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Riesa

Edeka-Planer machen Zugeständnisse

Bei einer Versammlung auf der Widmann-Fläche in Riesa erklärt der Investor das Vorhaben - und lenkt in zwei Punkten ein.

Bei einer Anwohnerversammlung erklärten Verantwortliche für die Edeka-Pläne in Riesa das Vorhaben.
Bei einer Anwohnerversammlung erklärten Verantwortliche für die Edeka-Pläne in Riesa das Vorhaben. © Stefan Lehmann

Riesa. Während sich der Platz hinter der Feuerwehr an der Pausitzer Straße langsam füllt, führt Sylvia Möckel Strichliste. 50 Leute dürfen maximal auf den Platz, erklärt die Planerin mit Verweis auf die Corona-Regeln. Das Virus macht auch vor einer Einwohnerversammlung nicht Halt. 

Tatsächlich wird diese Zahl am Donnerstagabend auch beinahe erreicht. Dabei haben es viele Anwohner wegen der Arbeit gar nicht geschafft, ist sich eine Teilnehmerin sicher. Edeka und die Bauprojektentwicklung M+M  hatten die Anwohner eingeladen, um das derzeitige Projekt und dessen Stand zu erklären. Sozusagen als Vermittler zwischen den Seiten waren Stadträte der Fraktion Gemeinsam für Riesa mit an Bord. "Eigentlich geht's hier um Riesa", erklärt Stadtrat Gunnar Hoffmann. Der Umgang mit Investoren in der Stadt habe ihn schon öfter geärgert, viele Bauvorhaben seien seiner Ansicht nach komisch gelaufen. Hoffmann macht deutlich, dass er persönlich die Edeka-Ansiedlung als Chance begreift. Die Veranstaltung soll dabei helfen, offene Fragen zu beseitigen. 

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Aldi fällt weg

Zu Beginn gibt es aber erst einmal eine Überraschung. Denn auf den neuen Plänen, die Sylvia Möckel am Donnerstag vorstellt, ist schon einiges anders als auf denen, die Anfang des Jahres öffentlich wurden. Der auffälligste Unterschied: Es fehlt der eigentlich geplante Aldi, Feuerwehr und Turnhalle an der Pausitzer Straße bleiben stehen. Auch die Anlieferzone wurde an die gegenüberliegende Seite verlegt. Das kleine Gebäude für Dienstleistungen ist dagegen erhalten geblieben. Eine Apotheke könnte dort hinein, vielleicht auch ein Friseur oder eine Physiotherapie. "Das ist aber noch völlig offen, sagt Jan Hasek, der bei Edeka als Bereichsleiter für Expansion zuständig ist. 

Gegen den Aldi hatte sich im Vorfeld von verschiedenen Seiten Widerstand geregt. Unter den Stadträten waren viele skeptisch, was einen zusätzlichen Discounter angeht, selbst die Industrie- und Handelskammer hatte Bedenken angemeldet, weil Riesa in diesem Segment eigentlich schon als überversorgt gilt. Die Anwohner dürfte vor allem freuen, dass damit automatisch auch weniger Lieferverkehr zu erwarten ist - und weniger Krach. Jan Hasek rechnet mit einem Lkw, der ein- bis zweimal in der Woche anrücken soll. Das liege auch am Konzept. Weil der Fokus auf regionale Anbieter gelegt werde und gleichzeitig große Vorratslager geplant sind, genüge häufig ein Pkw-Transporter zur Anlieferung.  

Gespräche mit dem Gewerbeverein

Für Fragen bei den Anwohnern sorgt auch, warum Edeka einst überhaupt aus Riesa weggegangen ist. Heute stehe an der ehemaligen Edeka-Fläche ein Netto. Und nun soll plötzlich ein Markt wieder in die Stadt - die mittlerweile doch viel weniger Einwohner habe, kritisiert Margit Buck. Sie hatte gemeinsam mit anderen Anwohnern Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. "Ja, dort ging's uns nicht gut", räumt Jan Hasek mit Blick auf den früheren Standort ein. Dagegen verwahrt er sich gegen die Vorwürfe, der Markt würde nur noch mehr Kaufkraft von der Hauptstraße ziehen. "Es ist nicht so, dass uns egal ist, was die Umgebung von uns denkt. Wir machen uns schon Gedanken darüber." Unter anderem habe es auch schon Gespräche mit dem Gewerbeverein gegeben. Auch da gebe es Ängste, signalisiert er. 

Gleichzeitig erklärt Hasek aber auch: "Die Zeiten, in denen man einen Markt auf die grüne Wiese setzt, sind für uns vorbei." An der Stelle springt Gunnar Hoffmann dem Edeka-Bereichsleiter bei: "Dass Edeka die Hauptstraße kaputt macht, ist Käse." Das Unternehmen sei schon seit Jahren auf der Suche. "Das können wir auch nicht blockieren. Einzig über den Standort können wir entscheiden." Er plädiert dafür, das breite Angebot des Vollversorgers als gutes Signal zu sehen: Gerade junge Leute kauften in solchen Geschäften gerne ein. Und die wolle man ja nach Riesa locken. 

Ob dafür aber ein Markt reicht? Margit Buck ist skeptisch. "Ich wünsche mir ja auch junge Leute. Aber die wollen nicht in die Silos nach Weida ziehen, sondern in hochwertige Wohnungen wie an der August-Bebel-Straße." Solche Wohnungen müsse man doch schaffen. 

"So funktioniert Demokratie"

Als Sylvia Möckel nach einer Stunde die Versammlung für beendet erklärt - mehr war ihren Angaben nach nicht gestattet gewesen - bleiben noch Fragen. Das sagt auch Margit Buck. "Bei einigen Fragen haben sie ein bisschen rumgeeiert." Was etwa die Lärmbelästigung durch Kühlung und Klimaanlagen angeht, sei sie noch nicht zufrieden. Auch die Abgrenzung des Grundstücks müsse noch detailliert geklärt werden. Solche Fragen werden wohl erst später im Verfahren entschieden - dann können Anwohner auch noch Einwendungen vorbringen. "Wenn diese Zweifel ausgeräumt sind, dann könnten wir damit leben. Das Grundkonzept ist jetzt ja nicht schlecht." Sie wolle jetzt erst einmal den Bauausschuss abwarten. 

Auch Planerin Sylvia Möckel ist mit dem Verlauf zufrieden, sagt sie. "Solche Veranstaltungen wie heute kommen schon immer wieder mal vor." In Riesa sei es zwar emotional, aber gesittet zugegangen. Sie finde es im Grunde positiv, dass sich die Nachbarn eingebracht haben. "So funktioniert Demokratie." 

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