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Ehejubiläen im Doppelpack

In der Jägerklause feierten am Sonnabend gleich zwei Ehepaare ihren Ehrentag.

Von Bernd Goldammer

Alte Liebe, rostet nicht. Am Sonnabend ging es in der Jägerklause zwischen Grünberg und Weixdorf um die schönste Feier, die man sich nach einem langen Eheleben vorstellen kann. Ursula und Rolf Jacobi aus Dresden waren nach 60 Ehejahren bei ihrer diamantenen Hochzeit angekommen. Doch damit nicht genug: Im Raum nebenan feierten Charlotte und Werner Schütze aus Grünberg nach 65 Jahren ihre eiserne Hochzeit.

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Werner Schütze hatte mit seiner Charlotte schon die Schulbank in Hermsdorf gedrückt. „Wir waren uns sympathisch, aber die Liebe kam erst lange nach der Schulzeit“, erinnert sie sich. Auch von ihren Ängsten erzählt sie. Einen leichten Start ins Liebesleben hatten die Jubilare allerdings nicht. Denn in den letzten Kriegstagen 1945 wurde Werner Schütze noch zur Marine eingezogen. Damals war er gerade mal 17 Jahre alt und wurde für einen mörderischen U-Boot-Krieg ausgebildet. Zum Glück kam er nicht mehr zum Einsatz. Als der Krieg in seinen letzten Zügen lag, machte er sich auf den Weg nach Hause. Durch diesen mutigen Schritt konnte er einer längeren Kriegsgefangenschaft entgehen. Doch er war allein, und es war gefährlich. Von der Ostseeküste lief er bis nach Hermsdorf. Vorwiegend nachts, denn überall waren alliierte Patrouillen unterwegs. Doch Werner Schütze wollte nur eins: nach Hause. Dort wartete seine Charlotte auf ihn. Und er wusste, sie war in großer Sorge. Denn damals trafen im Ottendorfer Land viele Briefe mit schwarzem Rand ein. Nach Werners Eintreffen war die Freude groß. 1949 wurde geheiratet. Werner arbeitete als Mechaniker. In den ersten Ehejahren kamen drei Söhne auf die Welt. Bei der Hochzeitsfeier in der Jägerklause ist das eiserne Paar von fünf Enkeln und drei Urenkeln umringt. Ein Ur-Ur-Enkel ist inzwischen auch schon geboren.

Für Ursula und Rolf Jacobi, das diamantene Ehepaar, verlief das Leben ohne Kinderfreuden. In ihrer Jugendzeit waren die medizinischen Möglichkeiten immer noch sehr begrenzt. „Unsere Liebe hat im Nachkriegs-Dresden begonnen. Ich war Mitglied eines FDGB-Tanz- und Gesangsensembles. Als wir zu einem Gastspiel in Dresden weilten, fiel mir eine wunderbare Frau auf. Die wollte ich unbedingt kennenlernen“, erzählte Rolf Jacobi am Sonnabend. Doch es sollte noch eine ganze Weile hin- und hergehen, bis sich die beiden ineinander verliebten. 1954 wurde dann Hochzeit gefeiert. Sechzig Jahre ist das nun her. Und es war nicht immer nur „Sonnenschein am Ehehimmel“. Manchmal gab es nämlich auch Streit. Doch damit konnten die Eheleute umgehen. „Wir hatten eine wichtige Verabredung. In unser Ehebett sollte niemals Streit einziehen! Also haben wir ihn beendet, bevor der Tag zu Ende gegangen war. Wir haben über Ansichten und Gefühle immer offen gesprochen, das hilft dabei, sich zu verstehen. Und es gab noch ein anderes Prinzip: Das Gemeinsame stand immer über den Alltäglichkeiten“, verrät Rolf Jacobi.

Die eisernen Eheleute am Tisch haben aber noch eine ganz andere Theorie: „Vielleicht haben uns die harten Jahre der Nachkriegszeit ganz besonders zusammengeschweißt“, fragt Werner Schütze mit zuckenden Schultern. Genau weiß man das nicht, in einem sind sich die Ehe-Jubilare aber einig: Sie würden ihre Frauen sofort wieder heiraten. Vom Fleck weg …