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Ehemalige Zellstofffabrik steht zum Verkauf

Für 1,5 Millionen Euro wird die Brandruine angeboten. Nur eine Besichtigung ist nicht mehr möglich.

Nach dem Feuer im Juni sind alle Fenster, Türen und Tore an der ehemaligen Zellstofffabrik zugemauert worden.
Nach dem Feuer im Juni sind alle Fenster, Türen und Tore an der ehemaligen Zellstofffabrik zugemauert worden. © Arvid Müller

Coswig. Kein Reinkommen mehr. Weder für potenzielle Käufer noch Brandstifter. Alle Tore, Türen und Fenster der ehemaligen Zellstofffabrik in Kötitz sind in den vergangenen Wochen zugemauert worden.

Anfang Juni hat es in dem alten Gebäude gebrannt. Etwa 50 Feuerwehrleute aus Coswig und den Nachbarorten kämpften stundenlang vor allem mit den Dachbränden. Den Kameraden war schnell klar, dass es Brandstiftung gewesen sein muss. Das bestätigte dann auch die Polizei. 

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Zeugen haben zu Brandbeginn, noch bevor die Feuerwehr eintraf, einen vermutlich 30-jährigen Mann, schwarz gekleidet, mit einem schwarzen Fahrrad und schwarzen Rucksack direkt in der Emil-Hermann-Nacke-Straße gesehen. Nach dem wird noch immer gesucht. Zu ihm haben die Kriminalisten jetzt eine detailliertere Beschreibung. Demnach ist das 28er-Herrenfahrrad dunkelblau. 

s hat unterhalb des Lenkers einen auffälligen gelben Sticker oder ein gelbes Band aufgeklebt. Der Mann hatte auf dem Rücken einen leichten Beutel, der mittels Bändern als Rucksack getragen wird. Auf dem dunkelblauen oder schwarzen Rucksack steht in Großbuchstaben „LEICHTES GEPÄCK“. Außerdem habe der Mann ein dunkelgrünes Basecap mit einer quietschgelben Sonnenblende getragen.

Mehrfach waren die Ermittler vor Ort, entdeckten ein Graffito, das kurz vor oder gleich nach dem Brand gesprüht worden sein muss. Einen Ermittlungserfolg können sie aber noch nicht verkünden.

Dass sich in der alten Fabrik regelmäßig Leute treffen, ist schon lange bekannt. Dabei ist das Betreten der Gebäude verboten. Der Zugang war bisher aber immer zu leicht. Regelmäßig waren Bauaufsicht und Polizei vor Ort. Der Besitzer habe immer mitgezogen, wenn es um Sicherungsmaßnahmen ging, heißt es aus dem Bauamt. 

Allerdings sei es auch schwierig, aufgrund der Größe der Fabrik und des Geländes, jedes Schlupfloch zu schließen. Und es werden immer erst günstige Maßnahmen ergriffen. Zunächst wurden die Fenster mit Holz verschlossen, nun eben alles zugemauert.

Der Besitzer will die Immobilie gern loswerden. Im Internet bietet die Beate Protze Immobilien GmbH das Gebäude und Areal im Auftrag des Eigentümers zum Verkauf an. Für das „sanierungsbedürftige“ Bestandsgebäude und die rund 42 000 Quadratmeter Gewerbegrundstück werden 1,5 Millionen Euro verlangt. 

„Ich gehe davon aus, dass der Brand an den Verkaufsabsichten nichts geändert hat“, sagt ein Mitarbeiter der Immobilien-Firma, der erst vergangene Woche mit einem Interessenten vor Ort gewesen sei.

Geeignet ist das Gebiet vor allem bei Bedarf an größeren Grundstücken zwischen 4 000 und 50 000 Quadratmetern. Verkehrsgünstig gelegen, direkt an der S 84, ist es. Ein Bebauungsplan existiert auch seit vielen Jahren.

 Eine Ansiedlung von neuem Gewerbe wäre vom Planerischen her ohne Weiteres möglich, sagt der Wirtschaftsförderer der Stadt, Osman Nasr. „Die vorhandenen Gebäude sind sicherlich nur bedingt nachnutzbar, die Brandschäden sind auch zu beachten, ein Abriss würde sich anbieten.“

Und dann ist da noch der Baugrund. Der müsste im konkreten Fall zunächst geprüft werden. Eine Eignung ist von der geplanten Nutzung abhängig. Laut Bebauungsplan ist in der Baufläche mit mehreren Meter tiefen Auffüllungen aus Bauschutt, Asche, Schlacke und Kalk zu rechnen.

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