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Dynamo zahlt halbe Million an Berater

Die 36 Bundesligisten veröffentlichen erstmals ihre Wirtschaftsdaten. Bei den Dresdnern tauchen Schulden von mehr als zwei Millionen Euro auf.

Michael Born ist als kaufmännischer Geschäftsführer bei Dynamo der Mann der Zahlen.
Michael Born ist als kaufmännischer Geschäftsführer bei Dynamo der Mann der Zahlen. © Robert Michael

Bisher waren es gut gehütete Geheimnisse – zumindest bei manchen Vereinen. Im Dezember 2018 beschlossen die 36 Bundesligisten mit einer Zweidrittel-Mehrheit, auch auf leichten Druck hin, dies zu ändern. Einmal im Jahr veröffentlicht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nun die Wirtschaftsdaten aller Erst- und Zweitligisten, also auch von Dynamo. 

„Wir haben damit kein Problem, informieren unsere Mitglieder ja ohnehin regelmäßig über die finanzielle Lage“, meint der kaufmännische Geschäftsführer der Dresdner, Michael Born. „Es trägt auf jeden Fall dazu bei, dass es nun transparenter ist.“

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Als das Zahlenwerk Ende Mai erschien, sorgten vor allem die Honorare für die Spielerberater für Aufsehen, die waren selbst bei den auskunftsfreudigen Vereinen bisher tabu. In der Saison 2017/18 – darauf beziehen sich sämtliche Angaben – gaben die Klubs zusammen fast 200 Millionen Euro für die Vermittler aus. Das ist mehr Geld, als 30 der 36 Erst- und Zweitligisten in dieser Spielzeit an Umsatz erzielten. Einsamer Spitzenreiter ist Borussia Dortmund mit knapp 41 Millionen Honorar-Euros.

© SZ-Grafik

Dynamo überwies im Vergleich dazu nahezu bescheidene 540 000 Euro an die Berater. Damit liegen die Schwarz-Gelben unter den Zweitligisten auf Platz elf. Viel Geld ist es trotzdem – und ein Posten, den Born gern einsparen würde. „Dann kämen aber einige Spieler nicht zu uns. Das muss man so klar sagen. Es ist in der Branche absolut üblich, Berater zu honorieren“, erklärt er.

Mit der Thematik kennt er sich bestens aus. Als er noch in Paderborn unter Vertrag stand, gehörte er einer Arbeitsgruppe der DFL an, die genau dafür Regularien formulieren sollte. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass es kaum etwas bringt, für den nationalen Markt Beschränkungen einzuführen, die international nicht gelten. „Dann würden die Spieler nicht mehr innerhalb der Bundesligen wechseln, sondern ins Ausland gehen“, so Born.

Üblich sind Honorare zwischen fünf und acht Prozent des Jahres-Bruttoeinkommens eines Profis. Manche Klubs zahlen auch zehn Prozent des Gesamtgehaltes des Spielers, also inklusive der Prämien. Bei Spitzenvereinen wie Dortmund und dem FC Bayern wird der Vermittler mit einem einzigen Transfer schon mal Millionär. Damit ist klar: Weil die Spieler immer mehr verdienen, bekommen auch die Berater immer höhere Provisionen.

Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fordert schon seit Jahren, dass die Spieler diese Honorare übernehmen sollten und nicht die Vereine. Gregor Reiter, Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV), kann die Aufregung nicht verstehen und verweist darauf, dass die Vereine das Geld nicht verschenken würden. „Wenn sie dies täten, würden sich die Verantwortlichen strafbar machen. Die Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit gezahlten Beraterhonoraren meines Wissens in Deutschland aber noch nie ermittelt“, sagt der Rechtsanwalt.

Finanzielle Möglichkeiten gleich sportlicher Erfolg

Born findet, dass man nicht einen gesamten Berufsstand über einen Kamm scheren sollte. „Aber natürlich gibt es die schwarzen Schafe, die unmoralische Forderungen stellen. Die haben bei uns jedoch keine Chance“, erklärt er. „Prinzipiell sind wir bei den Verhandlungen bemüht, diese Kosten zu drücken.“ Doch wie auf dem Rasen gilt auch hier: Es ist ein Wettbewerb. Wer nicht mithalten kann oder will, wird am Ende beim Transferpoker verlieren.

Dies gilt auch mit Blick auf die weiteren Zahlen, die von der DFL veröffentlicht wurden. So gab Dynamo fürs Personal, darin sind der Trainerstab, Betreuer, das Management und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle inbegriffen, 11,9 Millionen Euro aus – auch das ist im Ligavergleich Platz elf. Am Ende der abgelaufenen Saison war die Mannschaft auf Tabellenplatz zwölf gelandet. So gesehen hat sie also keineswegs enttäuscht. Oder doch?

Born verweist auf das Beispiel des SC Paderborn. „Gemessen an den Zahlen hätten sie auf den hinteren Plätzen landen müssen, statt aufzusteigen. Es ist immer erfrischend, zu sehen, dass offensichtlich auch mit weniger Geld viel möglich ist. Prinzipiell gibt es aber eine Korrelation zwischen den finanziellen Möglichkeiten und dem sportlichen Erfolg.“

Dynamo muss für die Miete fürs Rudolf-Harbig-Stadion überdurchschnittlich viel zahlen.
Dynamo muss für die Miete fürs Rudolf-Harbig-Stadion überdurchschnittlich viel zahlen. © Robert Michael

Die finanziellen Möglichkeiten für den Profi-Kader, auch das zeigen die Zahlen, könnten durchaus besser sein. Beim Etat, der 30,8 Millionen Euro betrug, lag Dynamo unter den Zweitligisten auf Platz acht. Die logische Schlussfolgerung: Vom großen Kuchen bleibt zu wenig bei der Mannschaft von Cristian Fiel hängen. Und das liegt an den Ausgaben, die unter dem Stichwort betriebliche Aufwendungen zusammengefasst werden. „Im Schnitt gaben die Zweitligisten 6,2 Millionen Euro für die Absicherung des Spielbetriebes aus, wir 9,1 Millionen“, vergleicht Born. Und das liegt vor allem an der Miete fürs Rudolf-Harbig-Stadion, für die Dynamo überdurchschnittlich viel zahlen muss.

Aufgelistet wurden von der DFL auch die Verbindlichkeiten der Vereine. Bei den Dresdnern betrugen sie am Ende der Saison 2017/18 exakt 2,178 Millionen Euro. Wie kann das sein? Nach der Rückzahlung des Kölmel-Darlehens im März 2016 gilt der Verein doch als schuldenfrei. „Die Erklärung ist einfach“, erläutert Born. „Das bezieht sich auf den Bilanzstichtag.“ Das war der 30. Juni 2018. „Wenn da zum Beispiel Lieferungen noch nicht bezahlt waren, sind das Verbindlichkeiten. Aber das sind keine Schulden im klassischen Sinn.“

Ein Blick zu den 35 anderen Bundesligisten belegt das. Ausnahmslos alle hatten da Verbindlichkeiten.

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