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Ebersbacher Rittergut ist gerettet

Nach mehr als 20 Jahren Verfall ist mit dem Umbau begonnen worden. Aber die Schäden sind beträchtlich.

Das Ebersbacher Rittergut von oben. Links hinten ist das Herrenhaus zu sehen, daneben das Torhaus und der östliche Flügel. Wegen Baufälligkeit hatte schon ein Teil abgerissen werden müssen. Diese Lücke wird durch einen Neubau geschlossen.
Das Ebersbacher Rittergut von oben. Links hinten ist das Herrenhaus zu sehen, daneben das Torhaus und der östliche Flügel. Wegen Baufälligkeit hatte schon ein Teil abgerissen werden müssen. Diese Lücke wird durch einen Neubau geschlossen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Es ist mittlerweile sechs Jahre her, dass sächsische.de über ein Treffen des Denkmalpflegers Jörg Liebig mit der Verwalterin Cornelia Zeibig im Rittergut Ebersbach und über die Zukunft des historischen Ensembles berichtete. Der Zustand war damals schon sehr schlecht – und er ist nicht besser geworden.

Mehr als 20 Jahre waren das Herrenhaus und die Nebengebäude ungenutzt verfallen. Eines der Seitengebäude hatte aus Sicherheitsgründen abgerissen werden müssen. Aber jetzt geht es vorwärts im Rittergut.

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Derzeit laufen Arbeiten im ehemaligen Herrenhaus. Das soll im ersten Bauabschnitt zusammen mit dem denkmalgeschützten Torhaus umgebaut werden. Im Sommer kommenden Jahres werden im Herrenhaus sieben Mietwohnungen zur Verfügung stehen, im Torhaus daneben eine weitere Wohnung.

Architekt Peter Müller und Bauherrin Cornelia Zeibig stehen vor dem Herrenhaus, das 1922 umgebaut worden war.
Architekt Peter Müller und Bauherrin Cornelia Zeibig stehen vor dem Herrenhaus, das 1922 umgebaut worden war. © Dietmar Thomas

Der Zustand des Herrenhauses ist besser als das der anderen Gebäude, aber trotzdem alles andere als gut. Nach hinten zum Park ist eine Ecke aus dem Gebäude herausgebrochen. „Wir behandeln das Herrenhaus wie einen Rohbau“, sagte Architekt Peter Müller, von dem die Entwürfe stammen. „Das Herrenhaus ist bestimmt 300 oder 400 Jahre alt. 1922 ist es umgebaut worden“, so der Architekt. Große Teile der alten Substanz wie etwa der Dachstuhl, sollen erhalten bleiben. In der Vergangenheit waren allerdings Einbauteile aus dem Haus gestohlen und zum Teil auch wiedergefunden worden, etwa die abmontierten Handläufe des Treppenhauses. Auch einige Einbaumöbel, zum Beispiel im eindrucksvollen Vestibül, sind noch vorhanden.

Im Torhaus, eines der ältesten Bauteile des Rittergutes aus der Zeit um 1800, wird eine Wohnung ausgebaut. Das Fachwerkhaus ist in einem schlechten Zustand. Weil die sogenannten Schwellen im Obergeschoss total verrottet sind, muss das Fachwerk in diesem Bereich ausgetauscht werden, sagte Müller. Bauteile in besserem Zustand können wiederverwendet werden. „Ich bin der große Erhalter“, meint Müller.

Auch im zweigeschossigen Ostflügel, in dem sich früher Stallungen befunden haben, werden Wohnungen eingerichtet. In der sich anschließenden Baulücke – dort stand das abgerissene Seitengebäude, soll ein Neubau errichtet werden.

Der repräsentative Vorsaal im ersten Stock des Herrenhauses zeigt etwas vom früheren Glanz des Gebäudes. Von hier war der etwas höher liegende Park zu betreten.
Der repräsentative Vorsaal im ersten Stock des Herrenhauses zeigt etwas vom früheren Glanz des Gebäudes. Von hier war der etwas höher liegende Park zu betreten. © Dietmar Thomas

Vor drei Jahren hatte Cornelia Zeibig mit dem Ausbau des alten Gutshauses am Rosenbeet in Ebersbach schon gute Erfahrungen gesammelt – die Wohnungen waren rasch vermietet worden. Für das Rittergut erhofft sie sich einen ähnlichen Erfolg. Sie betreibt das Bauvorhaben zusammen mit Barbara Riepl in einer Gesellschaft mit dem Namen Macoba Wohnbau GbR. Die Wohnlage sei exklusiv, Döbeln leicht zu erreichen. Zum Rittergut gehört auch ein kleiner Park, der wieder hergerichtet werden soll. Die Wohnungen im Herrenhaus werden fast alle mit Balkonen oder Terrassen ausgestattet. Andere Wohnungen bekommen kleine Eigengärten zur Benutzung durch die Mieter. Auch der Innenhof wird gestaltet. Dort ist unter anderem eine Boulebahn geplant, sagte Müller. Stellplätze für Autos sollen um das Rittergut herum geschaffen werden.

Mit dem Nord- und Westflügel des Rittersguts haben die Bauherren andere Pläne. Dort soll Müllers Idee von Reihenhäusern umgesetzt werden. Sie werden in die alte Bausubstanz eingebaut. Für das alte einzelstehende Auszugshaus gebe es bisher noch keine Pläne.

Jörg Liebig, Denkmalpfleger des Landkreises, freut sich, dass es vorwärtsgeht. Aus einer leisen Hoffnung sei Zuversicht geworden, dass das Rittergut erhalten bleibt. „Ich halte das Konzept für tragfähig. Der historische Ort wird mit den Erwartungen von zeitgemäßem Wohnen verbunden“, sagte Liebig. „Es konnte nichts Besseres passieren – für Ebersbach, für die Denkmalpflege und für die Menschen, die einmal dort wohnen werden.“

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