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Eder-Ziegelwerk vergrößert Tagebau

Das Freitaler Unternehmen braucht mehr Lehm für die Produktion. Das hat Folgen für Kleingärtner und etliche junge Obstbäume.

Von Annett Heyse

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Freital. Kahle Rosenbüsche, umgekippte Wassertonnen, auf dem Rasen liegt Raureif – winterlich verlassen sind die Gärten am oberen Ende der Zauckeroder Straße. Und so schnell wird hier keiner zu Spaten oder Heckenschere greifen – auch nicht, wenn es Frühling wird. Denn die Wochenendgrundstücke kommen weg, weil hier in Zukunft Lehm abgebaggert wird. So steht es im Entwurf eines neuen Bebauungsplanes, den die Stadtverwaltung nun vorgelegt hat. Darin geht es um einen großen Umzugsplan für sieben Wochenendhäuschen und eine Streuobstwiese.

Die wichtigsten Antworten zur Tagebau-Erweiterung

Was passiert im Tagebau?

Die Firma Eder gewinnt auf dem als Bergbaugelände ausgewiesenen Areal zwischen Zauckerode und Döhlen Lehm für die Ziegelproduktion. Die Nachfrage ist groß: In Freital werden jährlich rund 200000 Kubikmeter Ziegel hergestellt – Baumaterial für 2500 Einfamilienhäuser. Eder produziert 125 verschiedene Ziegelformate; der Freitaler Baustoff ist vor allem wegen der guten Wärmedämmung gefragt. Das Abbaufeld bewegt sich nun allmählich in Richtung Döhlen, grob gesagt, auf die Förderschule an der Zauckeroder Straße zu. Zwischen Schulgelände und Tagebau befinden sich die Wochenendgrundstücke, deren Größe jeweils mehr als 1000 Quadratmeter betragen. Sie liegen auf einem Areal, das seit dem Jahr 2000 vom Oberbergamt als unter Bergrecht stehend ausgewiesen ist. Eder will die Grundstücke kaufen und hat den Eigentümern einen Ersatz angeboten.

Wohin kommen die Gärten?

Die Wochenendgrundstücke werden auf einer Wiese zwischen dem Neubaugebiet Zauckerode und der Wohnsiedlung Pulverturm neu angelegt. Die Wiese, etwa 12500 Quadratmeter groß, liegt direkt an der Gerhart-Hauptmann-Straße – und ist derzeit mit Obstbäumen bepflanzt. Das Land gehört der Firma Eder, das Unternehmen hat hier als naturschutzrechtlichen Ausgleich für den Lehmabbau einst eine Streuobstwiese angelegt. Eine Teilfläche davon, etwa 7500 Quadratmeter groß, soll nun in Gartenland umgewandelt werden. Weil einige der Wochenendgrundstücke an der Zauckeroder Straße von ihren Eigentümern bereits aufgegeben wurden oder demnächst werden, ziehen insgesamt noch sieben Laubenpieper um. Das Unternehmen Eder verpflichtet sich, eine Zufahrt zu schaffen und notwendige Leitungen für Strom, Wasser, Abwasser zu verlegen.

Was passiert mit den Obstbäumen?

Laut Kartierung vom Juli 2016 stehen auf der Streuobstwiese 77 Gehölze, davon 64 Obstbäume. Hauptsächlich handelt es sich um Apfel-, Kirsch-, Birnen- und Pflaumenbäume. Zudem wachsen dort 13 weitere Bäume und Büsche, wie Birken, Kastanien, Ahorn und Holunder. Die Bäume werden dort größtenteils weiter wachsen. 24 Obstbäume gehen dabei an die Gartennutzer über, weitere Bäume bleiben im geplanten Grüngürtel stehen. 19 Bäume müssen im Zuge des Laubenbaus weichen.

Werden neue Obstbäume gepflanzt?

Ja, und zwar auf einer Wiese, die oberhalb des Wohngebiets Pulverturm am Kirschbergweg liegt. Zunächst wollte Eder die Gärtner dorthin umsiedeln. Weil das Gelände aber über keinerlei befestigte Zufahrt verfügt, kommt nun ein Teil der Obstwiese dorthin. Weil 19 Bäume an der Gerhart-Hauptmann-Straße gefällt werden, will Eder auf der Ausweichfläche am Kirschbergweg 20 Obstbäume anpflanzen.

Wann soll das Projekt starten?
Zunächst wird der Bebauungsplan öffentlich ausliegen. Sind nach eventuellen Einsprüchen keine gravierenden Planänderungen notwendig, können die Gärtner im kommenden Winter umziehen. Ihre Lauben dürfen nur ebenerdig und in Holzbauweise errichtet werden, die Größe der Grundfläche wird auf 50 Quadratmeter beschränkt. Die Terrassen dürfen 15 Quadratmeter groß sein. Der Ziegelhersteller will sich an den Investitionskosten beteiligen. Zusätzliche neue Gärten wird es aber an der Gerhart-Hauptmann-Straße nicht geben, wie es aus der Geschäftsleitung heißt.

Wann rückt der Tagebau vor?
Bereits jetzt wird in Richtung alte Gartenanlage abgebaut, allerdings noch in einem größeren Sicherheitsabstand. Erst wenn die Gärten an der Zauckeroder Straße nach dem Winter 2018/19 geräumt sind, wird das neue Abbaugelände angebaggert. Frühestens beginne der Abbau auf dieser Fläche laut Geschäftsführung 2019 .

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