merken
PLUS Bautzen

Die Stunde der Fahrradläden

Statt zu verreisen, kaufen viele Leute jetzt Räder. Das freut die Händler in Bautzen und Umgebung. Trotzdem treibt sie eine Sorge um.

Stefan Wiesner verkauft in seinem Bikepoint in Bautzen aktuell sehr viele E-Bikes. Andere Fahrradhändler aus der Region machen derzeit ebenfalls gute Geschäfte.
Stefan Wiesner verkauft in seinem Bikepoint in Bautzen aktuell sehr viele E-Bikes. Andere Fahrradhändler aus der Region machen derzeit ebenfalls gute Geschäfte. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Stefan Wiesner hat viel zu tun. Sächsische.de brauchte mehrere Anläufe, um den Inhaber von Bikepoint Wiesner für Fragen zum aktuellen Fahrradgeschäft ans Telefon zu bekommen. Und als es darum geht, wann der Fotograf in der Bautzener Filiale erscheinen kann, sagt Stefan Wiesner: „Wenn, dann jetzt.“

Jetzt ist offenbar auch die Stunde der Fahrradläden in Bautzen und Umgebung. Die Werkstadt des Bikepoints ist ausgelastet. Der Verkauf ist stark gestiegen, sagt der Inhaber. „Viele Menschen haben ihren Urlaub abgesagt, oder er wurde storniert. Dieses Geld wird jetzt in Fahrräder investiert, vor allem E-Bikes.“ Aber nicht nur. Das komplette Sortiment sei nachgefragt und werde auch verkauft. Als Stefan Wiesner seine Filialen in Bautzen, Hoyerswerda und Görlitz wieder öffnen durfte, ging es „von 0 auf 100“.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Bei Tobias Hildebrand ist es ähnlich. Der Inhaber von Hitbikes aus Schirgiswalde verzeichnet einen enormen Geschäftszuwachs. Und er bestätigt das Urlaubsargument seines Bautzener Kollegen. „Die Leute können nicht in den Urlaub, wollen aber raus und sich bewegen. Also steigen sie aufs Fahrrad. Wenn es eine Branche gibt, die man als Gewinner bezeichnen könnte, dann sind wir das.“ Und auch bei seinen Kunden stehen E-Bikes sehr hoch im Kurs. „Davon verkaufen wir Unmengen.“ 

Auch die alten Räder sollen wieder rollen

Jens-Uwe Schneider von Fahrrad Schneider im Bautzener Ortsteil Burk hat ebenfalls ständig Kunden in seinem Geschäft und kaum Zeit, die Fragen von Sächsische.de zu beantworten. Das Geschäft laufe sehr gut, sowohl die Werkstatt als auch der Verkauf.

Bei Little John Bikes mit deutschlandweiten Filialen, darunter in Bautzen und Neukirch/Lausitz, ist es genauso, bestätigt Inhaber Steffen John. „Neben dem weiterhin sehr guten E-Bike-Verkauf laufen auch die Einstiegsräder für Kinder, Jugendliche und Erwachsene hervorragend. Und dazu kommen die enorm steigenden Reparaturen, weil uns viele Leute ihre alten Räder bringen, die im Keller standen und jetzt wieder fahren sollen.“

Dass die Branche gute Geschäfte macht, ist keine völlig neue Entwicklung. 2019 haben Fahrradläden in Deutschland 34 Prozent mehr Umsatz erzielt als ein Jahr zuvor. Dieses Ergebnis könnte trotz der vorübergehenden Schließungen der Läden im März und April in diesem Jahr noch gesteigert werden. Dazu müsste das Geschäft so weiterlaufen, wie es das derzeit tut.

Laut dem Verband des Deutschen Zweiradhandels lagen die Umsatzeinbußen in der coronabedingten Pause bei 30 bis 60 Prozent. Dass man das aufholen könne, glaubt Tobias Hildebrand. „Momentan verkaufen wir doppelt so viele E-Bikes wie 2019. Die normale Fahrradsaison im Frühjahr ist immer gut, und jetzt ist eben noch etwas dazugekommen." Auch von den Trekkingrädern, die er und sein Team zusammenbauen, gingen mehr weg. Manche Kunden, die erst im Sommer oder Herbst gekauft hätten, kauften bereits jetzt. „Und tendenziell kaufen die Leute hochwertigere Räder, die mehr kosten, aber auch länger halten. Das ist nachhaltig und natürlich gut so.“ Fahrradfahren stehe schließlich für den aktuellen Zeitgeist, bei dem es etwa um weniger CO2-Ausstoß und viel Bewegung gehe.

Händler machen Ausfälle jetzt wieder wett

Die Händler können auch deshalb so viel verkaufen, weil ihre Lager noch gefüllt sind. Stefan Wiesner sagt, er habe die Situation mit vielen möglichen Urlaubsabsagen kommen sehen und deshalb keine Lieferungen storniert. Er kann sich vorstellen, die fehlenden Umsätze vom März und April wettzumachen. „Wir haben etwas verloren, aber die Saison läuft ja bis in den Sommer hinein. Entscheidend wird sein, ob unsere Lieferanten auch noch im Herbst nachkommen.“

Das es dann zu Schwierigkeiten kommen könnte, hängt für Tobias Hildebrand mit der Kurzarbeit zusammen. „Viele Hersteller sind in Kurzarbeit gegangen, um Lohnnebenkosten zu sparen. Das merken wir hier und da. Man sollte also gut geordert haben. Bei uns bekommen die Kunden ihre Fahrräder aber.“

Steffen John ist da nicht so optimistisch. „Ich bin glücklich, dass wir mitten in der Krise so gute Geschäfte machen dürfen. Aber die Lieferketten sind zusammengebrochen.“ 90 Prozent der Teile kämen aus China. Deutsche Zulieferer oder Hersteller seien in Kurzarbeit gegangen. „Sie haben kein Material mehr aus Asien bekommen und konnten im März und April ja auch keine Fahrradläden beliefern. Sollte der Boom anhalten, könnte es passieren, dass wir Händler keine Ware mehr haben, die wir verkaufen können. Wir haben in Europa niemanden mehr, der Fahrradrahmen zusammenschweißt.“ In der jetzigen Phase zeigten sich eben die großen Nachteile, wenn fast der komplette Teil der Ware oder deren Einzelteile aus einer Region der Welt komme.

Weiterführende Artikel

Fahrrad-Markt boomt auch im Landkreis Bautzen

Fahrrad-Markt boomt auch im Landkreis Bautzen

Wie schon im ersten Corona-Jahr ist die Nachfrage nach Rädern auch 2021 riesig. Doch in die Freude über guten Umsatz mischt sich bei Händlern eine Sorge.

Gute Radhelme müssen nicht teuer sein

Gute Radhelme müssen nicht teuer sein

Bei Jugendlichen stehen Fahrradhelme im BMX-, Skate- oder Inline-Stil hoch im Kurs. Doch schützen diese Modelle auch gut? Ein ADAC-Test liefert die Antwort.

Corona: Diese Geschäfte haben noch immer zu

Corona: Diese Geschäfte haben noch immer zu

Fast alle Läden im Landkreis Bautzen sind wieder geöffnet. Doch es gibt Ausnahmen, vor allem eine Branche ist betroffen.

Mit dem kostenlosen Newsletter "Bautzen kompakt" starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Bautzen