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Edel schlemmen und einkaufen

Tschechien steht für gutes Bier und große Brauvielfalt. Aber nicht nur das macht einen Besuch lohnenswert. Teil 4 unserer Serie "Grenzgänge".

Vlastimil Chovanecek hat mit seinem Familienbetrieb die italienische Prosciutto-Tradition ins Böhmische Mittelgebirge gebracht. Beim Klassiker ist aber nicht stehengeblieben.
Vlastimil Chovanecek hat mit seinem Familienbetrieb die italienische Prosciutto-Tradition ins Böhmische Mittelgebirge gebracht. Beim Klassiker ist aber nicht stehengeblieben. © Matthias Rietschel

1. Von Pilsner bis experimentell

Ich braue Bier für alle – das ist der Leitspruch von Martina Valterová. Die Mittvierzigerin ist immer noch eine der wenigen Frauen in dieser Männerdisziplin. Dabei ist Biertrinken in Tschechien seit jeher gleichermaßen Frauen- wie Männersache. Valterová freut, wenn ihre Gäste offen für Neues sind. Und das ist keine Frage des Geschlechts oder Alters. „Eine 80-jährige Frau bestellt bei uns nur IPA (Indian Pale Ale), ein stärkeres, gut gehopftes Bier in englischer Tradition“, erzählt sie.

© Matthias Rietschel

Dass Valterová ausgerechnet im fast schon musealen Jugendstil-Restaurant Monopol in Teplice braut, hat auch mit der Eigentümerin zu tun. Sie ist die erste und kritischste Testerin von Valterovás Bieren. Ganz nebenbei hat sie aber auch die Fachleute überzeugt und schon eine Menge Preise eingeheimst.

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„Bierbrauen ist Handwerk“, betont sie. Das meint sie ganz wörtlich, auch wenn die schweren Hopfensäcke inzwischen ihr Mitarbeiter schleppt. Am wichtigsten ist ihr bei aller Experimentierfreudigkeit, ein ordentliches zwölfgradiges Bier Pilsener Art hinzubekommen. „Entscheidend ist der Hopfenzusatz am Ende, damit steht und fällt ein gutes Bier.“ Wer übrigens alle Biere von Martina Valterová mal probieren möchte, bestellt sich einfach ein Verkostungsset.

www.pivovarmonopol.cz

© SZ Grafik

2. Der böhmische Prosciutto

Guter Schinken ist wie guter Wein. Wie der Wein sich noch in der Flasche entwickelt, tut das unser Schinken in der Vakuumkammer, sagt Vlastimil Chovaneček (im Bild links). 

© Matthias Rietschel

Für den Schinken sorgt er mit Vater und Bruder in dem Familienbetrieb Pršuterie. Pršut ist das tschechische Wort für Prosciutto. Die Familie hat nicht weniger als das Prosciutto-Handwerk nach Tschechien gebracht. In einem Bauernhof im Dörfchen Hlinná im Böhmischen Mittelgebirge hat sie Trocken- und Rauchkammern eingerichtet, wo die Schinken über Monate reifen und verführerisch riechen. „Wir lassen uns von Klassikern inspirieren, um sie dann auf unsere Art zu variieren.“ So erinnert der Klosterschinken an Tiroler Speck, nur hat er einen feinen Hauch von Knoblauch abbekommen.

Neben Schweineschinken verlassen auch Enten-, Rinder- und Gänseprosciuttos sowie Würste die Trockenkammern. Eine Besonderheit sind die Lammschinken. Während die Schinkenmacher die meisten Rohstoffe aus Deutschland, Belgien, Tschechien und Ungarn beziehen, halten sie die Lämmer selbst. Einst verdiente der Betrieb mit Massenware viel Geld. Doch dann kam die Rückbesinnung aufs Handwerk. Die Weide mit den eigenen Suffolk-Schafen, die malerische Landschaft des Böhmischen Mittelgebirges und die Konzentration auf Hochwertiges gehören für Chovaneček zusammen. Der Vergleich mit dem Wein ist übrigens kein Zufall. Zu einem guten Schinken gehört ein guter Wein.

www.prsuterie.cz

3. Mit der Kraft der Heilpflanze

Ein irrer Duft umfängt die Besucher in Vlčí hora am Rande der Böhmischen Schweiz. Im Verkaufsraum der Firma Nobilis Tilia gibt es Biokosmetik für alle Bedürfnisse, auch für Männer.

© Matthias Schumann

Kein Wunder, der Gründer der Firma ist ein Mann. Zbyněk Šedivý ist großer Pflanzenkenner. Wer mit ihm durch den Kräutergarten schlendert, erfährt viel über die Heilkraft der Pflanzen. Seine Lieblingspflanze ist die Rose: „Meine Mutter hat sie gezüchtet. Sie ist die edelste und auch vielseitigste unter den Blumen“, sagt er. „Wussten Sie, dass Rosenwasser gut gegen Müdigkeit ist?“ Šedivý hat mit seinem Team in dem kleinen Dorf ein Wohlfühlzentrum geschaffen. Im größten Gebäude, einer ehemaligen Gaststätte, wird die Kosmetik entwickelt und produziert. Im einstigen Schulgebäude können Besucher die Produkte kaufen und in der Teestube einen guten Tee oder Biosnack genießen. Oder sie lassen sich durch eine Aromatherapiemassage verwöhnen. Dafür meldet man sich im Laden an. Jetzt schon ist der ganze Juli ausgebucht. Nicht immer kommt man allerdings mit Deutsch weiter. Das will die Firma verbessern. Ihr Name ist übrigens lateinisch und bedeutet Krásná Lípa - Schönlinde. Eine Hommage an die Stadt und den Lindenbaum.

www.nobilis.cz
Einkehrtipp: www.nastodolci.cz

4. Messer aus dem tschechischen Solingen

Richtig stolz ist Karel Ježek auf das unscheinbar aussehende Messer namens Pocket. „Bester rostfreier Klingenstahl N690, der Griff aus Metall und durch Beschichtung und die Schraubverbindung unkaputtbar. Dazu elegant und für rund 120 Euro zu haben“, lobt Ježek seinen Star, den er von einem renommierten Prager Designstudio entwerfen ließ.

Edle Messer würde man in der Schweiz erwarten und nicht am Rande der Böhmischen Schweiz. Dabei gibt es die Firma Mikov schon über 200 Jahre. Lange hatte der Ort Mikulášovice den deutschen Namen Nixdorf und galt als böhmisches Solingen. Auch wenn die Historie verblasst scheint – bis heute wird im alten Gebäude produziert.

© Matthias Schumann

Die Auswahl an Messern, die hier hergestellt wird, ist überwältigend. Vom Küchenset über Jagdmesser bis hin zum mit Swarovski-Perlen bestückten Taschenmesser findet sich alles. Das Zauberwort von Mikov heißt Handarbeit und Qualität. Der Griff des Jagdmessers ist natürlich aus echtem Hirschgeweih. Auf Wunsch gibt’s die Klinge aus Damaststahl. „Wir schaffen, was andere nicht können, und das in kleinen Serien“, sagt Ježek.

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Auch wenn der Standort in einer nicht gerade wohlhabenden Gegend anderes vermuten lässt: „Wir konkurrieren nicht mit Asien. Qualität kostet“, stellt Ježek klar. Doch die Preise sind keinesfalls überteuert. Eine Auswahl gibt es im Infozentrum der Stadt im Haus Nummer 19 zu kaufen oder die ganze Produktpalette im E-Shop.

www.mikov.cz

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