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Leben und Stil

E-Bikes erobern die Berge

Mountainbikes mit Motor sind der Trend auf den E-Bike-Days in Dresden. Was für Sachsen gut ist, sorgt in den Alpen bereits für große Probleme.

Höher, weiter, schneller: E-Mountainbikes wie das Uproc 7 des Herstellers Flyer lassen jedermann Berge bezwingen. Ein ins Unterrohr integrierter Akku mit einer Kapazität von 630 Wattstunden zeigt, wo die Reise in der E-Bike-Branche künftig hingeht.
Höher, weiter, schneller: E-Mountainbikes wie das Uproc 7 des Herstellers Flyer lassen jedermann Berge bezwingen. Ein ins Unterrohr integrierter Akku mit einer Kapazität von 630 Wattstunden zeigt, wo die Reise in der E-Bike-Branche künftig hingeht. © www.flyer-bikes.com/pd-f

Radfahren mit E-Antrieb wird sportlicher: Dank Motorkraft wollen viele nun auch Berge und steile Distanzen per Rad bewältigen, die sonst undenkbar wären. Diesen Trend beobachtet Radprofi Michael Huhn. Seit Jahren ist der Radhändler aus Radebeul auf E-Bikes spezialisiert und auch bei den E-Bike-Days am kommenden Wochenende in Dresden dabei. „E-Bikes erreichen zunehmend ein aktives Klientel, das seine persönlichen Leistungsgrenzen am Berg mit Motor ausgleichen will.“

Der Markt für sportliche E-Bikes wächst. Erstmals wurden laut Verband Zweirad Industrie 2018 mehr E-Mountainbikes verkauft als klassische Mountainbikes. Gut 250.000 Stück waren es. „Wir gehen davon aus, dass es künftig noch mehr werden“, so Sprecher David Eisenberger. „Das Image des Rentnergefährts, das E-Bikes lange anhaftete, ist mit differenzierten, sportlichen Varianten passé.“ 2018 rangierten E-Mountainbikes mit 25 Prozent auf Platz drei der verkauften E-Räder – hinter E-Trekking- und E-City-Rädern.

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In den Alpen sorgt der neue Breitensport per E-Antrieb aber schon für Kritik. Der Naturschutzbund Bayern spricht vom „Störfaktor“: Wanderer würden behindert, Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes wird in der Alpin-Unfalldatenbank zwar nicht gesondert erhoben, dennoch gebe es in den letzten zehn Jahren mehr Mountainbike-Unfälle in den Bergen. Das beobachtet das Kuratorium für alpine Sicherheit in Österreich. Vier Prozent aller Mountainbike-Unfälle würden sich mit E-Bikes ereignen. Man rechne mit einer weiteren Zunahme. Das bestätigt auch die Bergwacht Bayern. Zu 591 Radunfällen mussten die Einsatzkräfte 2018 ausrücken – eine Steigerung um 31 Prozent zu 2017. Die Probleme mit E-Bikes kennt Sprecher Thomas Griesbeck: Es komme vor, dass Akkus auf dem Gipfel leer sind und dann die Abfahrt überfordert. Gerade ungeübten, schwächeren Personen fehle die Kraft, die meist 20 Kilogramm schweren E-Räder zu beherrschen. „So passieren Stürze. Viele fahren auch auf schmalen Wegen in sehr entlegene Regionen. Mit unseren Fahrzeugen kommen wir im Notfall nicht immer dorthin.“ Deshalb würden derzeit schmalere Rettungsfahrzeuge getestet.

Manchmal wird es richtig eng

Vor Selbstüberschätzung warnt zudem das Mountainbike-Tourismusforum. Viele E-Bike-Neulinge nehmen laut Referentin Anne Heidemüller weitere und steilere Distanzen, weil sie auf den E-Motor vertrauen. Kreislaufprobleme und Dehydrierung könnten dann bei der Abfahrt zum Problem werden. Eine gute Einweisung ins E-Rad sei daher nötig, um etwa richtig Bremsen zu lernen. Trotz der Gefahren betont Heidemüller aber auch: „Dank E-Bike können Menschen, die gesundheitlich oder aus Altersgründen in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind, wieder Natur genießen und an Freizeitsport teilhaben. Das gilt auch für Kinder oder Frauen, die weniger Kraft als ihr Partner haben.“

Mehr Bewegung in den Höhen führt derweil auch zu ersten Engpässen im Erzgebirge. Das berichtet Ronny Schwarz vom Tourismusverband. Ein Grund: mehr E-Bikes. Gerade für Mountainbikesportler wird es an Wochenenden und Feiertagen etwa im Trailcenter Rabenberg oder im Trailpark Klinovec eng. „Tagesausflügler kommen hier sehr geballt“, so Schwarz. Dennoch wird der E-Mountainbike-Trend begrüßt. In den letzten Jahren seien attraktive Angebote entstanden. Etwa der Stoneman Miriquidi – ein 162 Kilometer langer Rundkurs, der über neun der höchsten Gipfel des sächsisch-böhmischen Erzgebirges und 4.400 Höhenmeter verläuft. Wichtig sei laut Schwarz, die Interessen aller Ausflügler gleich zu behandeln. Mit E-Bikes könne die Region durchaus ein neues Klientel erschließen. In den Wegeausbau solle deshalb künftig investiert werden.

E-Bike-Days zur Sachsenkrad

Die E-Bike-Days sind Teil der Motorradmesse Sachsenkrad und finden vom 17. bis 19. Januar auf der Dresdner Messe statt. 130 Aussteller präsentieren auf 10.000 Quadratmetern neue Zweiradmodelle und ein Showprogramm.

Öffnungszeiten: Freitag, 11 bis 18 Uhr, Samstag/Sonntag 10 bis 18 Uhr

Eintritt: 8 Euro (4 Euro ermäßigt für Schüler, Studenten, Auszubildende), ADAC-Mitglieder und Rentner 6,50 Euro, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren kostenfrei.

Tickets: Tageskasse oder online unter www.sachsenkrad.de/tickets, Parktickets kosten 5 Euro.

Messetipp 1: Ein Indoor-Testparcours ermöglicht Besuchern, neue E-Modelle Probe zu fahren.

Messetipp 2: Wie man auf dem E-Bike richtig trainiert, zeigt der Kanu-Olympiasieger und Weltmeister Tom Liebscher am 18. Januar, 15 Uhr, in Halle 2. 

Messetipp 3: Auch einen Blick in die Zukunft können Messe-Gäste werfen: Gezeigt wird ein besonders leichtes E-Rennrad mit nur 11,9 Kilogramm Gewicht.

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Ähnlich die Einschätzung in der Sächsischen Schweiz: „Mehr und mehr Menschen nutzen E-Bikes“, ordnet Tourismussprecherin Mandy Krebs ein. E-Mountainbikes spielten aber eine eher geringe Rolle. Dafür sei die Sächsische Schweiz nicht bergig genug. Auch Konflikte zwischen Wanderern und E-Bikern seien ihr nicht bekannt. Im Nationalpark sei Radfahren ohnehin nur auf beschilderten Routen von 50 Kilometern erlaubt. „Natürlich begrüßen wir Projekte, wie das der Stadt Sebnitz, die gern einen Trailpark eröffnen möchte. Damit wird das Angebot der Region aufgewertet“, sagt Krebs. Auch bessere Verbindungen in die Oberlausitz oder das Osterzgebirge seien wünschenswert. 

Weiter fahren dank besserer Akkus

Wachstumspotenzial im Tourismus sieht auch Lutz Klingner. Mit dem Giant-Testcenter ist der Radanbieter erstmals bei den E-Bike-Days dabei. Er prognostiziert: „Das E-Bike wird das Rad – ob Trekking- oder Mountainbike – nicht ersetzen, sondern ergänzen. Es gibt zwei Nutzergruppen: Touristen, die E-Bikes für Ausflüge leihen, und Alltagsradler, die vom Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln umsteigen.“ Wer ohnehin schon passioniert Rad fährt, steige eher nicht um.

Dem Wunsch nach sportlichen E-Rädern kommen auch Hersteller nach. Getüftelt wird an leichten Rädern mit kleinen, leistungsfähigen Motoren, so E-Bike-Kenner Huhn von der Tretmühle. „Bosch stellt nun einen Akku mit 625 Wattstunden vor. Bisher waren 500 Wattstunden üblich.“ Im Schnitt könne man mit dem 500er-Akku zwischen 80 und 100 Kilometern fahren, mit stärkerem Akku zwischen 110 und 130 Kilometer – je nach Terrain, Gewicht, Fahrstil und Unterstützungsstufe.

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Auch Systemintegration sei laut Huhn im Kommen. Das heißt, Akkus verschwinden im Rahmen. Die Vorteile: Eine elegante Optik, ein optimaler Schwerpunkt, bessere Diebstahlsicherung, Schutz vor Nässe und Schmutz. Die Nachteile: Der Akku-Wechsel ist etwas aufwendiger. Problematisch kann es laut Pressedienst Fahrrad mit fest integrierten Akkus werden: Wer nur Steckdosen in der Wohnung hat, muss dann das E-Bike für jeden Ladevorgang in die Wohnung tragen. Auch Doppel-Akkus bringen mehr Reichweite. Rahmen, die sich in der Mitte falten lassen, ermöglichen es künftig, das Rad platzsparend unterzustellen, es im Zug oder Wohnmobil zu transportieren.

Langfristig wird jedes dritte Rad auf deutschen Straßen ein E-Bike sein. Davon geht der Verband Zweirad Industrie aus. Erkennbar sind sie dann wohl kaum noch.

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