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Löbau

"Tarzan von Ebersbach" steht vor Gericht

Ein junger Einbrecher hängt nackt an der Fassade einer Fabrikantenvilla und schrottet einen Krankenwagen. Warum er dennoch nicht verurteilt wurde.

In diese Villa an der Röntgenstraße 13 in Ebersbach drang der 31-jährige Tscheche ein. Dann zog er sich nackt aus und verbrannte seine Klamotten.
In diese Villa an der Röntgenstraße 13 in Ebersbach drang der 31-jährige Tscheche ein. Dann zog er sich nackt aus und verbrannte seine Klamotten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der große Auftritt von Jakub S. ist schon eine Weile her. Diese Aktion, mit der sich der heute 31-jährige Tscheche einst den Titel "Tarzan von Ebersbach" sicherte. Am Donnerstag nun hatte jene Episode aus dem Leben des jungen Mannes vor dem Zittauer Amtsgericht ein juristisches Nachspiel. Ein für den Angeklagten glücklicher Umstand sorgte dafür, dass er den Gerichtssaal in Handschellen gefesselt betrat - und als freier Mann wieder verließ.

Als Wohnungseinbruchsdiebstahl klagte die Staatsanwaltschaft an, womit Jakub S. am 25. Mai 2013 in der Ebersbacher Röntgenstraße für Aufmerksamkeit und gewissermaßen auch Unterhaltung gesorgt hatte. An jenem Tag drang der Mann durch ein Kellerfenster in die damals im Umbau befindliche Fabrikantenvilla Hausnummer 13 ein. Im Keller sättigte er sich zunächst an einem dort vorgefundenen Glas mit Bockwürsten und griff sich laut Anklage fünf Werkzeugkoffer - und ein Paar gelber Gummistiefel. Diese sollten seiner folgenden Aktion einen gewissen Farbakzent verleihen.

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Verliebt in gelbe Gummistiefel

Um die Mittagsstunde dann setzte Jakub S. zum spektakulären Finale seines Einbruchs an. Er zog sich komplett nackt aus und verbrannte seine Kleider in der Villa. Unter anderem dadurch verursachte er gut 10.000 Euro Schaden. Anschließend griff er sich ein Seil, befestigte es an einem Fenstergriff im ersten Stock und schlang es sich um die Hüfte. Nur mit jenen gelben Gummistiefeln bekleidet wollte er sich abseilen, stellte sich dabei aber überaus ungeschickt an. Das blieb nicht unbemerkt. Und die alarmierte Polizei fand einen hilflos an der Fassade baumelnden nackten Einbrecher vor - wie Tarzan an der Liane. Die Polizisten konnten den Mann ins Haus zurückziehen und nahmen ihn in Gewahrsam. Überliefert ist noch, warum er ausgerechnet nur diese Gummistiefel trug. "Er hat gesagt, ,weil sie so wunderschön gelb sind'", lässt sein Anwalt das Gericht wissen.

Jakub S. kam damals wieder auf freien Fuß - und war nur sechs Wochen später wieder in Ebersbach unterwegs. Am 4. Juli 2013 stahl er an einer Baustelle in der Goethestraße einen unverschlossenen VW-Bus. Auf der Bahnhofstraße stieß er mit einem Krankenwagen zusammen und flüchtete über die nahe Grenze nach Tschechien. Dort fuhr er sich mit dem VW in einem Straßengraben fest, machte sich weiter zu Fuß davon und entkam zunächst unerkannt. Allerdings ermittelten ihn die tschechischen Behörden als Täter - und das sollte Jakub S. nun bei seinem Prozess in Zittau zur Freiheit verhelfen.

Freiheit dank Schuldunfähigkeit

"Ich lebte damals auf der Straße und war drogenabhängig", erklärte Jakub S. nun vor Gericht und entschuldigt sich für den Einbruch damals: "Wenn ich das jetzt höre, wird mir schlecht." Er habe in Tschechien eine Drogentherapie gemacht und sei für ein Jahr in die Psychiatrie eingewiesen worden. Nach Aktenlage saß er wegen des Autodiebstahls auch neun Monate in seiner Heimat in Untersuchungshaft. Auch die deutsche Justiz ließ damals mit Haftbefehl nach ihm suchen - wurde seiner jedoch nie habhaft. Das Verfahren wegen des Autodiebstahls endete für Jakub S. in Tschechien jedenfalls glimpflich. "Die tschechische Justiz hat das Verfahren wegen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt", erklärt Amtsrichter Holger Maaß. Der junge Mann habe wegen seiner Drogensucht damals unter Halluzinationen gelitten und sein Verhalten nicht steuern können.

An genau dieses Gutachten der tschechischen Justiz sah sich nun auch das Zittauer Gericht gebunden. "Wenn jemand schuldunfähig ist, ist er freizusprechen", sagte Richter Holger Maaß und erklärte, dass der mitangeklagte Autodiebstahl vom Juli 2013 auf einen Freispruch hinauslaufen werde. Dies nun warf das entscheidende Licht auf die Tarzan-Episode sechs Wochen vorher. "Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte auch bei dieser Tat zumindest nur eingeschränkt schuldfähig war", so der Richter. Um das festzustellen, könne man den Mann nun in Großschweidnitz psychiatrisch begutachten lassen. Das aber hielt der Richter für nicht angemessen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte das Gericht das Verfahren ein - auch in Hinblick auf die nun fast sieben Jahre zurückliegende Tatzeit. Den Haftbefehl hob Richter Holger Maaß auf, sodass Jakub S. das Gericht als freier Mann verlassen konnte.

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