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Edle Windhunde aus ganz Deutschland zu Gast

Vierbeiner auf demLaufsteg: Greyhound, Saluki, Whippet und Co auf der Zuchtschau.

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Von Doreen Lehmann

Schlanke Taille, lange Beine und wilde Mähne – Souhada hatte eigentlich nur ein Problem. Die Konkurrenz war verdammt hart. Gott sei Dank war Frauchen Anita Dirnberger auf alle Widrigkeiten vorbereitet und zückte noch einmal die Haarsprayflasche. So, das Haar war gebändigt. „Aber so ein Geschmus mit Lockenwicklern am Bauch, damit die Hunde sich nicht das Fell voll pullern, das gibt‘s bei mir nicht“, so die Züchterin aus Bonn.

Zusammen mit anderen Windhundbesitzern wartete sie am Sonnabend gespannt auf ihren Einsatz. Hieß es doch, eine der begehrten Anwartschaften zum Schönheitschampion zu erringen. Zehn Rassen, vom italienischen Windspiel bis zum Irish Wolfhound, waren dafür extra aus der Republik nach Großenhain gereist. Cornelia Einbock kannte sie alle. Bereits zum dritten Mal hatte sie als Mitglied des Dresdner Windhund Rennvereins 1928 e.V. das Schaulaufen und Coursing in der Röderstadt organisiert. „Bei Windhunden schlagen zwei Seelen in der Brust, zum einen haben sie einen unbändigen Bewegungsdrang, auf der anderen Seite sind sie ganz ruhige Wohnungstiere“, erklärte sie das Wesen der grazilen Vierbeiner.

Doch vor der großen Hatz auf die Hasenattrappe stand zunächst einmal der Laufsteg. Also auf in den Ring, wo Hund und Halter nur noch auf Manfred Langers Wohlwollen hoffen konnten. „Schöner Kopf, tadellos in Anatomie, offene Rute, harmonische Bewegungen“, konstatierte der Ringrichter bei Afghanen-Hündin Ravana el Banjas. Doch es war noch längst nicht vorbei. Der prüfende Blick ins Maul blieb keinem erspart: Aha, sehr schön, vollzahnig! Gewonnen hat in ihrer Klasse trotzdem eine andere. Auffällig war eines: Kein einziges Kläffen. Dabei saßen immerhin 52Hunde dicht beieinander. „Windhunde bellen wirklich nur, wenn es einen triftigen Grund gibt“, sagte Susanne Grund. Ihr Barsoi Taigan war bereits fertig und längst wieder leger verstrubbelt: „Jetzt siehst Du ja aus wie ein aufgeplatztes Sofakissen“, lacht die Berlinerin ihren Liebling an. Sie nahm die Sache zwar nicht verbissen, auf die Anwartschaft hatte sie trotzdem gehofft. Es sollte nicht sein. Taigan lief wie so oft ein bisschen hackeneng. Zum Glück gibt‘s bei Sabine Grund ein launiges After-Show-Ritual: Den Trost-Piccolo.

Außerhalb des Ringes herrschte entspannte Atmosphäre. Die Züchter kennen sich meist seit Jahren und haben in den Wartepausen viel Zeit zum Plauschen. „Na, wie ist‘s gelaufen, Eva?“, ruft Susanne einer Bekannten zu. „Zu dünn, meinte der Richter – nur leider nicht zu mir“, lacht die Hundebesitzerin. Vom Dosenfutter bis zu frischen Pansen essen die grazilen Sprinter wirklich alles, versicherten die Halter. Der manchmal unterernährt scheinende Körperbau trüge da. „Mein Taigan hatte bei all dem Auslauf noch nie Probleme mit seiner Bikinifigur“, bestätigt Susanne Grund.

Der russische Zarenhund freute sich wie immer viel mehr auf den Sonntag. Da stand das Coursing an – die Jagd auf den falschen Hasen. Neben Geschick, Kondition und Schnelligkeit kommt hier vor allem die Intelligenz auf den Prüfstand. Abkürzen aus Faulheit oder Lustlosigkeit? Punktabzug! Es darf sich bloß kein echter Hase blicken lassen. Dann sind Greyhound, Saluki, Whippet und Co. sofort hinter diesem her.