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E-Bikes brauchen mehr Zuwendung

Bei Fahrrädern mit Elektromotor ist vieles anders: Pflege, Unterhaltskosten, Ersatzteile – ein Überblick.

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Beim Pedelec besonders wichtig: Putzen und Einstellarbeiten an der normalen Fahrradtechnik – etwa den Federn.
Beim Pedelec besonders wichtig: Putzen und Einstellarbeiten an der normalen Fahrradtechnik – etwa den Federn. © Flyer Bikes/dpa

Von Peter Löschinger

Haben Sie ein Fahrrad? Aber schon länger nicht mehr gefahren? Egal: Mit ein paar Handgriffen und Ersatzteilen lässt sich das alte Gefährt aus dem Keller sicher wieder flott bekommen. Bei Elektrofahrrädern, die oft als Pedelecs oder E-Bikes bezeichnet werden, kann das nach einigen Jahren völlig anders aussehen. Was ist, wenn der Akku hinüber und nicht mehr lieferbar ist? Wie viel Zuwendung brauchen E-Räder, bei denen der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) seit Jahren steigende Absatzzahlen verzeichnet?

Schlechte Pflege rächt sich schneller

Die grundsätzliche Pflege und Reparaturen laufen wie beim normalen Fahrrad ab. „Also genauso oft die Kette ölen, auf die Bremsen oder auf den Luftdruck achten“, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad. Er rät aber dabei zu erhöhter Achtsamkeit. So könnten aufgrund der stärkeren Antriebskraft ungepflegte Teile wie Kette oder Ritzel schneller verschleißen. Schlechte Pflege rächt sich bei Elektrofahrrädern früher. Je nach Ausführung, Gattung oder Motor sind sie schwerer als normale Räder. „Im Schnitt kann man von zwischen plus acht und zwölf Kilo ausgehen“, sagt Koßmann. Das merken insbesondere die Reifen, die etwas schneller Gummi lassen, auch weil sie öfter ein höheres Tempo aushalten müssen.

Vielfahrer müssen öfter zum Check

Der richtige Luftdruck und dessen penible Kontrolle sind daher umso wichtiger. Viele Reifen sind ab Werk für die höheren Belastungen ausgelegt und als Erstausrüstung am Rad. Diese Pneus werden oft als „E-Bike-tauglich“ oder „E-Bike-ready“ vermarktet. Wer Ersatz braucht, sollte darauf achten. Bei der Pflege rät Tamara Winograd vom E-Rad-Komponentenhersteller Bosch dazu, groben Schmutz zwischen Kettenblatt und Lager zu entfernen. „Idealerweise putzt man sein Pedelec nach jeder E-Bike-Tour, damit sich der Schmutz nicht festsetzt. Also so oft wie möglich und nötig.“ Ein Hochdruckreiniger ist dabei allerdings tabu.

Generell bringen Radler ihr Gefährt besser einmal im Jahr zum Check in die Werkstatt. Das gilt auch für Elektrofahrräder – allerdings als Untergrenze. Wer etwa ganzjährig pendelt, bringe es lieber zweimal – im Frühjahr und im Herbst – zur Durchsicht, rät Koßmann.

Fehlercodes finden sich im Internet

Sie wollen losradeln, aber der Motor unterstützt nicht mehr – was ist nun zu tun? In den meisten Fällen geht nicht der Motor selbst kaputt. „Die sind ziemlich robust gebaut und auf eine lange Betriebsdauer ausgelegt“, sagt Koßmann. Manchmal zeigt das Display einen Fehlercode an. Ganz häufig ist nur etwas verstellt oder verdreht, etwa ein Sensor am Hinterrad, der die Geschwindigkeit misst. Deshalb kann man sich auch erst einmal gut selbst auf Fehlersuche begeben und das Internet befragen, falls einem ein Fehlercode unbekannt sein sollte.

Manche Hersteller tauschen Motoren

„Prinzipiell sind Elektromotoren relativ wartungsarm und verschleißfrei“, sagt David Eisenberger vom ZIV. Gängige einfache Störungen könnten zumeist vom Fachhändler behoben werden. Diese werden auf die entsprechenden Systeme auch geschult. Bei größeren Defekten muss der Motor eingeschickt werden. Der Hersteller Bosch beispielsweise tauscht dann nach eigenen Angaben innerhalb der Gewährleistung die betroffene Einheit aus – es sei denn, dass unsachgemäßer Gebrauch ursächlich für den Defekt ist.

Rumbasteln lässt Garantie erlöschen

Ein Austauschmotor außerhalb von Garantiefällen mache bei günstigen Modellen wirtschaftlich dagegen vermutlich keinen Sinn, meint David Eisenberger. „Der kann je nach Modell zwischen 800 und 1.000 Euro inklusive Einbau kosten.“ Von Reparaturen in Eigenregie raten die Experten ab. „Die Antriebseinheit und auch die anderen Komponenten dürfen keinesfalls geöffnet werden“, warnt Tamara Winograd von Bosch. „Bei Öffnung der Komponenten erlischt jeglicher Gewährleistungs- und Garantieanspruch.“

System vor Überhitzung schützen

Bei älteren E-Rädern und speziell bei Nabenmotoren kann zuweilen das System überhitzen – insbesondere bei längerer Bergauffahrt, wenn man nur ganz leicht tritt und den Motor die ganze Arbeit machen lässt. „Dann reicht mitunter die Hitzeableitung nicht aus und der Motor schaltet ab“, erklärt Koßmann. Er mag dieses Problem auch bei modernen Pedelecs nicht ganz ausschließen, speziell bei schweren Lastenrädern. Daher unbedingt die zugelassen Gesamtgewichte beachten. Wie lange ein Motor hält, lässt sich pauschal nicht sagen. Das hängt immer von der individuellen Nutzungsrealität ab. „E-Bikes sind ja erst seit fünf bis sieben Jahren ein großes Thema. Da liegen dazu auch erst relative schmale Erkenntnisse vor“, so Koßmann.

Auf Ersatzteilnachschub achten

„Von den Unterhaltskosten ist ein E-Bike sicherlich höher anzusiedeln als ein normales Fahrrad“, erklärt Eisenberger. „Die Ersatzteilfrage sollten Kunden in Bezug auf Akku und Motor gleich beim Kauf ansprechen.“ Um auf der sichereren Seite zu sein, rät Koßmann zu Pedelecs, die mit Motoren großer Hersteller wie Bosch, Brose, Panasonic oder Yamaha fahren. „Bei einem E-Bike aus dem Internet mit China-Motor für 1.000 Euro weiß ich nicht sicher, ob ich in vier oder gar in zehn Jahren noch Ersatzteile oder einen passenden Akku bekomme“, sagt er. (dpa)