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Ehe dennoch kein Auslaufmodell

Landkreis. Der Bund fürs Leben wurde im vergangenen Jahr 341 Mal richterlich geschieden. So berichtet es das Statistische Landesamt in Kamenz. Die Zahl der Ehescheidungen schwankt beträchtlich: 1996 wurden 261, ein Jahr später 309 Ehen geschieden.

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Landkreis. Der Bund fürs Leben wurde im vergangenen Jahr 341 Mal richterlich geschieden. So berichtet es das Statistische Landesamt in Kamenz. Die Zahl der Ehescheidungen schwankt beträchtlich: 1996 wurden 261, ein Jahr später 309 Ehen geschieden. 1998 gab es 262, und 1999 waren es 341 Ehescheidungen. In den letzten vier Jahren wurden somit 1 173 Ehen im Landkreis Löbau-Zittau geschieden.
Derzeit bestehen im Landkreis rund 37 300 Ehen. Dabei bedeuten 341 Ehescheidungen, dass 1999 pro 10 000 bestehende Ehen 91 geschieden wurden. Damit liegt der Landkreis in Sachsen weit vorn. Nur im Landkreis Leipziger Land werden mehr Ehen geschieden als im Landkreis Löbau-Zittau.
Die Zahl bestehender Ehen nimmt von Jahr zu Jahr durch Ehescheidungen ab und wird durch Todesfälle zusätzlich ausgedünnt. Ist der Bestand an Ehen damit langfristig gefährdet, die Ehe ein Auslaufmodell? "Nein", sagt die Soziologin Dr. Heike Diefenbach von der Universität Leipzig, die seit Jahren u. a. die Ursachen für eine Ehe und für eine Ehescheidung erforscht. Zum einen würden nach wie vor Ehen geschlossen. 133 pro 10 000 bestehende Ehen waren es 1998 im Landkreis Löbau-Zittau.
Zum anderen sei jeder, der eine Ehescheidung hinter sich habe, ein potentieller Heiratskandidat: Ungefähr 60 Prozent der Geschiedenen heiraten mindestens ein weiteres Mal. Gäbe es keine Ehescheidungen, dann wäre auch die Anzahl der Eheschließungen geringer. Es sei wie beim Mensch-ärgere-Dich-nicht. Wer hinausgeworfen wird, kann mit einer neuen Sechs sein Glück wieder probieren. Eine Zweitehe habe aber eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, wieder mit einer Scheidung zu enden.
Eine Ehescheidung wirke auch auf andere Weise nach: Kinder geschiedener Eltern, die eine Ehe schließen, hätten ein deutlich höheres Scheidungsrisiko als Kinder, deren Eltern nicht geschieden seien: Bereits fünf Jahre nach der Heirat sei gut ein Viertel der Ehen, an denen Kinder geschiedener Eltern beteiligt sind, geschieden.
Im Jahr 1999 waren im Landkreis Löbau-Zittau 358 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Seit 1996 erlebten 1 273 Kinder eine derartige Situation. Sie bringen somit ein hohes Scheidungsrisiko mit in eine eigene Ehe: Viele von ihnen werden mehr als einmal heiraten. Die Ehe ist kein Auslaufmodell. Sie ist vielmehr ein sich selbst erhaltendes System. (mk)

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