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Ebert will weitermachen – aber auch bei Dynamo?

Der Vertrag des Routiniers läuft am Saisonende aus. Er möchte regelmäßig spielen, darf aber nicht immer.

Abseits des Platzes ist Patrick Ebert eher ein Leisetreter, auf dem Platz aber ein Lautsprecher. Und ein Profi mit ganz viel Erfahrung.
Abseits des Platzes ist Patrick Ebert eher ein Leisetreter, auf dem Platz aber ein Lautsprecher. Und ein Profi mit ganz viel Erfahrung. © Imago/Eibner/Michael Bermel

Vergangene Woche wollte er nicht mit den Journalisten sprechen. Sein Interesse ist auf diesem Gebiet generell überschaubar, doch nach zwei Punktspielen gab es für ihn erst recht „keinen Grund, etwas zu sagen“. Also lehnte Patrick Ebert die Interviewanfrage ab. Einige Tage später ist die Lage nun eine gänzlich andere, schließlich sind schon drei Zweitliga-Partien vorbei. Und bei der vergangenen gegen Heidenheim brillierte er als Freistoß-Torschütze. Damit ist man geradezu prädestiniert für die obligatorische Dynamo-Pressekonferenz zwei Tage vor der Auswärtspartie in Darmstadt.

Also sitzt der 32-Jährige auf dem Podium und soll erzählen, wieviele Freistöße er so schießt nach dem Training, was der Treffer mit seinem neuen Hobby Golf zu tun hat und ob sein Smartphone nach dem Spiel kollabiert sei. Ebert antwortet ruhig, langsam und leise, es wirkt beinahe ein bisschen gelangweilt. Doch vielmehr ist es wohl die geballte Erfahrung eines Profis, der in seiner Karriere nicht nur einige Vereine und Länder gesehen, sondern auch sonst sämtliche Facetten dieses Berufes erlebt hat, die ihn so gelassen machen.

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Die beiden Niederlagen zum Auftakt? Die ständige Rotation des Trainers, durch die auch Ebert schon bei zwei der vier Pflichtspiele in dieser Saison aus der Startelf fiel? Der gebürtige Potsdamer antwort so, als könne er darin nicht mal im Ansatz ein Problem erkennen. „Es sollte sich doch immer niemand sicher sein, dass er spielt“, findet er. „Der Trainer will die Mannschaft stets bestmöglich aufstellen, um drei Punkte zu holen. Das wird er auch künftig so machen.“ Es fällt schwer zu glauben, dass es ihm wirklich gleichgültig ist, wenn er dabei nicht berücksichtigt wird.

Aber Ebert hat in den zwölf Jahren seiner Profikarriere gelernt, dass man sich nur selber schadet, wenn man sich öffentlich über sein Reservistendasein beschwert. Also umkurvt er das Thema geschickt und hofft einfach darauf, am Freitagabend am Böllenfalltor wieder auf dem Platz zu stehen.

Mit 32 noch viele Plaäne

Seinen Ehrgeiz hat der einstige Hertha-Bubi, der nach 14 Jahren in Berlin bei Real Valladolid, Spartak Moskau, Rayo Vallecano und dem FC Ingolstadt kickte, nie verloren. Als er vor einem Jahr bei Dynamo anheuerte, gab er als sein persönliches Ziel aus: „Ich will aufsteigen.“ Viel Zeit bleibt nicht mehr, sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Ob es danach „hier weitergeht oder woanders, weiß ich nicht“, sagt er. Nur, dass es auf jeden Fall weitergehen wird. Franck Ribery habe jetzt mit 35 für zwei Jahre in Florenz unterschrieben, vergleicht Ebert. „Vielleicht spiele ich ja, bis ich 43 bin. Ich fühle mich noch nicht wie 32 – weder körperlich noch vom Kopf her.“

Eine Deadline möchte er sich nicht setzen, nur ein Kriterium muss erfüllt sein: „Ich spiele, so lange ich mithalten und der Liga meinen Stempel aufdrücken kann.“ Da blitzen sie wieder durch, sein Ehrgeiz und sein Selbstbewusstsein. In Sachen Vertragsverlängerung sieht er keinen Grund zur Eile. „Fußball ist sehr schnelllebig. Es kann in ein, zwei Monaten ein Gespräch mit Dynamo geben, oder erst in sieben, acht Monaten. Ich mache mir da überhaupt keinen Druck. Mein Ziel ist, regelmäßig zu spielen, dann wird man sehen, wie es weitergeht.“

Doch wirklich regelmäßig darf er bisher nicht spielen. Zum Auftakt gegen Nürnberg und in der Pokalpartie gegen Dassendorf stand er keine Minute auf dem Platz, gegen Karlsruhe und Heidenheim jeweils 77 Minuten. An der Kondition kann es eigentlich nicht liegen. Seit dem Start in die Vorbereitung hat Ebert keine einzige Trainingseinheit verpasst. Das war im Winter noch ganz anders, „so sah dann auch meine Rückrunde aus mit vielen nicht so guten Spielen“, meint er rückblickend. Und: Er pflegt seinen Körper, wie er es formuliert und meint damit nicht nur die Physiotherapie.

Fast schon eine Liebeserklärung

Die Leistungen dürften ebenfalls kein Grund sein. In Karlsruhe war er der Beste in seiner Mannschaft, gegen Heidenheim zeigte er nicht nur beim direkt verwandelten Freistoß seine technischen Fertigkeiten. Warum also verzichtet Trainer Cristian Fiel immer mal wieder auf seinen Routinier? Die logische Erklärung ist: Er gönnt seinem ältesten Spieler im Kader Verschnaufpausen.

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Wie zufrieden Ebert mit dieser Rolle ist, darüber kann man nur spekulieren. Er sagt, dass er sich bei Dynamo „wohl und akzeptiert fühle – sowohl im Verein als auch von meinen Mannschaftskollegen“. Und der Fußball unter Fiel mache ihm auch Spaß.

Es klingt fast nach einer Liebeserklärung, doch er betont auch: „Ich bin schon oft irgendwo gewesen – mal kürzer, mal länger. Ich denke, ich komme überall zurecht.“ Nur bei Pressekonferenzen fühlt er sich nicht ganz so wohl.

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