wirkung. Das Gefüge stimmt also und ist durch den Ex-Nürnberger, -Wolfsburger und -RB-Leipzig-Stürmer Stefan Kutschke noch einmal verbessert worden – stimmungstechnisch auf jeden Fall und wohl auch leistungsmäßig.

Der gebürtige Dresdner ist und bleibt der einzige Neuzugang – sofern bis zum Ende der Transferzeit am 1. Februar keine gravierenden Verletzungen auftreten. Der Abgang von Mathias Fetsch nach Kiel lässt sich indes verschmerzen – sonst hätte er keine Freigabe erhalten. Ein großer Umbruch im Winter, wie ihn der Sportchef bei anderen Drittligisten beobachtet, ist ihm ohnehin fremd. „Wir sind in der glücklichen Lage, uns damit nicht beschäftigen zu müssen“, sagt der Sportchef; anders als vor einem Jahr, als Jim-Patrick Müller sowie Robert Andrich zu Dynamo wechselten und bisher nicht über den Status Ergänzungsspieler hinauskamen. „Aber das muss jeder Verein für sich wissen“, meint Minge – mit freundlichen Grüßen nach Chemnitz.

Was soll ihn auch fremdes Leid kümmern, bei Dynamo hat er genug zu tun: mit Mahnen, Warnen – und dem Zusammenstellen eines Zweitliga-Kaders. Der Einzige, der die Zahlen einigermaßen geraderückt, scheint Dresdens Trainer zu sein. Mit der Erfahrung aus sieben Jahren bei Union Berlin und der Zeit als Co-Trainer bei Borussia Dortmund – unter anderem mit Sammer als Chef – erinnert er daran, dass die Dresdner bereits in der Hinrunde die Gejagten waren. Sorge bereitet ihm das nicht. „Die Mannschaft macht einen sehr willigen und fokussierten Eindruck, jedem ist bewusst, dass wir noch einen weiten Weg zu gehen haben“, sagt Neuhaus.

Die elf Punkte Differenz auf Großaspach und Aue sind ihm vorm Restrückrundenbeginn am Sonnabend in Erfurt gerade recht. Zumindest geben sie so viel Sicherheit, dass Kapitän Michael Hefele für den Fall des Nichtaufstiegs das Ende seiner Fußballlaufbahn angekündigt hat. Ein kleiner Spaß, natürlich. Minge setzt indes auf volle Ernsthaftigkeit. „Bitte kein Konsequenzdenken“, fordert er. Ein Satz übrigens, den sein Bruder im Geiste in München wohl so ähnlich formulieren würde.

Was wäre wenn ist also nicht, sondern: „Erst feiern, wenn es was zu feiern gibt“, sagt wiederum Neuhaus. Klingt gut, ist frei übersetzt jedoch nichts anderes als der Satz mit den fünf Wörtern.