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Dynamos Sorgenfall, der keiner mehr ist

Der Verein hat ein Stürmerproblem? Haris Duljevic ist drauf und dran, das zu ändern – weil der bosnische Nationalspieler selbst wie verändert auftritt.

Moussa Koné schaut fordernd auf den Ball, aber Haris Duljevic setzt zum Solo an und vollendet – gegen Unterhaching hat das geklappt. Aber ist Dynamos Stürmer-Problem damit schon geklärt.
Moussa Koné schaut fordernd auf den Ball, aber Haris Duljevic setzt zum Solo an und vollendet – gegen Unterhaching hat das geklappt. Aber ist Dynamos Stürmer-Problem damit schon geklärt. © Lutz Hentschel

Seine zwei Aktionen lassen alle Zweifel für einen Moment verschwinden. Dynamo hat ein Stürmerproblem? Von wegen! 

Den Sololauf über das halbe Spielfeld schließt Haris Duljevic mit einem überlegten Schuss zur Führung ab. Keine fünf Minuten später trickst er mit technischer Finesse drei Gegenspieler im Strafraum aus, steht frei vorm Torwart und schiebt den Ball zum 2:0 gekonnt an ihm vorbei. Das Spiel ist entschieden – dank Duljevic.

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Nur ist diese Partie am Dienstag lediglich ein Test gewesen mit Unterhaching als Gegner, einem mittelmäßigen Drittligisten. Fakt ist aber auch: Solche Tore, egal gegen wen, macht man nur, wenn das Selbstbewusstsein stimmt. Sieht Duljevic am Tag danach ganz genauso. „Ja, das stimmt. Mein Selbstvertrauen ist wieder da. Und ich bin auch glücklich über die beiden Tore“, sagt der 25-Jährige, der sich so langsam zu Dynamos bestem Angreifer entwickelt.

Schon in den Tagen zuvor hat er im Training, bevor er sich aufgrund einer Schienbeinprellung eine kleine Auszeit gönnte, einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Duljevic, dem das Image der launigen Diva anhaftet, wirkt voll integriert in die Mannschaft, selbst hoch motiviert und vor allem gelöst. Die Zeiten, als er mutmaßlich lustlos über den Platz trabte und in Ligaspielen nach verlorenen Zweikämpfen lieber mit dem Schiedsrichter haderte als zurückzulaufen, sind fürs Erste vorbei. Was haben sie ihn dafür nicht immer kritisiert, die Fans im Stadion genauso lauthals wie die Cheftrainer vor Cristian Fiel. Der aber hat nun offenbar erkannt, wie Duljevic behandelt werden muss: mit Vertrauen und Strenge, dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche also – jedoch jeweils zum passenden Zeitpunkt und in der richtigen Dosis.

Angreifer sind rar

„Ich bin ein Typ, der Selbstvertrauen braucht, den Zuspruch vom Trainer. Ich spüre sein Vertrauen, er redet oft und auch ehrlich mit mir“, berichtet Duljevic von seinem Verhältnis zu Fiel – und wiederholt damit, was er bereits zum Ende der Vorsaison im Interview mit der Sächsischen Zeitung gesagt hat. Gleich nach der Amtsübernahme Ende Februar habe Fiel mit ihm gesprochen. Angenehm sei das nicht gewesen, was der neue Cheftrainer damals zu sagen hatte. „Er hat mich nicht etwa gelobt, sondern mir klar gesagt, was er von mir verlangt“, meinte Duljevic, der seitdem öfter das macht, wofür Dynamo ihn im August 2017 verpflichtet hat: den entscheidenden Unterschied.

Womöglich hat das auch mit der neuen Position im System Fiel zu tun, das zwei Angreifer vorsieht. Statt Außenstürmer wie unter Uwe Neuhaus und Maik Walpurgis, der den sensiblen Bosnier nur noch ganz selten spielen ließ, ist Duljevic jetzt Stürmer. „Die Position passt mir gut. Ich spiele zentraler und bin schneller vorm gegnerischen Tor“, sagt er und freut sich nicht zuletzt über die Freiheiten, die ihm Fiel auf dem Platz einräumt. Defensivarbeit, daran wird sich nichts ändern, können die meisten anderen in der Mannschaft wesentlich besser.

Fiel sieht es pragmatisch. „Haris hat offensiv immer seine Aktionen, und trotzdem ist Fußball ein Mannschaftssport, bei dem wir auch gegen den Ball arbeiten müssen. Jeder hat da seine Aufgabe, auch Haris“, sagt der Trainer, dem mit Duljevic’ Versetzung in den Angriff dennoch ein taktischer Kniff gelingt. Und zugleich sorgt Fiel damit einigermaßen für Balance im Kader. Mittelfeldspieler hat Dynamo jedenfalls mehr als genug, auch für die Offensive. Angreifer hingegen sind rar, erst recht torgefährliche.

Entsprechend groß ist der Handlungsdruck. Die Suche nach einem Mittelstürmer hat allerhöchste Priorität, zumal sich mit Dario Lezcano in dieser Woche ein möglicher Kandidat anders entschied. Der bisherige Ingolstädter, dessen Gehaltsvorstellungen sich mit einem mittleren fünfstelligen Betrag pro Monat ohnehin in für Dynamos Verhältnisse schwer darstellbaren Dimensionen bewegten, wechselt lieber nach Mexiko.

Freude auf Paris Saint-Germain

Solche Namen interessieren Duljevic nicht, die Suche nach einem Neuzugang hat er aber sehr wohl mitbekommen. „In jedem Verein gibt es Konkurrenz, das ist doch selbstverständlich“, sagt er. Aus der Ruhe lässt er sich, zumindest im Gespräch mit den Journalisten im Trainingslager, davon aber nicht bringen. „Das ist kein Problem. Wenn ich meine Leistung bringe, dann werde ich meine Spiele machen.“

Dass es auch diesmal die Frage nach seinem Bekenntnis zum Verein gibt, hat er zum einen erwartet, zum anderen klappt das mit dem Verstehen auch abseits des Platzes offenbar immer besser. Er beginnt mit der Antwort, noch bevor Torwarttrainer Branislav Arsenovic für ihn übersetzt hat. „Ich bin Spieler von Dynamo Dresden, so denke und handele ich. Doch wir wissen alle, wie schnell es im Fußball in viele Richtungen geht“, sagt Duljevic – und meint das nun konkret nicht auf das Spielfeld bezogen. Sein Vertrag läuft bis 2020, es wäre also Dynamos vorletzte Chance, eine Ablöse zu erzielen. Dass er noch in dieser Sommerpause wechselt, erscheint im Moment aber genauso abwegig wie eine Verlängerung in Dresden. „Ich habe einen Vertrag, und dann werden wir sehen, wie es weitergeht“, betont Duljevic.

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Erst einmal freue er sich auf das nächste Testspiel – am Dienstagabend gegen die Weltauswahl von Paris Saint-Germain. „Gegen so eine Mannschaft spielst du vielleicht nur einmal im Leben. Für mich, den ganzen Verein und die Stadt ist das eine tolle Sache. Ich hoffe, wir haben alle einen guten Abend“, sagt Duljevic, wohlwissend, dass ihm solche Aktionen wie gegen Unterhaching nicht gelingen werden. Und wenn doch … Sein Traum ist und bleibt, auch das ist kein Geheimnis, die erste Liga.

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