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E-Mobil entzweit Nachbarn

Zwei Männer können sich nicht wegen eines im Flur abgestellten Fahrzeugs einigen. Nun hat das Amtsgericht Weißwasser zu dem Fall entschieden.

Von Jost Schmidtchen

Von wegen ländliche Idylle! Kürzlich hat das Amtsgericht Weißwasser einen Fall verhandelt, bei dem sich Nachbarn in die Haare gekriegt haben sollen. Und zwar so richtig. Anlass ist ein E-Mobil. Das gehört dem körperlich eingeschränkten Heinrich Z.* aus einem Ort nahe Schleife. Seinem 33 Jahre alten Nachbarn Volker P.* wird nun vorgeworfen, wegen eben jenes E-Mobils am 29. Oktober 2012, etwa 19 Uhr, Heinrich Z. die Wohnungstür entgegengeschleudert zu haben.

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Offenbar hat den jungen Mann gestört, dass Heinrich Z. sein Fahrzeug im Flur des Mietshauses abgestellt hatte. Der Mann mit dem Handicap soll im Zuge der Attacke bis ins Bad geflogen, gestürzt und zwischen Badewanne und Toilettenbecken schwer verletzt liegengeblieben sein. Der Angeklagte hat daraufhin von der Staatsanwaltschaft Görlitz einen Strafbefehl bekommen. Da er anderer Meinung darüber ist, wie das ihm Vorgeworfene passiert ist, hat er dagegen Einspruch eingelegt.

Der Angeklagte schilderte das Geschehen während seiner Vernehmung bei der Verhandlung ausführlich aus seiner Sicht. Am besagten Tag fuhren er und seine Familie aus zwei Gründen nach Cottbus. Zum einen, um einen Arzt aufzusuchen, zum anderen, um eine neue Waschmaschine zu kaufen. Mit dem Gerät im Kofferraum kam die Familie wieder zu Hause in der Nähe von Schleife an.

Doch daran, die Waschmaschine auszuladen und in die Wohnung zu tragen, war nicht zu denken. Das E-Mobil sowie ein Rollator, die beide Heinrich Z. gehören, versperrten den Weg. Einen zweiten Rollator nutzt der Mann mit Handicap in seiner Wohnung. Ein nachbarschaftlicher Zwist entstand, der sogar so weit ging, dass sich die Gemeinde Schleife einschaltete. In einer Mietvertragsänderung vom 25. Oktober 2012 wurde festgelegt, dass Heinrich Z. nur ein Fahrzeug im Hauseingang abstellen darf. Und das war der Rollator. Daran hielt er sich aber nicht.

Dadurch verzögerte sich erneut der Einbau der neuen Waschmaschine in der Wohnung von Familie P. Nachdem Ehefrau Anja zweimal vergeblich versucht hatte, mit dem körperlich eingeschränkten Mann zu sprechen, versuchte es Volker P. Da stand die Wohnungstür offen und Heinrich Z. lag schwer verletzt zwischen Badewanne und Toilettenbecken. Der Angeklagte schleppte den Behinderten auf das Stubensofa. Der lehnte jede Hilfe ab. Erst als ein Bekannter hinzukam, wurden schließlich Polizei und Rettungsdienst alarmiert.

Inzwischen lebt Heinrich Z. im altersgerechten Wohnen in Schleife, Familie P. verlässt ihren bisherigen Wohnort in Richtung Brandenburg. Die Frage, die bleibt, ist, was an jenem 29. Oktober 2012 wirklich passiert ist? Darauf gab es auch in der Hauptverhandlung keine eindeutige Antwort. Hat der Angeklagte den Geschädigten wirklich bis ins Bad geschleudert? Dann müsste der über einen rechten Winkel weit abgedriftet sein. Sehr weit, überhaupt nicht nachvollziehbar. Alkoholisierung war auch nicht nachweisbar. Warum stand die Wohnungstür offen? Weil Heinrich Z. seinen Katzen und dem Hund freien Zugang gewährte. Wahrscheinlich könnte er über den eigenen Hund gefallen sein. Ein Zeuge sagte aus, dass Heinrich Z. zum Lügen neige. All das sind Zustände in der Nachbarschaft, die nun beendet sind, denn alle am Streit beteiligten sind aus dem Mietshaus in der Nähe von Schleife ausgezogen.

Im Rahmen der Rechtssprechung kam es letztendlich noch zu einer knallharten Auseinandersetzung zwischen dem Staatsanwalt und Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs. Der Staatsanwalt empfahl die Rücknahme des Einspruchs gegen den Strafbefehl. Martin Hinrichs hingegen meinte, hier laufe alles auf einen Freispruch hinaus. Den verhängte der Amtsgerichtsdirektor dann auch antragsgemäß im Sinne der Rechtsanwältin von Volker P. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft kündigte Einspruch an.

* Namen von der Redaktion geändert.