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Zittau

Internet-Betrugsmasche mit Autoteilen

Im Namen des Zittauer Oldtimer-Spezialisten Jens Neumann-Weinbeer verkaufen Gauner Teile im Internet und liefern nicht. Der Schaden ist enorm.

Jens Neumann-Weinbeer und sein Oldtimerbetrieb wurden Opfer von Ebay-Betrügern.
Jens Neumann-Weinbeer und sein Oldtimerbetrieb wurden Opfer von Ebay-Betrügern. ©  Rafael Sampedro

Das Leben ist für viele Menschen so viel einfacher, seit es im Internet Ebay-Kleinanzeigen gibt. Die ganze Welt ein gigantischer Flohmarkt. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang - und man muss zum Stöbern und Kaufen nicht einmal das Haus verlassen. Jens Neumann-Weinbeer aus Zittau wünscht sich die Online-Plattform gerade am liebsten zum Teufel. Denn er ist mit seinem Unternehmen gerade Opfer eines großangelegten Internet-Betrugs geworden.

Jens Neumann-Weinbeer ist Geschäftsführer des jungen Unternehmens "Saxonia Oldtimers". Mit seiner Mannschaft hat er sich auf das Restaurieren seltener Oldtimer der Luxusklasse spezialisiert. Der Weihnachtsfrieden war für ihn vorbei, als er am 27. Dezember in sein Büro in der Zittauer Chopinstraße kam. "Ich wollte nur mal schnell nach dem rechten schauen, da sah ich auf dem Telefon einen Anruf in Abwesenheit vom 2. Weihnachtstag" erzählt er. Ein Anrufer aus Duisburg. "Ich rief zurück. Ein Mann wollte etwas über ein Teil für einen Porsche 356 wissen, die ich im Internet bei Ebay-Kleinanzeigen anbieten würde", schildert Neumann-Weinbeer. Porsche-Teile? Internet? "Ich habe dem Mann gesagt, dass wir keine Autoteile im Internet verkaufen", erzählt er. Doch sein Argwohn war geweckt. 

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Betrüger ergaunern mindestens 25.000 Euro

Jens Neumann-Weinbeer ging am Computer sofort auf das Online-Portal. "Ich habe einen Schock bekommen", sagt er. Denn bei Ebay-Kleinanzeigen fand er nicht nur jenes Porsche-Dachgestänge zum Preis von 2.250 Euro, sondern noch unzählige andere Oldtimer-Teile, die dort im Namen seiner Firma auf einem gewerblichen sogenannten "Pro-Account" zum Kauf angeboten wurden. Eine perfide Fälschung. "Name, Adresse und Telefonnummer meiner Firma sind dort korrekt angegeben", sagt er. Nur: "Die dort außer mir eingetragenen Geschäftsführer gibt es hier nicht." Und auch die angegebene E-Mail-Adresse war falsch. Jens Neumann-Weinbeer hatte genug gesehen. "Ich bin sofort zur Polizei in Zittau gefahren und habe Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Betruges erstattet", erzählt er. 

So sahen die gefälschten Angebote bei Ebay-Kleinanzeigen aus.
So sahen die gefälschten Angebote bei Ebay-Kleinanzeigen aus. © privat

Und Jens Neumann-Weinbeer ermittelte auch umgehend auf eigene Faust. "Ein Freund von mir hat sich zum Schein für eines der Angebote auf der Plattform interessiert und über eine Online-Nachricht den angeblichen Verkäufer kontaktiert", schildert Neumann-Weinbeer. Tatsächlich meldete sich daraufhin ein "Markus Dweib" mit angeblichem Wohnsitz in Zittau. Zum Beweis seiner wahren Identität schickte der seinem Freund auch per Internet die Kopie seines Personalausweises. Auf den ersten Blick ein echtes Dokument. Doch jenem "Markus Dweib" war ein plumper Fehler unterlaufen. "Auf der Rückseite, wo eigentlich das Ausstellungsdatum des Ausweises steht, ist der 9. März 2020 angegeben. Der Mann lebt also in der Zukunft", sagt Neumann-Weinbeer. Und die Zittauer Polizei habe aufgrund der ihr übermittelten Rufnummer der ominösen Person erste Ermittlungsergebnisse machen können. "Die Beamten fanden heraus, dass das Mobiltelefon zu der Nummer sich zum Zeitpunkt des Kontakts im Raum Berlin befand und dass die für die dazugehörige ältere SIM-Karte registrierte Identität gefälscht ist", erzählt Neumann-Weinbeer.

Der Internetbetrüger identifizierte sich mit einem gefälschten Personalausweis.
Der Internetbetrüger identifizierte sich mit einem gefälschten Personalausweis. © privat

Warum reagierte Ebay-Kleinanzeigen so spät?

Jens Neumann-Weinbeer hatte in den folgenden Tagen keine ruhige Minute mehr. Es zeigte sich, dass die Betrüger schon reichlich Beute gemacht hatten. Denn die hatten unter dem Namen seiner Firma zwar fleißig Teile per Internet verkauft - aber natürlich nie geliefert. "Bei mir haben sich ohne Ende geprellte Kunden gemeldet. Die wollten wissen, wo die gekauften Teile bleiben oder haben mich beschimpft", erzählt er. Von einigen betrogenen Kunden ließ er sich die gefälschten Rechnungen schicken, die die Betrüger ausgestellt hatten. "Sie ließen sich das Geld auf drei Konten überweisen", erzählt Neumann-Weinbeer. Er rechnete zusammen: Allein auf eines dieser Konten waren innerhalb weniger Tage gut 25.000 Euro überwiesen worden. "Insgesamt haben die Betrüger in meinem Namen Teile für über 100.000 Euro angeboten", sagt er.

Auch bei Ebay-Kleinanzeigen rief Jens Neumann-Weinbeer an. "Ich habe die auf den gefälschten Account hingewiesen, doch am Telefon hat man mir bloß gesagt, dafür sei eine andere Abteilung zuständig", erzählt er. "Auch viele geprellte Kunden haben Ebay-Kleinanzeigen ab dem 27. Dezember informiert, dass hier ein Betrug stattfindet." Erst im Laufe des 1. Januar aber habe Ebay-Kleinanzeigen die Angebote gesperrt. Neumann-Weinbeer ist sauer. Nicht nur, weil so viele Menschen um ihr Geld gebracht wurden, sondern weil er auch den Ruf seiner Firma ramponiert sieht. "Wie kann es bitte sein, dass Ebay-Kleinanzeigen einen Pro-Account eröffnet, ohne die Angaben des Anbieters zu überprüfen?", fragt er. Doch eine Antwort auf diese und andere Fragen blieb die Online-Plattform sowohl ihm als auch auf SZ-Anfrage bisher schuldig.

Wie sich Verbraucher schützen können

Jens Neumann-Weinbeer ist überzeugt, dass die Betrüger ganz bewusst den Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr für ihre Machenschaften ausgesucht haben. "Da gibt's eine hohe Wahrscheinlichkeit, ein paar Tage unentdeckt zu bleiben", sagt er. Er glaubt, mit seiner Firma ein Zufallsopfer der Betrüger geworden zu sein. "Solche Betrüger schauen regelmäßig ins Handelsregister. Und wenn es um den Verkauf von Oldtimer-Teilen geht, ist unser Name ideal für die."

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